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Ein Meistermacher geht vom Dach

Arno Fell verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand

Manchmal gibt es Momente im Handwerkerleben, an denen man kurz innehalten muss. Zum Beispiel dann, wenn ein langjähriger, engagierter Weggefährte die Lehrwerkstatt bzw. das Dach verlässt. Genau das trifft auch auf Meistermacher Arno Fell aus Würzburg zu. Wie kaum ein anderer Trainer hat er das Spenglerhandwerk über Jahrzehnte hinweg geprägt und im besten Sinne weitergedacht. Nun ist es also so weit – „unser Arno“ geht in den Ruhestand. Für BAUMETALL ist das Grund genug, die wichtigsten beruflichen Stationen des Spenglermeisters Revue passieren zu lassen.

Fernlicht an!

Den Blick stets auf Zukunftsthemen gerichtet, war Fell vielen Innovationen gegenüber aufgeschlossen. Ohne das traditionelle Handwerk aus den Augen zu verlieren, haben ihn Themen wie die Digitalisierung im Handwerk oder moderne Werkstattausstattungen begeistert. Mit Workshopangeboten zur Optimierung von Werkstattabläufen, der Einführung von Software-Systemen wie Bendex im Unterricht oder der Anschaffung moderner Quer- und Längsteilanlagen samt einem dazu passenden Doppelbieger hat er bewiesen, wie zeitgemäß Meisterschule heute sein kann.

Gestartet hat Fell seine Ausbilder-Laufbahn im Januar 1994. In den folgenden Jahren baute er gemeinsam mit dem Team der Handwerkskammer und dem damaligen Team der Fahrzeugakademie in Schweinfurt die Meisterschule für Spengler Schritt für Schritt auf. Ab 1999 leitete er die Schweinfurter Vollzeit-Meisterschule, die 2014 nach Würzburg verlegt wurde. Dort bildete Fell fortan nicht nur den Meisternachwuchs aus, sondern übernahm auch Bildungsaufgaben rund um die Überbetriebliche Ausbildung (ÜLU) für die Lehrlinge aus Unterfranken, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Und auch außerhalb der Lehrwerkstatt war der Trainer sehr engagiert – war dabei, als es darum ging, die Ausbildung an die Anforderungen der Zeit anzupassen. So unterstützte Fell 2006 den ZVSHK dabei, die Mustermeisterprüfung und den Rahmenlehrplan zu entwickeln. Darüber hinaus bringt er seine Erfahrung seit 2012 im bundesweiten Arbeitskreis Aus- und Weiterbildung ein. Außerdem war er federführend beim Aufbau des Seminarangebotes der Handwerkskammer Unterfranken beteiligt, das heute 13 verschiedene Kurse umfasst. Neben Kursen rund um Falztechnik oder zur Herstellung kunsthandwerklicher Gegenstände hat sich Fell auch im Rahmen externer Schulungen bei Handelspartnern wie der DEG in Aßlar oder Leupoldsgrün engagiert.

Sichtbar sein ist überlebenswichtig!

Die landläufig bekannten Messeauftritte der Meisterschule tragen ebenfalls Fells unverkennbare Handschrift: Was Ende der 90er-Jahre auf winzigen 4 m² auf der IFH Sanitärmesse in Nürnberg begann, ist heute ein beeindruckender, 200 m² großer Auftritt auf der Dach+Holz International. Ergänzt wird das Messeengagement mit Präsenzen bei Branchenpartnern wie bei Kaufmann in Neu-Ulm. Unvergessen bleibt auch die Entwicklung und Erstellung der spektakulären Messewand „Libelle“ – ein grenzübergreifendes Projekt, das Fells Meister-Team gemeinsam mit Metallbildhauerin Manuela Geugelin, dem BAUMETALL-Team und Kollegen aus der Schweiz realisierte. Die „Libelle“ steht dabei beispielhaft für sein verbindendes, visionäres Mindset. Kurz: Fell hat das Würzburger Bildungszentrum kontinuierlich modernisiert.

Wer sich in der Würzburger Lehrwerkstatt genauer umschaut, kann entsprechende Beweise kaum übersehen. Rund 500 000 Euro flossen in die Werkstattausstattung: Von der Abcoilvorrichtung über die Spaltanlage bis hin zum Doppelbieger und in Kürze dem Laser ist heute alles vorhanden, um dem Nachwuchs die lückenlose Kette von der digitalen Planung bis zur präzisen Fertigung aufzuzeigen. Bei aller beruflichen Weitsicht galt bei Fell immer die Devise: Wer die moderne CNC-Maschine beherrschen will, muss auch wissen, wie man mit der Deckzange oder der Sickenmaschine umgeht.

Für BAUMETALL war Arno Fell über all die Jahre hinweg mehr als nur ein geschätzter Ansprechpartner – er war ein Impulsgeber, ein kritischer Geist und ein echter Partner. Seine Gabe, junge Menschen für Metall, Form und Detail zu begeistern, hat Generationen von Spenglermeistern geprägt. Wenn „unser Arno“ nun den Schritt in den Ruhestand wagt – aus rein privaten Gründen, wie er betont –, blickt er mit Dankbarkeit und Stolz zurück. Aber wer glaubt, er setzt sich jetzt einfach in den Schaukelstuhl, kennt Arnos Ideenreichtum schlecht: „Mein Lebensabend ist mit so vielen Ideen gespickt, ich habe fast die Befürchtung, ich muss 110 Jahre alt werden, um alles umzusetzen“, schmunzelt er. Sein festes Ziel für die Zukunft: Keinen Schritt mehr ­

zurück machen. Oder wie er es selbst treffend auf den Punkt bringt: „Nach vielen Jahren voller Bleche, Baustellen, Schüler, Meister und manchmal auch besonderer Herausforderungen darf ich nun den vielleicht schwierigsten Arbeitsschritt in Angriff nehmen: das Aufhören. Ich bin gespannt, ob ich das genauso gut hinbekomme wie das Anfangen.“

Lieber Arno, das BAUMETALL-Team dankt dir von Herzen für deinen unermüdlichen Einsatz, deine Visionen, deinen Humor und die großartige Zusammenarbeit über all die Jahre. Du wirst der Meisterschule und der Branche fehlen – aber deine Spuren im Handwerk bleiben. Für deinen neuen Lebensabschnitt wünschen wir dir beste Gesundheit, Zeit für all deine Pläne und weiterhin den gewohnten Weitblick!

Arno Fell ist in der Werkstatt und am Computer ein Meister seines Faches

Bild: HWK Unterfranken

Arno Fell ist in der Werkstatt und am Computer ein Meister seines Faches

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