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Goldenes Dach aus Aluminium

Suche nach dem Klempnerstern

Haben Sie fünf Spengler für mich? Dieser Hilferuf ist in der Klempner- und Spenglerwelt nicht ungewöhnlich, besonders in Spitzenzeiten, in denen große Bauprojekte realisiert werden sollen und entsprechendes Fachpersonal Mangelware ist. Genau solch ein Hilferuf wurde zu Beginn des Jahres 2008 von Robert Egner abgesetzt. Als Geschäftsführer des in Malaysia ansässigen Fachbetriebes Karl Metal Craft SDN BHD war er auf der Suche nach Klempnern und Spenglern für die Arbeiten an einem ganz besonderen Gebäude – dem DUN-Projekt in Ost Malaysia.

Über BAUMETALL und das Kollegenforum der Klempnerzukunft erfuhr auch ich von diesem Projekt. Da ich mich zum Zeitpunkt der Stellenausschreibung in der Spenglermeisterschule Schweinfurt befand und meine berufliche Zukunft nach der Meisterprüfung im April 2008 noch ungewiss war, liebäugelte ich mit dem Gedanken dieses Angebot anzunehmen. Doch die Zeit verging und die Aktualität des Projektes verlor etwas an Bedeutung für mich, bis Anfang des Jahres Robert Egner die Meisterschule in Schweinfurt besuchte. Er berichtete über seine Firma und das Projekt, das neue Parlamentsgebäude des Bundesstaates Sarawak, und entfachte meine Neugierde abermals. Nach reichlichen Überlegungen und Rücksprache mit meinem bisherigen Arbeitgeber in der Schweiz, der mir zusicherte jederzeit wieder willkommen zu sein, entschied ich mich dafür, das Abenteuer Malaysia zu wagen.

Auf neuen Pfaden

Bereits wenige Tage nach Abschluss der Meisterprüfung am 30. April 2008 befand ich mich auf dem Weg. Schon beim Landeanflug auf Kuching, der Hauptstadt des malaiischen Bundesstaates Sarawak auf Borneo, konnte ich die Größe des Gebäudes erahnen. Gleich am er-sten Tag lernte ich für das Projekt verantwortliche Personen kennen. Detailliert besprachen wir aktuelle Probleme und suchten nach entsprechen-den Lösungen. Darauf- hin verschaffte ich mir einen Eindruck vom Stand der Arbeiten am Gebäude. Am zweiten Tag konnte ich zusammen mit zwei einheimischen Ingenieuren das Gebäude von Nahem betrachten. Schließlich sollte ich von nun an mehrere Monate auf der Baustelle verbringen, also brannte ich geradezu darauf, meinen neuen Arbeitsplatz und die neuen Kollegen kennen zu lernen.

Der erste Eindruck war absolut überwältigend! Heerscharen von Arbeitern waren auf dem Gelände unterwegs. Die Größe der Baustelle und die Höhe des Daches flößten mir gehörigen Respekt ein. Die Ausmaße dieses Gebäudes lassen sich nur schwer in Zahlen ausdrücken. Die Gesamthöhe bis zur Spitze beträgt nahezu 125 m, die Gesamtbreite mit Straße und der darunter liegenden Tiefgarage dürfte die 200-m-Marke gut überschreiten. Alleine die großen Pyramiden auf dem Dach des sechsten Stockwerkes haben mit einer Grundfläche von 16 x 16 m und einer Höhe von 11 m die Ausmaße eines Zweifamilienhauses. Die Dachfläche des Hauptturmes beträgt etwa 6500 m² welche anteilig in Doppelstehfalztechnik sowie als einfacher Flachfalz ausgeführt wurde.

Alles in Allem hat das Projekt etwa die Größe des Kölner Domes. Es gleicht einer Rakete, welche von oben gesehen 18 sternförmig angeordnete Satteldächer, also 36 Dachseiten, aufweist. Die identische Dachform ist im verkleinerten Maßstab auch an der Banketthalle so wie an der Moschee wieder zu finden.

