Das Color-Metal-Hauptgebäude mit Eingang, Büros und Verkaufsshop für Kleinteile und Werkzeuge
Wie der rumänische Händler und Produzent mit NE-Metallen historische Bausubstanz bewahrt und die Spenglerkunst neu belebt Von Herbert Mock
Mit der Region Transsilvanien verbinden viele zuerst die Horrorgeschichten von Dracula. Dieser war jedoch kein blutsaugender Vampir, sondern ein Herrscher und Kriegsherr. Der Mythos des Vampirs entstand durch den gleichnamigen Roman des irischen Schriftstellers Bram Stoker 1897 und die späteren Hollywood-Verfilmungen. Geboren 1431 im heutigen Sighișoara (früher Schäßburg) regierte Fürst Dracula (Sohn des Drachens) mit grausamer Härte und mit extremen Abschreckungsmethoden. Im Innern des Fürstentums Walachei sorgte Dracula für strikte Ordnung. Und auch als Kriegsherr, vor allem gegen das Osmanische Reich, war der Fürst gefürchtet.
In Siebenbürgen und benachbarten Regionen lebten bis zum Zweiten Weltkrieg über 800 000 Deutschsprachige. Sie wurden, abgeleitet von ihren Herkunftsregionen, als Siebenbürger Sachsen oder Banater Schwaben bezeichnet. Heute umfasst die deutschsprachige Minderheit in den ehemaligen Siedlungsgebieten knapp 20 000 Menschen. Sie konzentriert sich auf einige wenige Regionen. Hauptort war damals Klausenburg – heute rumänisch Cluj, die zweitgrößte Stadt Rumäniens mit über 500 000 Einwohnern. Cluj beherbergt die älteste und bekannteste Universität Rumäniens, an der in drei Sprachen (Rumänisch, Ungarisch, Deutsch) gelehrt wird.
Lange Zeit gehörte Siebenbürgen zum Königreich Österreich-Ungarn. Ab Ende des 17. Jahrhunderts war es unter der Herrschaft der Habsburger als Großfürstentum und von 1867 an bis zum Ende des Ersten Weltkriegs unter der ungarischen Krone innerhalb der k. u. k. Monarchie. Diese österreichisch-ungarische Zeit hatte großen Einfluss auf die Architektur.
Metallbedachungen aus Tradition
Zeugnis dieser Epoche geben zum Beispiel öffentliche Bauten, Kirchen, Villen und viele Schlösser der gehobenen Bürgerschaft und des Adels. Typisch für den Baustil dieser Zeit, hatten die Gebäude Metalleindeckungen aus verzinkten Blechen. Größere Dachflächen wurden in einfachen Stehfalzen ausgeführt, jedoch öfters auch mit Dachziegeln. Wahre Klempnerkunst zeigte sich an den zahlreichen verblechten Türmchen, Kuppeln, großen Erkern und Überbauten herrschaftlicher Gebäude. Zur Ausführung kamen dabei oft kleinformatige Schindeln oder Rauten sowie kunstvolle Ornamente und handwerklich aufwendig hergestellte Dekore.
Während der sozialistischen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verfielen viele dieser Gebäude. Andere wurden mit kleinformatigen, diagonal verlegten Zementfaserplatten eingedeckt, um sie nicht ganz dem Verfall preiszugeben. Nach dem Ende des Sozialismus und vor allem mit dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union wurden und werden viele dieser historischen Gebäude mit großem Aufwand restauriert, teilweise wieder komplett auf den bestehenden Grundmauern aufgebaut. Der rumänische Denkmalschutz lässt jedoch nur wenige Ausnahmen am historischen Außenbild zu und so bekommen die restaurierten Gebäude wieder ihr altes Aussehen der Fassaden und Dächer zurück. Analog zu den historischen Vorlagen werden die Renovationen wieder mit Metallbekleidungen ausgeführt, jetzt teilweise mit langlebigeren und nachhaltigeren Metallen wie Kupfer, Titanzink und Aluminium.
