Die Kathedrale Sainte-Marie Majeure de Marseille ist eine der wenigen Kathedralen, die im 19. Jahrhundert erbaut wurden, und gehört zu den größten, die nach dem Mittelalter entstanden sind. Aufgrund von Fehlern bei der letzten Neueindeckung vor über 70 Jahren hat die Witterung das Gebälk beschädigt. So wurden Restaurationsarbeiten nötig. Im ersten Bauabschnitt wurde die Dacheindeckung des Kirchenschiffs erneuert. Dabei kamen 40 t Walzblei der Krefelder Röhr+Stolberg GmbH zum Einsatz. Besonders nachhaltig: Die Bleispezialisten aus Deutschland haben das Altblei des Kathedralendaches zurückgenommen, eingeschmolzen und für neues Blei wiederverwertet. Federführend für die Abwicklung in Frankreich war die dortige Schwesterfirma D‘Huart Industrie.
„Wir sind sehr stolz, dass eins der bedeutendsten sakralen Monumente Frankreichs durch unser Blei zu neuem Glanz kommt“, sagt Yvan Boulat, Verkaufsleiter Bedachungsprodukte bei D’Huart Industrie. Die neoromanisch-byzantinische Marienkathedrale in Marseille ist mit ihren 142 m Länge, dem 20 m hohen Kirchenschiff und der zentralen Kuppel mit einem Durchmesser von über 17 m ein imposantes Gebäude. Sie steht an der Stelle der alten Marienkathedrale, die schon im 4. Jahrhundert bestand. Im Zuge der Sarazeneneinfälle, zuletzt 923 n. Chr., und der Französischen Revolution erlitt das historische Gebäude schwere Schäden. Als Napoleon III. Marseille im Jahr 1852 besuchte, legte er den Grundstein für den Neubau, der 1896 fertiggestellt wurde. Seitdem gehört das denkmalgeschützte Gebäude zu den größten Kathedralen Frankreichs.
Das feuchte Mittelmeerwetter in Marseille sowie die Einflüsse der Industrialisierung haben der Kathedrale über die Zeit zugesetzt. Eine 2018 erschienene Evaluierungsstudie belegte einen „beschleunigten Verfall der Kathedrale“, sodass kurzfristiger Handlungsbedarf bestand, um das historische Gebäude zu retten. Unter anderem wiesen die Bleiabdeckungen am Kirchenschiff Schäden auf und waren an einigen Stellen nicht mehr wasserdicht. Diese Schäden waren auf Planungsfehler bei der ersten Neueindeckung vor über 70 Jahren zurückzuführen. Die jetzt durchgeführten und fachgerechten Restaurationsarbeiten mit neuen Bleiblechen schützen die Dachkonstruktion und das Innere nun für Jahrzehnte zuverlässig vor Witterungseinflüssen.
Aus der Vergangenheit lernen
Dass Blei das am längsten haltbare Dachmaterial ist, wussten auch die historischen Baumeister. „Blei kann, wenn es richtig verlegt wird, problemlos Jahrhunderte überdauern“, sagt Darius Bartetzko, Verkaufsleiter von Röhr+Stolberg. Bei der Marienkathedrale sollte das Blei dafür sorgen, dass das Innere der Kirche vor Witterung geschützt ist. Das Material ist dafür bestens geeignet, da es sich durch seine leichte Formbarkeit perfekt an komplexe Strukturen anpasst und durch sein Eigengewicht abdichtet. Allerdings wurde bei der ersten Neueindeckung die Bleiausdehnung unterschätzt, sodass sich die Bleihaut verzog und es zu Undichtigkeiten kam. Aufgrund von Feuchteschäden mussten bei den Sanierungen sogar einige Balken ersetzt werden. Um solche Schäden in Zukunft zu vermeiden, haben die Spezialisten für Metalleindeckungen die Überlappungen der drei Millimeter starken Bleiplatten von neun Zentimetern auf 20 cm erhöht. Dadurch hat das Blei genügend Platz, sich auszudehnen, ohne die Dichtigkeit zu gefährden. So ist die Bausubstanz unter der Bleidecke sehr gut vor Witterung geschützt und wird lange erhalten bleiben.
100 Prozent recyceltes Blei
Um die 700 m² des Kirchenschiffdaches neu einzudecken, hatte der Kunde einen besonderen Wunsch: Das Altblei des Daches sollte wiederaufbereitet werden. Für diesen Auftrag wurde Deutschlands führender Bleihersteller Röhr+Stolberg von seinem französischen Schwesterunternehmen D´Huart Industrie kontaktiert. Insgesamt 40 t Altblei wurden von Marseille nach Krefeld transportiert, dort eingeschmolzen und wiederverwertet. Aufgrund aktueller Normen zu Bleilegierungen wurde neues Blei beigemischt. Daraus wurden 580 Bleche Walzblei von 2 m Länge und 85 cm Breite nach Kundenwunsch gewalzt. Hinzu wurden noch 45 weitere Bleirollen geliefert, die für Ausbesserungsarbeiten und die Endschnitte genutzt wurden. „Dass das Altblei zu 100 % wiederaufbereitet wurde, hat zwei Vorteile“, sagt Darius Bartetzko. „Einerseits sorgt es für erhebliche Kosteneinsparungen aufseiten des Kunden und andererseits ist das vollständige Recycling gut für die Umwelt. Altblei kann ohne Qualitätsverlust eingeschmolzen und wiederverwertet werden.“ Ein weiteres Plus ist der niedrige Schmelzpunkt von Blei. Das ist gerade mit Blick auf die Energiepreise ein Faktor, der die Erzeugungskosten vergleichsweise niedrig hält. Vor diesem Hintergrund konnte das gesamte Grundmaterial wieder in den Materialkreislauf zurückfließen.
Historisches Design. Recyceltes Material.
Da die Kathedrale Sainte-Marie Majeure de Marseille ein denkmalgeschütztes Gebäude ist, lag der Schwerpunkt der Restaurationsarbeiten darauf, das ursprüngliche Design zu erhalten. Mit dem Einsatz von unbehandeltem Walzblei und großer Expertise der ausführenden Gewerke konnte die bekannte Optik erhalten bleiben. Um diese Aufgabe zu stemmen, beauftragte die Regionale Direktion für kulturelle Angelegenheiten DRAC (Direction régionale des affaires culturelles) das Unternehmen Le Ny Alain SAS aus Lyon, das sich unter anderem auf die Restaurierung von historischen und denkmalgeschützten Gebäuden spezialisiert hat.
Die von Röhr+Stolberg hergestellten Bleche wurden von dem Unternehmen vor Ort auf das Kathedralendach gebracht und dort mit kleinen Kupferklammern am Untergrund befestigt. Um die Bleiplatten einfacher bearbeiten zu können, wurden sie mit einer Lötlampe erhitzt und anschließend mit einem Teflonhammer in Form gebracht. Dadurch konnten die Bleche auch an die unebenen Wandanschlüsse angepasst werden. Beim Eindecken mussten die Dachdecker darauf achten, den mit Rosen verzierten Dachfirst nicht zu beschädigen, der während der gesamten Restaurationsdauer auf dem Dach geblieben war, um ihn vor Transportschäden zu schützen. Als Feinschliff wurde die komplette Dachfläche mit Patinaöl behandelt, um die Farbunterschiede der Bleibleche auszugleichen.