Baustellenorganisation auf malaiisch

Für die komplette Installation der Steh- und Flachfalzelemente wurden selbstbohrende Schrauben sowie Schiebe- und Festhafte benötigt. Sämtliche Flachhafte wurden von der Firma Steelon hergestellt, einzeln ausgemessen und zertifiziert. Ich möchte behaupten, dass die mit der Zertifizierung und Herstellung der Haft beauftragte Dame nach dem Projekt wohl nie wieder einen Flachhaft anfassen wird. In diesem Zusammenhang möchte ich die ISO 9001 Zertifizierung von Steelon erwähnen. Diese Zahl hat mich so einige Male beinahe um den Verstand gebracht, denn durch sie war an ein gewohntes Arbeiten nicht zu denken. Alles musste notiert, gerechtfertigt und verbucht werden. Dutzende von Computerzeichnungen und Animationen wurden zur Projektierung angefertigt. Das war einerseits sehr angenehm, denn es standen stets aktuelle Pläne zur Verfügung. Andererseits wurde dadurch jede schnelle Entscheidung oder das Ausprobieren vor Ort verhindert.

Ein Wort zur Verständigung: Gleich am ersten Tag zahlte sich aus, dass ich im Englischunterricht aufgepasst habe. Die asiatische Aussprache englischer Vokabeln ist zwar gewöhnungsbedürftig, doch nach einiger Übung war die Kommunikation einigermaßen gewährleistet. Dennoch blieben sprachbedingte Probleme, Fehler, Zeitverzögerungen aber auch lustige Begebenheiten nicht aus.

Die Montage beginnt

Das Montageteam bestand aus 13 philippinischen Arbeitern um deren Vorarbeiter „John“ sowie zwei aus Deutschland angereisten Spenglermeistern. Zwei weitere Arbeitskräfte waren ständig in der Produktion eingesetzt. Nach einigen Tagen der Akklimatisierung und des Kennenlernens sowie der Gewöhnung an den malaiischen Arbeitsrhythmus konnten wir mit der Installation der ersten Scharen beginnen. Durch die Höhe des Hauptturmes konnten die bis zu 7,50 m langen Scharen nur mit Hilfe eines der beiden Kräne transportiert werden. Die dazu eingesetzte Transportbox brachte esin beladenem Zustand auf stattliche 500 kg.Allein die sichere Lagerung der Aluminiumelemente war ein Akt. Bei über 35º Cwaren acht Mann nahezu drei Stunden damit beschäftigt, die Box auf dem Dach zu sichern. Auch die Montage ging nur sehr schleppend von der Hand. Zum einen, weil die Arbeiter zum ersten Mal in ihrem Leben außerhalb der Trainingsstunden ein Stehfalzdach installierten und somit die Arbeitsabläufe noch nicht eingespielt waren – zum anderen, weil es Kommunikationsprobleme gab. Schnell wurde uns klar, dass selbst wir, die aus Deutschland angereisten Fachleute, den Arbeitsablauf noch nicht vollkommen »

verinnerlicht und vereinheitlicht hatten. Das ernüchternde Ergebnis: Wir benötig-ten für die ersten 28 Scharen fast drei komplette Tage. Dies konnten wir am Ende jedoch bei immer noch tropischer Hitze auf fünf Minuten für die Installation der Transportbox und sechs Stunden für das Verlegen einer „Lieferung“ optimieren.

