Baumetall Ausgabe: 07-2017

Gemeindehaus im Spitzenkleid

erfahrung trifft erfinDergeist Wenn Handwerker und Architekten Hand in Hand planen und arbeiten, beide ihr Wissen, ihre Flexibilität und Weitsicht einbringen, ist ein herausragendes Ergebnis zu erwarten. Architektin Tilla Theus und der Fachbetrieb Scherrer Metec schufen ein filigranes Meisterwerk

  1. Teil: Gemeindehaus im Spitzenkleid
  2. Teil: Bautafel

Wie ein Spitzenkleid schmiegt sich der Stoff aus Aluminium um den markanten Körper. Durch die schimmernden Maschen blitzt die rote Haut, dazwischen sind die ovalen Schatten der Fenster zu erkennen. Selbstbewusst, fast trotzig prägt das Gebäude seit 2017 den historischen Dorfkern von Unterengstringen in der Schweiz. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass die Fassade mehr ist als ein verspielter Blickfang; sie verschafft dem Haus symbolträchtige Identität. Die Maschen haben die Form von Pflugschar und Rebmesser – die beiden Zeichen auf dem Wappen der Gemeinde Unterengstringen. Das auffallende Gebäude ist das von Tilla Theus entworfene Gemeindehaus. Mit ihren Werken hat die Zürcher Architektin international Bekanntheit erlangt. Monumentale Formen und extravagante Fassaden sind charakteristisch für die Bauten der gebürtigen Bündnerin.

Fassade als Spielwiese für Kreativität

Während sich die Architektin bei der Gestaltung der tragenden Elemente streng an amtliche und physikalische Gesetze halten muss, ist sie im Design der Fassade freier und hat mehr Spielraum für Kreativität. Trotzdem gehen die Aufgaben der Gebäudehülle weit über das Ästhetische hinaus: Sie soll beständig und einfach im Unterhalt sein, Wind und Wetter trotzen, für Kühlung sorgen und energieeffizient sein.

Hat die Architektin Schnitt und Form von Baukörper und Fassade aufs Papier gebracht, braucht es einen Partner, der sich um die Planung, Technik und Umsetzung kümmert – sozusagen den Schneider. Für die Realisierung einer so außergewöhnlichen Gebäudehülle wie in Unterengstringen sind Erfahrung, Fachwissen und Erfindergeist gefragt. Tilla Theus entschied sich für die Zusammenarbeit mit Scherrer Metec, einem Schweizer Traditionsunternehmen mit über 120 Jahren Erfahrung in Fassaden- und Metalltechnik.

Die Technik folgt der Architektur

Beim Bau in Unterengstringen galt es, die dekorative und komplexe Fassadenstruktur vom Plan in die Realität zu übertragen. Auch Funktionalität und Beständigkeit der Gebäudehülle lagen in der Verantwortung von Scherrer Metec. Man prüfte diverse Metalle und Holz und entschied sich dann für farbeloxiertes Aluminium, ein leichtes, dauerhaftes und unterhaltsfreies Material. Die Formen von Pflugschar und Rebmesser wurden aus den Metallschindeln gestanzt. Scherrer Metec übernahm auch die heikle Aufgabe der millimetergenauen Montage. Die Spezialisten fixierten die Schindeln auf der darunterliegenden Fassadenebene aus rot eloxiertem Aluminium. Die Befestigung erfolgte punktuell und unsichtbar – ein ausdrücklicher Wunsch der Architektin.

Insbesondere die Eckkonstruktion musste haargenau zusammenpassen, ungeachtet der sonst üblichen Bautoleranzen. Die Dachkonstruktion stellt noch höhere Anforderungen an Material und Genauigkeit als die übrige Gebäudehülle. Wurden die geschlossenen Flächen an der Fassade auf ein Minimum reduziert, galt für das Dach das Gegenteil: Die Fläche muss absolut dicht und geschlossen sein und soll dennoch die hohen ästhetischen Ansprüche erfüllen und das Gebäude optisch umfließen.

Architektin und Fassadenspezialisten auf Augenhöhe

Tilla Theus bezog die Spezialisten von Scherrer Metec bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Planung ein, denn genügend Zeit für die Vorbereitung ist äußerst wertvoll. Werden alle Möglichkeiten von Anfang an durchdacht und Hürden frühzeitig erkannt, verläuft die Bauphase unproblematisch; Termin- und Budgetplan werden eingehalten. Die gegenseitige Abhängigkeit war allen Beteiligten bewusst. Herrschen bei Standardbauten normalerweise hierarchische Sitten, ist bei einem Projekt wie in Unterengstringen die Zusammenarbeit von Architektin und Bauspengler auf Augenhöhe essenziell. Aufseiten von Scherrer Metec setzt dies Fachwissen sowie Interesse und Verständnis für die Architektur voraus. Ziel ist immer, die Pläne der Architektin eins zu eins umzusetzen. Dabei wird den Mitarbeitenden oft alles abverlangt. Es kommt vor, dass für die Realisierung einer Idee alle bekannten und vorhandenen Werkzeuge, Materialien oder Verfahren untauglich sind. Dann wird getüftelt und probiert, bis eine Lösung gefunden ist, die alle Ansprüche an Optik, Technik und Funktionalität erfüllt – damit das Fassadenkleid perfekt sitzt, den Baukörper schützt und auch nach Jahrzehnten noch Freude bereitet.

  • Hinter der filigranen Fassade aus eloxiertem Aluminium zeichnen sich die darunterliegende Fassadenebene und die ovalen Fenster ab

  • Das Fassadenmuster zeigt Pflugschar und Rebmesser – die beiden Wappenzeichen der Gemeinde

Foto: www.zuegerpix.ch

Foto: www.zuegerpix.ch

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