Baumetall Ausgabe: 04-2019

Mit Blick zum Himmel


Die Kirche St. Michael ist dank des langlebigen Kupferdachs nun vor Wassereinbrüchen geschützt. Die eigenwillige Geometrie blieb erhalten

Die Kirche St. Michael ist dank des langlebigen Kupferdachs nun vor Wassereinbrüchen geschützt. Die eigenwillige Geometrie blieb erhalten

Neueindeckung in Kupfer Das zeltförmig gestaltete Dach der Kirche St. Michael in der Schweiz musste rundum saniert werden. Dabei kamen bis zu 12 m lange Kupferscharen zum Einsatz, die die maroden Zementfaserplatten aus den 60ern ablösten

  1. Teil: Mit Blick zum Himmel
  2. Teil: Bautafel

Die katholische Kirche und das Pfarrhaus St. Michael in Uitikon wurden Ende der 1960er-Jahre erbaut und Ende 1970 eingeweiht. Architektonisch herausragend ist der polygonale Innenraum der Kirche, der von einem komplex gestalteten, freitragenden Holzdach überspannt wird. Oben in der Dachkonstruktion ist ein dreieckiges Dachfenster eingelassen, welches auf die Dreifaltigkeit verweist und den Raum tagsüber in helles, warmes Licht taucht. Die Außenseite der Dachkonstruktion hat einen zeltartigen Charakter und war ursprünglich mit kleinformatigen Faserzementplatten eingedeckt. Die neue Deckung erfolgte mit blankem Kupfer, das inzwischen seine schöne, natürliche Patina erhalten hat. Das Projekt wurde 2018 für den Wettbewerb „Goldene Spenglerarbeit“ nominiert, den der Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz (VDSS) alle drei Jahre ausrichtet. Der Jury gefiel besonders die traditionelle, sehr sauber ausgeführte Doppelfalzdach-Deckung.

Das Hauptproblem: ein undichtes Dach

2013 wurde der Bau einer tiefgreifenden Zustandsanalyse unterzogen, die ergab, dass eine umfassende Sanierung der Außenhülle und der technischen Anlagen erforderlich war. Das Hauptaugenmerk galt dabei dem Dach, das in der Vergangenheit bereits mehrmals nach Wassereinbrüchen notdürftig repariert worden war. Die Sanierung des Steildaches ab Dampfbremse mitsamt Spenglerarbeit sowie die Abdichtung des angrenzenden Flachdaches wurde der Firma Preisig AG anvertraut, die alle Leistungen aus einer Hand anbot.

Die umfangreiche Sanierung musste in einem engen Terminplan zwischen den kirchlichen Feiertagen Ende April und dem Beginn des neuen Kirchenjahres Anfang Dezember abgewickelt werden. Um die Arbeiten ohne wetterbedingte Unterbrechungen ausführen zu können, wurde zuerst ein Notdach errichtet.

Kupfer statt Asbest

Nach der fachgerechten Entfernung und Entsorgung der asbesthaltigen Eternit-Deckung wurde das Unterdach bis zur ursprünglichen Sparrenlage freigelegt. Darin wurden die Installationen für die neue Beleuchtung eingezogen und anschließend das Dach nach heutigem Standard gedämmt. Aufgrund der Erfahrungen mit der Anfälligkeit einer konventionellen Deckung bei komplexer Dachgeometrie und um den Aufwand mit Unterhalt und Reparaturen möglichst gering zu halten, hatte sich der Bauherr für eine Neueindeckung mit Kupfer entschieden.

Der Sakralbau wurde rundum aufgefrischt. Dank dem Einbau von transparentem Glas im Oberlicht kann man nun vom Kirchenraum aus den Himmel sehen. Außerdem erhielten die Außenfassaden einen neuen Anstrich. Problemstellen, wie etwa zu schmale Dachrinnen mit fehlenden Speiern (Notüberläufen) und liegenden Kittfugen konnten beseitigt werden. Im Kircheninnern wurden das liturgische Mobiliar und die Gebäudetechnik erneuert. Am ersten Advent 2014 konnte in der renovierten Kirche der Einweihungsgottesdienst stattfinden.