Pfeilschnelle Flachfalzeindeckung

Nachdem alle 36 Dachseiten in Doppelstehfalztechnik bedeckt waren folgte die Installation der Flachfalz-Elemente. Hier machte sich die Höhe noch stärker bemerkbar als es schon im „unteren“ Bereich des Daches der Fall war. Daher entschied ich, dass es einfacher wäre, die Boxen auszuladen und die einzelnen Scharen mit Haken zu sichern. So befestigten wir die Flachfalzscharen an Rohrgestellen, welche aus Sicherungs- und Fortbewegungsgründen installiert worden waren. Dies erwies sich als eine äußerst effektive und einfache Lösung, sorgte für kurze Transportwege und konnte mit nur zwei bis drei Mann erledigt werden. Unser ehrgeiziges Ziel, das Dach des neue Parlamentsgebäudes bis zum malaiischen Nationalfeiertag am 31. August voller Stolz präsentieren zu können, rückte näher. Zur Steigerung der Montageleistung wurde die sieben Tage Woche mit acht bis zehn Stunden Arbeitszeit eingeführt. Auch „experimentierten“ die Philippiner mit teilweise absurden Ideen. Beispielsweise wurden die Hafte nur mit einer Schraube befestigt und vorgegebene 25-cm-Haft-Abstände willkürlich erhöht. Auf meine Frage warum eine Schraube genüge bekam ich zu hören: „Aluminium not heavy, one screw enough“ (Aluminium nicht schwer, eine Schraube genug).

Mit Schrecken erinnere ich mich an meine erste Begegnung mit den „modifizierten“ Elektrowerkzeugen. Überhaupt verursacht die auf der Baustelle eingesetzte Elektroinstallation Albträume, ist „spannend“ und „erschreckend“ lustig zugleich. Genau so verhält es sich mit der Arbeitssicherheit und der malaiischen Arbeitsplanung. Ergonomie am Arbeitsplatz ist ein absolutes Fremdwort und niemand scheint sich Gedanken darüber zu machen, wie etwas einfacher funktionieren könnte.

Trotz der geschilderten Arbeitsweise ist die Qualität der ausgeführten Arbeiten sehr hoch. Zum einen, weil die Philip-piner allesamt sehr gute Handwerker sind und schnell lernen und zum anderen, weil sie alle Anweisungen so genau wie möglich ausführen. Ich möchte sogar behaupten, dass wir uns mit fortschreitender Montage vor einer ausgebildeten deutschen Montagegruppe nicht verstecken müssen.

Mein Klempnerstern

Interessant ist auch die Vorgehensweise während der Bauabnahme. Zur Qualitäts- und Beweissicherung wurde die gesamte Dachfläche mit einer Videokameragefilmt. Die herangezoomten Details konnten anschließend auf mögliche Fehler untersucht werden. Bei der enormen Dachhöhe wurden tatsächlich Schadstellen gefunden, die mit bloßem Auge nicht zu sehen waren. Offensichtlich war beim Abbau eines Krans oder der Montage der Glasoberlichter ein Bauteil auf das Dach gestürzt. Die schadhaften Stellen wurden umgehend repariert. Beim Betrachten der Aufnahmen von diesem ungewöhnlichen sternförmigen Dach sind alle Strapazen schnell vergessen. Heute blicke ich mit entsprechendem Stolz zurück und stelle fest: „Ich bin um eine unglaubliche Lebens- und Arbeitserfahrung reicher und habe dabei meinen persönlichen Klempnerstern gefunden“.

* Alexander Seuß ist Klempnermeister und wohnhaft in Sankt Peter im Schwarzwald

Alexander Seuß*

Dachaufbau von Innen nach Außen

Das gesamte Dach ist auf einer Stahlkonstruktion aufgesetzt. Diese wurde vor Ort aus größeren Elementen installiert. Darüberliegend ist eine zweite Stahlkonstruktion als Montageebene für die Installation des Trapezprofils befestigt. Auf dem Trapezprofil ist zweilagig das sogenannte „Plywood“ (eine Art Dreischichtbrett) verschraubt. Darauf liegt das „Grace Ice and Waterschild“, eine bitumenbeschichtete, wasserdichte Unterdachfolie. Die metallische Außenhaut besteht aus insgesamt 45 t Falzonal-Farbaluminium der Marke Novelis. Im Farbton mayagold und einer Materialstärke von 0,9 mm wurden die Dachelemente aus 600 mm breiten Bändern gefertigt.

