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Per Bahn zur Euroblech

Spenglercockpit, Coilprocessing, Digital Mindset, Fördertöpfe für Investitionswillige, Titanzink und Umwelt, Seefracht nach Thailand, iib, Vernetzung von Maschinen, Facebook-Posts, Macher und Zettelwirtschaft. Stichworte wie diese bewegen die Branche derzeit offensichtlich besonders. Gesammelt habe ich sie auf der wichtigsten Messe für Blechbearbeitung – der Euroblech 2018 in Hannover. Zugegeben: Es ist nahezu unmöglich, an einem einzigen Messetag alles zu sehen. Umso intensiver habe ich die Begegnungen mit Brancheninsidern, Quereinsteigern und Outsidern erlebt. Und genau daran möchte ich Sie teilhaben lassen. Ungefiltert und werbefrei – versprochen! Lesen Sie weiter und begleiten Sie mich auf (m)einem etwas anders getakteten Messebesuch. Anders schon allein deswegen, weil ich mit leichtem Gepäck unterwegs war und meinen Fokus somit verstärkt auf das Miteinander der Branche und weniger auf das Sammeln von Produktinformationen gelegt habe. Keine Angst! Obwohl dieser Beitrag durch die Bündelung von Messeeindrücken vorwiegend die Stimmung der Branche widerspiegelt, kommen die zahlreichen Neuigkeiten nicht zu kurz – versprochen!

Shoppingtour in großem Stil

Klar: Fachbetriebe sind immer bestrebt, bei Investitionen das möglichst beste Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erzielen. Das gilt in besonderem Maße bei der Anschaffung neuer Blechbearbeitungsmaschinen. Genau aus diesem Grund waren 56 301 Besucher aus aller Welt auf der Euroblech in Hannover – darunter zahlreiche Klempner. Von Kleinwerkzeugen wie den überaus praktischen Dräco-Rollformern über praktische Elektrowerkzeuge von Trumpf oder Schwenkbiegemaschinen verschiedener Hersteller bis hin zu leistungsstarken Coilbearbeitungszentren zum Umcoilen, Quer- und Längsteilen wurde alles geboten. Entsprechend umfangreich waren die Wunsch- bzw. Einkaufslisten der Fachbesucher. Gäbe es eine Wahl zur Shopping-Queen oder zum Euroblech-Einkaufskönig, käme der diesjährige Sieger in der Kategorie Klempner vermutlich aus Thailand. Zahlreiche Aussteller berichteten von einem aus Bangkok angereisten Metallverarbeiter, der bestrebt sei, diverse Überseecontainer nach dem Großeinkauf möglichst effektiv und so zu beladen, dass ein Maximum an Maschinen verschifft werden könne. Natürlich sind solche Kunden eher die Ausnahme. Dennoch belegen gerade sie, welche Stimmung derzeit in der Branche herrscht – übrigens nicht nur in Übersee, sondern auch im deutschsprachigen Europa.

Grenzenloses Netzwerkparadies

Was mir an Messebesuchen am besten gefällt, sind die Begegnungen mit Menschen. Dazu gehört der erwähnte Firmeninhaber aus Südostasien ebenso wie mein Vormessegespräch mit Digital-Lotse Christian Bredlow und das Treffen mit dem innovativen Inhaber der Softwareschmiede nuIT, Gerhard Resch. Alle Macher und Handwerker dürfte meine Unterhaltung mit dem branchenbekannten Zinkspezialisten Frank Neumann interessieren. Und speziell für Investitionswillige schildere ich meine Begegnung mit Fördermittelberater Torsten Eichel, aber der Reihe nach …

Messeauftakt bei Digital Mindset

Aufmerksame BAUMETALL-Leser kennen Christian Bredlow als Lotse in die Digitalisierung. Er selbst bezeichnet sich als Digitalspackie, was einem Menschen entspricht, der in (fast) allen Lebenslagen von digitalen Prozessen begleitet wird. Ich treffe ihn kurz vor Messebeginn im unweit vom Messegelände gelegenen Digital-Mindset-Hauptquartier. Schon am Empfang spüre ich Start-up-Atmosphäre und spätestens am Meetingpoint Kaffeemaschine bin ich mittendrin. Über 70 Personen arbeiten im lichtdurchfluteten Gebäude und spätestens nach dem Blick auf die biergartenähnliche Dachterrasse erkenne ich den Unterschied zwischen einem Büro, einer Redaktion und Digital Mindset. Neid kommt auf und der Gedanke daran, dass Arbeit, die Spaß macht, in einem angenehmen Umfeld noch schöner ist. Wir gehen weiter und Bastian Brunotte zeigt mir auf einem virtuellen Computer-Rundgang, wie das neue Mindset-Office aussehen wird. Das Besondere: Alle Mitarbeiter dürfen ihre Anregungen bei der Planung einbringen – empfehlen die Position der Möbel und nehmen auf die Entwicklung des Farbkonzepts Einfluss. Unser Gespräch über die Fortsetzung der BAUMETALL-Digital-Workshopangebote sowie die weitere Zusammenarbeit ist zielführend.

