Die Fassadenheros mit den glücklichen Gastgebern Andreas Votteler und Thorsten Haas (4. u 5. v. r.) bei Barth in Renningen
Ob sich Barth-Geschäftsführer Andreas Votteler und -Prokurist Thorsten Haas den Fassadenwettbewerb so vorgestellt haben? Vermutlich nicht! Umso überraschter waren die beiden Herren in den weißen Hemden bei der Prämierung der Fassadenheros
Mitte September 2026 fand im Rahmen der Barth-Hausmesse das erste Fassadenbattle statt. BAUMETALL war vor Ort und hat den drei Teams auf die Finger bzw. hinter den Fassadenaufbau geschaut. Die Konstruktionskonzepte der Metallfassaden konnten kaum unterschiedlicher sein. „Genau so war es auch von Anfang an gedacht“, erklärt Thorsten Haas: „Was wir nicht bedacht haben, ist die Komplexität und die damit verbundene Einzigartigkeit der drei Fassadenkonzepte. Eine objektive Bewertung war darum ebenso schwierig wie die Benennung eines Gewinners. In Absprache mit Co-Initiator Andreas Buck vom BAUMETALL-Team haben wir uns daher entschieden, alle Teams auszuzeichnen.“ Zur Erinnerung: Die Teams bestanden jeweils aus erfahrenen Klempnern bzw. Spenglern und kreativen Partnern aus den Bereichen Architektur, Industriedesign und Kunst. Ziel des Fassadenbattles war es zu zeigen, was mit Metall realisiert werden kann, wenn Kreativität entfesselt wird. Auf den folgenden Seiten stellt BAUMETALL die drei Teams und deren Konzepte vor. Am Beitragsende sind die BAUMETALL-Leser aufgerufen, sich an einer Umfrage zu beteiligen.
Bild: BAUMETALL
Team Kunst um Metallbildhauerin Manuela Geugelin
Bild: BAUMETALL
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Team Architektur um Theo Härtner (2.v.r) und Jochen Köhler von Prefa (Mitte)
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Team Design um Felix Brunold (l.) und Bruno Rösch von Rimex (3.v.l.)
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Wie lässt sich Kunst an Bauwerken integrieren, dass sie sich harmonisch in die Architektur einfügt, statt wie ein aufgesetzter Fremdkörper zu wirken? Dieser zentralen Vision widmete sich das Team um Künstlerin Manuela Geugelin aus Freiburg mit den Spenglern Christian Neuhauser und Jürgen Schäfer aus Neresheim. Entstanden ist ein mehrteilig aufgefächertes Fassadenmodell von überraschender Leichtigkeit: Die schräg zulaufenden Formen und dynamischen Flächenproportionen verleihen der Konstruktion einen spielerischen, fast mobilen Charakter – vergleichbar mit einem spontan aufgestellten Paravent. Nach dem künstlerischen Entwurf von Manuela Geugelin zeigte das Trio in der handwerklichen Umsetzung eindrucksvoll, wie lebendig Metall verarbeitet werden kann. Aus walzblankem 0,5-mm-Zink der Marke VM-Zinc formten Geugelin, Neuhauser und Schäfer mit Treib- und Schmiedehämmern sowie Falzzangen ausdrucksstarke Fassadenelemente. Durch gezielte Faltungen und unzählige präzise Hammerschläge entstanden Oberflächen, deren Vertiefungen und Wölbungen organisch anmuten und dem kühlen Baumetall eine haptische Tiefe verleihen. Das Blech verwandelte sich unter ihren Händen in ein eigenständiges Kunstobjekt. Kombiniert wurden diese Freiformen mit dunklen Falzelementen in Anthra-Zinc (0,7 mm). Deren Querfalze greifen die Linienführung der Elemente stilvoll auf und bilden einen spannungsreichen Kontrast. Das Ensemble fügt sich zu einer durchdachten Fassadenbekleidung zusammen, die auch in der Praxis realistisch umsetzbar wäre.
„Durch Faltung und gezielte Hammerschläge verwandelt sich kühles Baumetall in ein lebendiges Kunstobjekt.“
Bild: BAUMETALL
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Aufgefächerte Fassade aus VM Zinc
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Metallbildhauerin Manuela Geugelin in Action
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Christian Neuhauser im Geugelin-Kunstatelier
Wer im Sommer Raffstores oder Rollläden schließt, verliert Tageslicht und den freien Blick nach draußen. Dieser Problematik widmete sich das Team Architektur um Theo Härtner (Härtner Architekten, Stuttgart) gemeinsam mit den Klempnermeistern Kai Plätzmüller und Marvin Bürger von Falztechnik Bürger. Ihre Kernidee: Den Sonnenschutz nicht als störendes Anbauteil aufzusetzen, sondern als funktionale Geometrie direkt in die Gebäudehülle zu integrieren. Nach dem Prinzip eines Basecaps schwingt die Fassade über Fensteröffnungen vor und spendet gezielt Schatten, ohne das Sichtfeld einzuschränken. Ein architektonischer Kniff, der das Handwerk vor eine anspruchsvolle Aufgabe stellte. Zur Bekleidung der organisch gewölbten Fläche wählte das Team Prefa-Wandrauten aus Aluminium im Standardformat 20 x 20. Der gestalterische Clou liegt im Spiel dreier verschiedener Farbtöne, die der Fläche eine lebendige, dynamische Struktur verleihen. Zur Veranschaulichung der komplexen Ausformulierung diente ein detailliertes Papiermodell. Die meisterhafte Leistung zeigte sich bei der Montage: Dank fundiertem Know-how gelang es den Klempnermeistern, die dreidimensionale Wölbung ausschließlich mit Standardrauten einzudecken. Durch präzisen Satz, gekonnte Ausrichtung und spenglergerechte Einpassung im Falzbereich konnte komplett auf kostenintensive Sonderanfertigungen verzichtet werden. Das Ergebnis überzeugt als wirtschaftliche und gestalterisch herausragende Lösung für zukunftsweisende Fassadenbekleidungen.