Details

Der untere Bereich ist im Doppelstehfalz-System gedeckt. Die Falzabschlüsse sind teilweise umgelegt. Zur Dehnungsaufnahme ist jede neunte Schar mit einem einfachen Falz ausgeführt. Aufgrund der zunehmenden Dachschräge sind höher liegende Dachbereiche lediglich durch einen einfachen Flachfalz ausgeführt.

Schwierigkeiten

Durch die Form des Daches waren Materiallagerung und Montage überaus anspruchsvoll. Auch war das Begehen des Daches, bedingt durch die Dachschräge gefährlich und erforderte den ganztäg-igen Einsatz von Klettergurten. Einige Arbeiter versuchten barfuß zumindest etwas Halt zu finden

Fachbetrieb:

Karl Metal Craft SDN BHD ist ein seit 1995 in Singapur etablierter und renommierter Spenglerfachbetrieb.https://www.roofmetal.com/

Antworten aus dem Kollegen-Forum*:

  • Am Samstag habe ich eine Bewerbung geschrieben und am Sonntag um 8:30 Uhr einen Rückruf aus Malaysia erhalten. Mein Eindruck: Wer sich dafür Interessiert sollte keine Angst haben!
  • Bitte einmal nachdenken: Was ist im Krankheitsfall? Wie ist man versichert? Wie sind die Arbeitszeiten, etwa zwölf Stunden an sechs Tagen in der Woche? 2000 Euro auf die Hand entsprächen schon bei fünf Tagen und zwölf Stunden täglich nur 8,33 Euro in der Stunde.
  • Die Krankenversicherung kostet für mich in der teuersten Alternative keine 100 Euro im Monat.
  • Wir arbeiten 48 Stunden in der Woche. 8,33 Euro sind nicht die Welt, aber wir bekommen hier 1500 Ringit (etwa 280 Euro) Spesen vor Ort. Eine komplette Mahlzeit kostet zwischen fünf und zehn Ringit.
  • Auch ich habe vor ein paar Jahren selber mit einem Job im Ausland geliebäugelt. Eine Versicherung die bei Unfall, Krankheit und im schlimmsten Fall bei Arbeitsunfähigkeit bezahlt kostet so viel, dass ein großer Teil des Lohnes weg ist. Kein einziger ausländischer Arbeitgeber wollte auch nur einen Teil dieser Kosten mittragen.
  • Zur Krankenversorgung hier vor Ort: Ich war auch einmal beim „Arzt“! Die Diagnose hätte ein Totengräber stellen können. Auch sollte man bei dem was man isst und trinkt die Augen offen halten.
  • Wer Aluminium ohne Probleme verarbeiten kann ist ein super Spengler, wer schon mal im Ausland war sammelt eine Menge Erfahrungen
  • Ich bin Klempnermeister aus dem Allgäu. Nach einem Arbeitsjahr in Sydney/Australien kehre ich gerade über Singapur nach Deutschland zurück. Leider bin ich nur auf der Durchreise. Das Projekt ist sicher etwas, was man nicht alle Tage zu sehen bekommt, also überlegt´s euch.
  • 1500 Euro im Monat zu Hause? 2000 Euro im Monat in Asien bei sicherlich 55 Stunden in der Woche? Rechnet genau nach ob es sich Lohnt!
  • Lohnt sich! Was bleibt von den 1500 Euro am 31. des Monates noch?
  • Ich habe mir einen Arbeitsvertrag zukommen lassen. Nach dem Durchlesen habe ich es bleiben lassen!
  • Der Vertrag ist nicht so schlimm wie er zu schein sein. Ist etwas kurz – reicht aber.

* Sinngemäßer Auszug aus der Diskussion im Kollegen-Forum der Klempnerzukunft.