Software-Spengler machen Spengler-Software

Das nenne ich Speeddating, denn nur eine Tasse Kaffee später bin ich mittendrin im Messegewimmel. Ich besichtige Langabkantmaschinen, lasse mir Neuheiten zur Coilbearbeitung vorführen und nehme im Spengler-Cockpit Platz. Dann teste ich Kleinwerkzeuge und spreche abermals über digitale Arbeitsabläufe. Apropos: Wussten Sie, dass es in der Klempnerszene Softwarespezialisten gibt, die zugleich Herzblutspengler sind? Auf Gerhard Resch trifft das exakt zu, denn er ist tief in einem traditionsreichen Familienunternehmen verwurzelt. Sein auf Software zur Metallbearbeitung spezialisiertes Unternehmen heißt nuIT GmbH. Es ist ein innovatives Unternehmen mit mehr als zehn Jahren Praxiserfahrung im Bereich der hocheffizienten Kantteilfertigung für Spenglertechnik und Metallbau. Gerhard Resch entwickelt seit 2006 Lösungen zur Automatisierung und Prozessoptimierung der eigenen Erzeugung von Metallprofilen, Kantteilen, Trapezblechen und profilierten Blechbahnen. Sein Know-how ist auch bei Maschinenherstellern wie Thalmann, Schechtl oder Jorns und somit in immer mehr Klempnerfachbetrieben gefragt. Dort geht es schließlich immer öfter darum, Maschinen unterschiedlicher Fabrikate miteinander zu vernetzen und mit einer zentralen Software anzusteuern. Für die Reschs ist daher überaus wichtig, ausnahmslos alle nuIT-Lösungen zuerst im eigenen Unternehmen unter realen Bedingungen zu testen und sie den Kunden dort im Echtbetrieb vorzustellen.

Zink am Bau: ästhetisch, nachhaltig und erlaubt!

Praxisnahe Infos ganz anderer Art hatte Zinkprofi Frank Neumann im Gepäck. Im Rahmen seiner neuen Tätigkeit als Hauptgeschäftsführer der Initiative Zink hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Bauämter, Architekten und Fachbetriebsinhaber über Erkenntnisse zu aktuellen Zink-Abschwemmtests und der damit verbundenen Versickerung von Niederschlagswasser zu informieren. Seine Botschaft lautet: „Für die Umwelt ist von Zinkbedachungen abgeleitetes Regenwasser absolut unbedenklich. Ein generelles Verbot von Zinkbedachungen ist daher rechtswidrig und Aufklärung von zentraler Bedeutung.“ Zinkprofi Neumann bietet bei der Beantwortung von Fragen zum Thema Hilfe an. Informationen zur Initiative Zink sind unter www.initiative-zink.de abrufbar.

Die Euroblech ein Dorf, der Messebahnhof ein Segen

Kurz darauf treffe ich Valentin Schnyder aus Elgg in der Schweiz und Michael Kirchen aus Luxemburg. Beide sind bekennende Digital-Spengler. Ja, ich weiß, was Sie jetzt denken. So etwas gibt es nicht! Dennoch führen beide Spengler wirtschaftlich sehr erfolgreiche Unternehmen und beide profitieren von der Einführung digitaler Arbeitsprozesse. Dass ich Schnyder und Kirchen fast gleichzeitig treffe, beweist: Die Spenglerwelt ist auch auf der Euroblech ein Dorf.

Mir bleibt noch eine Stunde. Zeit genug, um zwei weitere Aussteller zu besuchen. Routinemäßig checke ich die digitale Hosentasche, will heißen die Bahn-App. In Echtzeit erfahre ich vom Zugausfall Richtung Süden. Die einzige Alternative ist ein in acht Minuten abfahrender IC nach Karlsruhe. Beherzt nehme ich die Beine in die Hand, erreiche den Zug in letzter Sekunde und finde mich neben dem ebenfalls abgehetzten Torsten Eichel wieder. Dasselbe Schicksal teilend, kommen wir ins Gespräch und ich erfahre, dass es Spezialisten gibt, die fast alle Fördermittel auswendig kennen. Eichel ist als Fördermittelberater tätig. Zahlreiche seiner Kunden sind Maschinenentwickler oder Unternehmer, die sich mit der Anschaffung teurer Maschinen befassen. „Sie glauben nicht, wie riesig die Fülle ungenutzter Fördergelder ist“, sagt Eichel und verspricht, in einer der nächsten BAUMETALL-Ausgaben detailliert darüber zu berichten …

Immer wieder gerne

Den Rest der Fahrt nutze ich dazu, erste BAUMETALL-Artikel über diverse Messeneuheiten und diesen Text zu schreiben. Dass mein Zug an nahezu jedem Bahnhof stoppt und ich mein Ziel erst gegen Mitternacht erreiche, ist somit nicht weiter tragisch. Für mich hat sich das stramme Programm gelohnt und so freue ich mich bereits auf die nächste Euroblech, die vom 27. bis 30. Oktober 2020 stattfinden wird.

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