„Wir integrieren den Sonnenschutz in die Fassade – für Schatten und Ausblick, ohne das Tageslicht zu nehmen.“
Bild: BAUMETALL
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Die Rauten passen sich der Wölbung harmonisch anKai, Marvin und Papiermodell
Bilder: BAUMETALL
Kann eine Metallbekleidung gleichzeitig hochpräzise berechnet sein und optisch wie ein sanft gewobenes Geflecht wirken? Dieser gestalterischen und technischen Herausforderung stellte sich das Team um Industriedesigner Felix Brunold von der Vektornode AG aus Zürich zusammen mit dem Fachbetrieb Gebrüder Adelsberger aus Waakirchen bei München. Umgesetzt wurde das anspruchsvolle Konzept von Stefan Adelsberger sen. und seinem Sohn Stefan Adelsberger. Entstanden ist eine „gewobene Metallfassade“, deren Schattenfugen und fließende Wölbungen eine faszinierende plastische Tiefe erzeugen. Das Konstruktionsprinzip besticht durch geniale Einfachheit: Die kurzen Metallstreifen werden komplett flach zugeschnitten und erst bei der Montage zwischen die Halterungen gespannt. Weil jeder Streifen minimal länger ist als der Abstand seiner beiden Halter, wölbt er sich durch die eigene Elastizität sanft nach außen. Der Kniff: Bei 0,5 m Spannweite genügt ein einziger Millimeter Überlänge, um eine Wölbung von 1,5 cm zu erzeugen. Ein eigens entwickelter Algorithmus berechnete die exakten Abmessungen und fasste 221 Streifen und 255 Halterungen zu mathematischen Typen zusammen. Material: Rimex-1,5-mm-Edelstahl, T22 Prestige RosyGold mit Hairline-Schliff.
„Wir wollten zeigen, wie aus flachen Blechen allein durch digitale Parametrik und präzise Werkstoffspannung ein lebendiges, dreidimensionales Fassadengeflecht entstehen kann.“
Bild: BAUMETALL
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Die Streifen wurden per Faserlaser zugeschnitten
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Die Halterungen wurden auf einer CNC-Abkantpresse gebogen
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Die drei Fassadenkonzepte zeigen eindrucksvoll, wie facettenreich und zukunftsfähig der Werkstoff Metall in der modernen Gebäudehülle eingesetzt werden kann. Ob als bildhauerisches Kunstwerk aus frei getriebenem Zink, als parametrisches Geflecht oder als architektonisch integrierter Sonnenschutz – die Teams haben die enormen Gestaltungsmöglichkeiten des Spenglerhandwerks bewiesen. Der Wettbewerb verdeutlicht exzellent, wie traditionelle Klempnertechnik und innovative Entwurfsansätze nahtlos ineinandergreifen. Ein herzlicher Dank gilt allen beteiligten Künstlern, Architekten, Designern und Handwerkern, die sich mit beeindruckender Präzision und Leidenschaft dieser Herausforderung gestellt haben. Danke auch an alle Industriepartner für die materielle Unterstützung. Noch einmal Thorsten Haas: „Als Veranstalter und Gastgeber war es uns eine Freude, den Rahmen für diesen gewerkübergreifenden Austausch zu bieten – ein starker Impuls für die Architektur von morgen!“
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Messebesucher schauen Manuela Geugelin beim künstlerischen Umformungsprozess zu
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Marvin und Fabienne Bürger zusammen mit Kai Plätzmüller in Aktion
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Stefan Adelsberger sen. bei der Feinjustierung eines Mikrohalters
Welcher Entwurf ist Ihr Favorit?
Ein Wettbewerb. Drei völlig unterschiedliche Ansätze. Drei faszinierende Ergebnisse: Das Team Kunst hat Metall in eine ausdrucksstarke, organische Freiform verwandelt. Team Design zeigte mit mathematischer Parametrik, wie flaches Blech durch reine Spannung zu einem dreidimensionalen Geflecht wird. Und das Team Architektur integrierte den Sonnenschutz nach dem Basecap-Prinzip direkt in die Gebäudehülle. Jedes Konzept zeigt auf seine Weise, wie viel Potenzial in modernen Fassadenbekleidungen aus Metall steckt.
Nun ist Ihre Meinung als Fachleserin und Fachleser gefragt! Welcher Entwurf hat Sie am meisten begeistert? Welches Prinzip hat aus Ihrer Sicht die größte Zukunft im Spenglerhandwerk?
Senden Sie uns Ihre Meinung oder Ihre Gedanken dazu per E-Mail an redaktion@baumetall.de mit dem Stichwort „Fassadenheros“.
Unter allen Einsendungen verlosen wir drei PDF-Ausgaben des wiederaufgelegten Schlenker-Fachbuchs.
Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen und Ihre Meinung aus der Praxis!