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Kupfer unterm Wasserspiel

Die wenigsten werden ihn kennen – den Brunnen am Julius-von-Jan-Platz in Oberlenningen. Das ist schade, denn seit Mai 2014 erstrahlt er in neuem Glanz. Das vormals steinerne Brunnenbecken erhielt eine kupferne Bekleidung, deren perfekte Passform nicht nur Klempnerherzen höher schlagen lässt. In unzähligen freiwillig geleisteten Arbeitsstunden hauchten einige Mitglieder des bereits in BAUMETALL-Ausgabe 4/2013 vorgestellten Rat-&-Tat-Teams dem Kleindenkmal neues Leben ein. Zur Erinnerung: Die Erfassung der Lenninger Kleindenkmale gehört im Rahmen eines Ehrenamtsprojektes des Landratsamtes Esslingen ebenfalls zu den Aufgaben der im Netz e.V. eingebundenen Gruppierung. Und so kam es, wie es kommen musste: Nach umfangreicher Recherche und zahlreichen Gesprächen mit den Verantwortlichen startete die Planungsphase zur Rettung des Oberlenninger Kleinods. Zunächst wurden alle Möglichkeiten zur Vorgehensweise, Terminierung und Kostendeckung der hinzugezogenen Fachbetriebe erörtert. Es folgte eine Einschätzung bezüglich sonstiger Handwerkerleistungen sowie die Erstellung eines Haushaltsplans. Nach entsprechender Freigabe durch das Bürgermeisteramt starteten die Arbeiten im Winter 2013/14.

Gastrecht in der Klempnerwerkstatt

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen und die Materialspende der Osnabrücker KME gesichert war, starteten die Arbeiten in der Werkstatt des Lenninger Fachbetriebes Dangel-Metall. Rasch entpuppt sich das Projekt als anspruchsvoll und umfangreich. Entsprechend hoch ist die Anforderung an die fachliche Kompetenz zur Herstellung der Metallsegmente, doch glücklicherweise befindet sich mit Gottlieb Dangel ein erfahrener Fachmann in den Reihen des Rat-&-Tat-Teams. Der Kupferschmiedemeister war nicht nur als Initiator für dieses Projekt aktiv. Immer dann, wenn es um Verschönerungen und Verbesserungen seiner Heimatgemeinde geht, ist der rüstige Rentner mit von der Partie. Dazu Gottlieb Dangel: „Zuerst wurde geplant, skizziert und anschließend wurden die erforderlichen Teile aufgerissen. Nun war zu überlegen, wie und vor allem von wem die Teile bearbeitet werden. Beim Projekt Marktplatzbrunnen und der dazugehörenden Winterabdeckung habe ich quasi nebenbei beobachtet, wer aus unserem Team für die Arbeiten qualifiziert ist.“ Schnell fand sich ein sechsköpfiges Spezialistenteam zusammen, das binnen vier Monaten immer wieder im Einsatz war. Dabei haben Hans Kinateder, Dieter Seltenreich und Wolfgang Holder besonderes Talent an den Tag gelegt. Zwar begannen sie ihre „Lehrzeit“ erst im fortgeschrittenen Alter – dafür aber mit einer der schwierigsten Aufgaben, der Anfertigung abgerundeter, kreisförmiger Kupferabdeckungen. Es folgte die Herstellung des Kupferbodens sowie die Verbindung der einzelnen Elemente. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Einzelteile relativ handlich, doch spätestens nach dem Fügevorgang stellte die entstandene Abmessung sowie das hohe Gewicht eine neue Herausforderung dar. Zum Glück gibt es bei Dangel-Metall noch Maschinen, die unkompliziert zu bedienen sind und flexibel eingesetzt werden können.

Altes Wissen und Mut zum Ausprobieren

Nachdem die kupferne Brunnenschale probeweise in den steinernen Brunnenring eingesetzt wurde, entschieden sich die Experten dazu, auch die Außenseite des Brunnens mit Kupfer zu bekleiden. Der dazu erforderliche Metallring war schnell hergestellt. Wesentlich anspruchsvoller war die Verbindung dieses Ringes mit den Abdeckblechen, doch die Männer ließen nicht locker: Es wurde so lange getüftelt und probiert, bis ein handwerklich und ästhetisch einwandfreies Produkt entstand, doch damit nicht genug. Damit im Brunnen Wasser zu- und abfließen kann, wurden ein Wasserpilz, ein Überlaufrohr und eine zusätzliche Putzöffnung angefertigt.

Ehren-Gesellenbrief

Transport und Montage einschließlich der Herstellung aller Anschlüsse sowie der anschließende Probebetrieb bildeten den Abschluss der Arbeiten. Am 5. Mai 2014 war es dann soweit. Unter großem Applaus wurde der Brunnen enthüllt und an die Gemeinde Lenningen übergeben. In rund 350 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden haben die ehrenamtlich aktiven Rat-&-Tat-Männer gezeigt, was sie können. Dass sie mit ihrer Leistung besonders zufrieden sein können, versteht sich von selbst. Dazu Werner Schulmeyer (Netz e.V.): „Mit der Übergabe des Brunnens sind für Gottliebs Gehilfen die Lehrstunden in Dangels Werkstatt beendet. Bekanntlich wird eine Berufsausbildung mit der Gesellenprüfung abgeschlossen. Euer Gesellenstück kann sich sehen lassen, weshalb euch als Zeichen der Anerkennung ein Ehren-Gesellenbrief ausgehändigt wird.“ Diese große Geste beweist, dass es nie zu spät ist, etwas dazuzulernen, und selbstverständlich gratuliert auch BAUMETALL zu dieser reifen Leistung.

Werner Schulmeyer

ist Koordinator und Leiter der im Netz e.V. organisierten und ehrenamtlich tätigen Gruppierung Rat-&-Tat.

https://unser-netz.info/

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