Spenglermeister Maik Kunstmann sendet einen Hilferuf aus der Praxis und dokumentiert ein Trauerspiel in zwei Akten: Am Berufsbildungszentrum (BBZ) Meiningen zeigt sich drastisch, wie Bürokratie, Lehrermangel und fehlende Fachkompetenz die Ausbildung angehender Spengler lahmlegen – zum Schaden der Betriebe und der Auszubildenden. Es ist hinreichend bekannt, dass im Spengler- und Klempnerhandwerk um jeden Kopf gekämpft wird. Umso wertvoller ist jeder Jugendliche, der sich für diesen anspruchsvollen Beruf entscheidet. Was passieren kann, wenn die schulische Ausbildung über Monate hinweg kollabiert, veranschaulicht Kunstmann mit gleich zwei Zuschriften:
Erster Act: Dezember 2025
Die Bürokratie blockiert die Rettung
Der langjährige Fachlehrer in Meiningen ist schwer erkrankt. In der Folge fällt der fachbezogene Unterricht weitgehend aus und der fachpraktische Unterricht bricht zu 100 % weg. Als Übergangslösung versucht die Schule, mit einem Zimmermanns-Ausbilder auszuhelfen – fachlich weit am Berufsbild des Spenglers vorbei. Dabei gäbe es eine pragmatische Lösung: Ein Spenglermeister aus Suhl steht bereit, um als Honorarkraft einzuspringen. Doch die Bürokratie bremst: Das Schulamt gibt die Stelle nicht frei. Trotz hoher Fahrt- und Internatskosten für die Azubis aus drei Bundesländern (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) klafft eine Lücke im Stundenplan.
Zweiter Act: September 2026
Zehn Monate später, null Fortschritt
Ein Dreivierteljahr später wende ich mich verzweifelt direkt an die Landespolitik und schreibe an den sächsischen Landtagsabgeordneten Jörg Schmidt. Die Bilanz im neuen Schuljahr 2026/27 ist fatal: Die Auszubildenden befinden sich mittlerweile im entscheidenden 3. Lehrjahr und stehen kurz vor ihren Prüfungen. Zwar wurden der Schule drei neue Lehrkräfte zugeteilt – die fachliche Wissensvermittlung lässt jedoch nach Aussage der Lehrlinge zu wünschen übrig. Statt prüfungsrelevanten Inhalten wird der Lehrstoff aus dem 1. Lehrjahr wiederholt. Somit werden Personen, die zum qualifizierten Handwerker oder gar künftigen Meister ausgebildet werden sollen, im Regen stehen gelassen.
Für mich offenbart dieser Fall gleich mehrere strukturelle Versäumnisse: „Wenn qualifizierte Meister aus der Praxis nicht als Honorarkräfte eingebunden werden dürfen, stolpert das Bildungssystem über seine eigenen Paragrafen. Darüber hinaus fällt es mir schwer nachzuvollziehen, dass fachspezifischer Unterricht durch fachfremde Ausbilder vermittelt wird. Am meisten ärgert mich, dass die Azubis lange Anfahrtswege und Internatstage auf sich nehmen und statt eine Top-Ausbildung zu erhalten, mit fragwürdigem Ersatzunterricht abgespeist werden.