Die ursprüngliche Deckung aus den späten 60er-Jahren bestand aus asbesthaltigen Zementfaserplatten auf einer Fichtenlattung und einer Konterlattung, ebenfalls aus Fichte. Auch das Unterdach war mit asbesthaltigen, großformatigen Zementfaserplatten auf Dachlatten über einer 6 cm dicken Steinwolle-Dämmung zwischen den Sparren ausgebildet. Der Rückbau war für die Mitarbeiter sehr schweißtreibend. Da es sich um asbesthaltige Materialien handelte, mussten sie Schutzanzug und Schutzmaske tragen - und zwar ausgerechnet in den Sommermonaten Juni und Juli. Zum Glück spendete das Notdach etwas Schatten.

Neuaufbau des Daches

Das Dach wurde auf den bestehenden Sparren nach heutigen wärmedämmtechnischen Standards neu aufgebaut: Auf eine Dampfbremse Sager Varia DB wurde die Rollendämmung (Saglan 035 SBR) zwischen die Sparren eingebaut. Darüber wurden 60-mm-Pavaroof-Platten aufgebracht und ein vorkonfektioniertes Unterdach (Sarnafil TU 222) komplett auf die erste Konterlattung überschweißt. Die Winkelfalzdeckung aus 0,6 mm Kupfer mit einer Falzhöhe von 25 mm und einem Achsenmaß von 530 mm wurde auf eine offene Holzschalung (Fichte/Tanne 30 x 120 mm) über einer Konterlattung von zweimal 45 x 50 mm aufgebracht.

Eine besondere Herausforderung war die Frage, wie die bis zu 12 m langen Scharen aufs Dach gehievt werden können. Aufgrund des Notdachs war der Einsatz eines Krans ausgeschlossen. Nach intensiver Beratung brachte der Spengler-Vorarbeiter die bestechend einfache Idee ins Spiel, eine Gerüstrampe zu stellen. Mit dieser Lösung konnten sämtliche Bleche ohne Beulen oder sonstige Schäden an ihren Bestimmungsort transportiert werden.

Rinnen- und Traufdetails

Anspruchsvoll waren die etwas speziellen Rinnen- und Traufdetails. Mangelnde Überlaufsicherheit der Traufen, vor allem bei Schnee, war ursprünglich der Hauptgrund für die entstandenen Schäden. Die neuen Details mussten also unbedingt überlaufsicher sein. Zudem mussten im Knick der Traufe diverse Elektrorohre für die neue Beleuchtung in der Kirche geführt werden. Darüber hinaus waren intensive Beratungen mit dem Bauphysiker erforderlich, um die Details so zu lösen, dass der Taupunkt über der Abdichtung zu liegen kam. Dies führte zu folgendem Rinnenaufbau:

Rinne aus Kupferdicke 0,8 mm mit speziellen Steckverbindungen; die Rinne aus Kupfer ist nur Zierde und schützt vor mechanischer Verletzung

Strukturmatte Bauder VENT NSK, Dicke 8 mm

Rinne ausgekleidet mit Sarnafil TG 66 -18, komplett überlaufsicher verlegt und dicht mit dem Unterdach verschweißt

Dämmung PIR MV kaschiert 60 mm, mechanisch mit Tellern befestigt

Zusätzliche Dampfbremse Sarnavap 5000 E SA Alu

DWD-Platten 18 mm diffusionsoffen

Dreiecksbereich (Installationsebene für den Elektriker), komplett mit Steinwolle gedämmt

Falzführung bei der Dachdeckung

Obwohl die Fallrichtungen anhand der Sparrenlage eruiert werden konnten, waren zur Falzführung dieser ungewöhnlichen Dachfläche noch einige Fragen zu klären. Mit einer einfachen, aber effektiven Methode konnte die genaue Falzführung bestimmt werden: Ein nasser Tennisball, den man auf einem zuvor montierten glatten Blech herunterrollen ließ, zeigte mit seiner Wasserspur den genauen Verlauf gut an. So erkannt, so ausgeführt. Das neue Dach wurde ebenfalls mit den heute geforderten Sicherheitsanlagen bestückt und der Blitzschutz wurde auf den neuesten Stand gebracht.

  • Das sanierte Dach im Neuzustand mit dem noch glänzenden, blanken Kupfer

  • Schöne Optik der inzwischen patinierten Spenglerarbeit, Rinne, Anschluss Doppelfalzdach und Schneefanganlage

Stefan Forster / VDSS

Stefan Forster / VDSS

Literatur

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

Facebook
klempnerzukunft
Videos
Leserprojekte
BM-Newsletter

Ja, ich möchte den BM-Newsletter kostenlos abonnieren:

BAUMETALL E-Paper Erleben Sie jetzt die BAUMETALL auch digital als E-Paper. Diesen Hinweis ausblenden.