„Bei meinen Besuchen in Rumänien bin ich jedes Mal aufs Neue von der dortigen Professionalität fasziniert.“
Nichteisenmetalle werden immer häufiger für Dacheindeckungen und Fassadenbekleidungen genutzt. Das gilt besonders für gehobene Neubauten und moderne Einfamilienhäuser. In ländlichen Gebieten sind günstigere verzinkte Bleche dennoch weiterhin weitverbreitet. Wer etwas genauer auf Ausführungsdetails achtet, stellt deutliche Qualitätsunterschiede fest. Diese liegen in den sehr unterschiedlichen Qualifikationen und Möglichkeiten der einzelnen Betriebe begründet. Vor allem im ländlichen Raum bieten einige Handwerker ohne passende Werkzeuge oder fundierte Weiterbildung günstige Arbeiten an. Darunter leiden Fachbetriebe mit gut ausgebildeten Teams, die qualitativ hochwertige und anspruchsvolle Arbeit leisten. Diese qualifizierten Fachbetriebe haben in den letzten Jahren auch viele Fassaden passend zu aktuellen Architekturtrends realisiert. Neben gängigen Fassadensystemen fertigen sie auch spezielle Sonderausführungen an.
Metall zum Anbeißen
Das Unternehmen Color Metal hat es sich in den letzten Jahren einerseits zur Aufgabe gemacht, Nichteisenmetalle im Markt zu pushen und andererseits die Qualität von Metallbekleidungen in Rumänien auf ein neues Niveau zu heben. Color Metal wurde 2005 gegründet und hat sich seither auf den Vertrieb von Nichteisenmetallen spezialisiert. Der Kernbereich des Unternehmens konzentrierte sich zunächst auf Halbzeuge aus Aluminium, Kupfer und Messing, welche anfangs hauptsächlich an die Industrie und Baumärkte geliefert wurden. Im ersten Geschäftsjahr wurde bereits mit zwölf Mitarbeitern ein Umsatz von 3,2 Mio. Euro generiert. 2007 expandierte Color Metal national und eröffnete drei operative Standorte mit Lagern und regionalen Vertriebsteams. Der Hauptsitz ist in Odorheiu Secuiesc (dt. Oderhellen), außerdem gibt es neu eröffnete Niederlassungen in Bukarest und Timișoara mit jetzt über 30 Mitarbeitern. Mit der Anschaffung einer Schneidmaschine Schelling FM6 wurde 2011 das erste Servicezentrum aufgebaut.
Eine erste NFM(Non Ferros Metals)-Konferenz wurde in Timișoara organisiert, um die Verwendung von Nichteisenmetallen zu fördern und das Bewusstsein für die Verschlechterung historischer Bausubstanz zu schärfen. Als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach Kupfer- und Titanzinkeindeckungen in Rumänien wurde das Portfolio für das Bauwesen erweitert. Für Kupfer wurde eine Zusammenarbeit mit dem Hersteller KME und für Titanzink mit dem neuen Titanzinkanbieter El Zinc aus Spanien gesucht. Diese Periode markierte dann auch die Entwicklung der „Architectural Division“ von Color Metal.
15 Jahre nach der Geschäftsgründung wurde 2020 der neue Hauptsitz in Odorheiu Secuiesc offiziell eingeweiht. Auf einer Fläche von 5000 m² befinden sich Büros, Lager und ein modernes Servicezentrum. Der Standort ist die Grundlage für ein nachhaltiges Wachstum der Industrial- und Architectural Division und der jetzt auf 65 Mitarbeiter angestiegenen Belegschaft.
Ab 2023 wurde in einem Erweiterungsbau von 1300 m² in die Entwicklung eines Verarbeitungs- und Schulungszentrums für Architekturblechanwendungen investiert. Die Anlage wird als vollständiges Blechverarbeitungszentrum ausgestattet und umfasst das NE-Lager, Produktion, Schulungsmöglichkeiten für Dachdecker und Klempner sowie Büros. Inzwischen umfasst die Produktion Maschinen von Schlebach, Schechtl, Jorns und Lima sowie eine Um- und Decoilanlage. Color Metal hat im vergangenen Jahr im bulgarischen Plovdiv eine neue Anlage in Betrieb genommen. Das Werksgelände erstreckt sich über 3000 m². Die Produktion bedient dort den lokalen Markt, richtet sich vorerst aber ausschließlich an industrielle Anwender. Damit festigt Color Metal weiter seine Marktposition für die Industrie und vor allem für architektonische Anwendungen bei Renovierungen sowie bei anspruchsvollen Neubauprojekten.
