Baumetall Ausgabe: 02-2019

Azubi-Shuttle in Richtung Zukunft

  1. Teil: Azubi-Shuttle in Richtung Zukunft
  2. Teil: Andreas Buck

Coole Werbung „Mit 15 solltest du langsam wissen, ob du Feuerwehrmann oder lieber doch Astronaut werden möchtest“, sagt der Vater zum Sohn. Dessen Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Chill mal, das hat doch noch so viel Zeit, und überhaupt hab ich absolut keinen Plan.“ Wortwechsel wie diese treiben Eltern in den Wahnsinn und er-öffnen gerade uns Klempnern Chancen. Warum? Weil Desorientierung bestens dazu geeignet ist, nützliche und für Teenager interessant auf-bereitete Informationen zielgerichtet zu platzieren. Aber was ist ziel-gerichtet, oder anders gefragt: Wie erreichen Fachbetriebsinhaber potenziellen Nachwuchs? Beide Fragen können nur unzureichend beantwortet werden. Videos, Ausbildungsbörsen, Flyer und Prospekte, Mundpropaganda und Imagekampagnen sind mögliche Strategien. Welche davon am erfolgreichsten ist? Ich weiß es nicht! Umso überraschter war ich über die Aussage eines 15-Jährigen zu einem Werkzeug-Werbeflyer. Auf dem Titel: drei coole Typen, die als breitbeinig dastehende Helden der Arbeit knallrote Bohrmaschinen präsentieren.

Genau meine Firma „Bei so einer Firma würde ich gerne arbeiten“, sagt mein Gegenüber. „Warum?“ „Weil es cool ist, dass die drei so unterschiedlich sind: ein Junger, ein 30-Jähriger und ein Alter. Das zeigt mir, dass ich in diesem Betrieb sehr lange arbeiten könnte. So wie die aussehen, macht der Job scheinbar auch Spaß.“ Das sitzt. Dumm nur, dass der Bohrmaschinenhersteller mit seinem Flyer keine Klempner-Azubis sucht, sondern versucht, seine Produkte an den Mann zu bringen. Tatsächlich fehlt beim Blick auf zahlreiche Azubi-Kampagnen genau dieser Aspekt. Teamwork in generationenübergreifendem Arbeitsumfeld wird fast nie kommuniziert. Die Botschaft dahinter ist wichtig. Sie lautet: „Hier kannst du lange arbeiten – wir garantieren dir entsprechende Sicherheit!“

Fachwissen darf nicht verloren gehen Dass der Nachwuchs von erfahrenen Kollegen am meisten lernt, ist unstrittig. Komisch ist, dass in letzter Zeit viel über Sinn und Unsinn rund um die Weitergabe typischer Klempner-Basics diskutiert wird. Schweifen von Hand sei unnütz, sagen die einen. Wer nicht schweifen kann, wird nie ein guter Klempner, die anderen. Mir fällt auf, dass sich immer mehr Kollegen darum bemühen, Fachwissen zu sichern. Beispielsweise können exakt solche Grundkenntnisse mithilfe von Mediatafeln im Europäischen Klempner- und Kupferschmiedemuseum erlernt werden. Auch die BAUMETALL-Workshopreihe vermittelt Grundlegendes. Das Work-shopangebot ist derart beliebt, dass sogar erfahrene Kollegen davon Gebrauch machen und ihr traditionelles Wissen vertiefen.

Sind alte Zöpfe sexy? Vielleicht. Auf jeden Fall muss die Ver-packung sexy sein, denn nur dann gelingt es uns, Aufmerksamkeit zu erzeugen und Interesse zu wecken. Gepaart mit einer attraktiven Berufsbezeichnung, einer Neuausrichtung der Lehrinhalte samt Anpassung der Ausbildungsdauer sowie der Ausbildungsvergütung kann es durchaus gelingen, mehr Jugendliche für den Beruf des Klempners zu begeistern. Wichtig ist jedoch, keine Zeit dabei zu verlieren!

Herzlichst Ihr

Klempnermeister Andreas Buck (Chefredakteur)

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