Color Metal – Partner in Engineering
Die Architectural Division von Color Metal prägt den rumänischen Premiummarkt für Bedachungen und Metallfassaden maßgeblich. Innerhalb der nächsten drei Jahre strebt das Unternehmen hier die Marktführerschaft an. Dass diese Strategie aufgeht, zeigen die bisherigen Zahlen: Mehr als 100 Sanierungsobjekte wurden bereits mit Nichteisenmetallen von Color Metal umgesetzt. Mit einem kundenorientierten und qualifizierten Team liefert das Unternehmen innovative und integrierte Lösungen für die Bauindustrie. Außerdem bieten geschulte Mitarbeiter beratende und technische Unterstützung für Architekten, Klempner, Dachdecker und Investoren an. Die verfügbare Produktpalette von Nichteisenmetallen einschließlich der Fertigung von Halbzeugen und Metallelementen sowie die dazugehörigen Logistiklösungen stellen eine professionelle Projektabwicklung sicher. Besonderes Augenmerk verdient das Engagement an Architekturschulen und Universitäten. Durch Vortragsveranstaltungen und anschauliche Modelle bringt das Unternehmen den Studierenden die Praxis direkt näher. Außerdem werden in externen und internen Seminaren für Architekten Beispiele für Dachdeckungen und verschiedene Fassadensysteme und Anwendungsmöglichkeiten mit den verschiedenen Materialien und Oberflächen aufgezeigt.
Große Zustimmung finden die Weiterbildungen und Schulungen im neuen Schulungszentrum in Odorheiu. Die Schulungen werden zumeist von qualifizierten Personen der Hauptlieferanten der Architekturprodukte durchgeführt, wobei die Termine aufgrund der eingeschränkten Anzahl zur Verfügung stehender Übungsplätze und Modelle immer ausgebucht sind.
Auf der reaktiven Seite werden Architekten, Bauunternehmen und Investoren durch eigene und externe Ingenieure und Fachleute beraten. Das Leistungsspektrum reicht von der Beratung zu passenden Dach- und Fassadensystemen über die Kosten- und Materialermittlung bis hin zu technischen Detailzeichnungen. Schließlich umfasst es sogar die Ausführungsüberwachung – ein Service, der für die spätere Gewährleistung immer wichtiger wird. Gerade hier zeigt sich die ganze Problematik: Auch wenn eine gute Planung mit ausführlichen Details vorliegt, heißt das noch lange nicht, dass es auch eine gute Ausführung gibt. Viele Ausführende arbeiten weiterhin ohne Planung und ignorieren vorgegebene Details. Sie machen es lieber wie früher – ganz nach dem Motto: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Genau hier wirkt sich die Arbeit von Color Metal inzwischen aus. Gut ausgeführte Projekte veranschaulichen das und belegen darüber hinaus, dass Bauherren mehr und mehr bereit sind, sich bereits im Vorfeld verstärkt an ausführende Firmen zu wenden.
Gute Zukunftsaussichten
Inzwischen ist das Team von Color Metal auf 85 Mitarbeiter gewachsen. In den 21 Jahren des Bestehens gab es kaum Fluktuation. Ein motiviertes und aufgeschlossenes Miteinander prägt das Unternehmen: Von der Führungsebene bis zu den Beschäftigten an den Maschinen und im Lager herrscht ein vorbildlicher, wertschätzender Umgang.
Michael Giebler von KME beim Seminar „Löten von Kupfer“
Bild : Color Metal
Praktische Handwerkerschulungen im neuen Kompetenzzentrum helfen dabei ...
Bild : Color Metal
... dass sich solche Ausführungsmängel nicht wiederholen. Die Rinne soll wasserdicht sein (l.), und Scharen (r.) sollten sich ungehindert ausdehnen können. Den Festhaft ganz unten zu setzen, ist da ebenso wenig hilfreich wie der großzügige, aber unzulässige Abstand zum nächsten Schiebehaft
Das Herkulesbad soll einmal der mondänste und schönste Kurort in Europa gewesen sein. Der Badeort mit den schwefelhaltigen Thermalquellen wurde schon unter gleichem Namen von den Römern genutzt. Der Sage nach soll sich Herkules nach einer großen Anstrengung hier wieder erholt haben.
Die Blütezeit erlebte der Kurort im 18. und 19. Jahrhundert unter der Habsburger Monarchie und Kaiser Franz Joseph, als durch Wiener Architekten viele Bauten im spätbarocken und neoklassizistischen Baustil errichtet wurden. 1897 verbrachte Kaiserin Elisabeth (Sissi) mehrere Monate hier.
Während der sozialistischen Ära blieben dann die ehrwürdigen Bauten unangetastet und die Gebäude wurden teilweise von der Natur zurückerobert. Durch die inzwischen undichten Dächer drang Feuchtigkeit in die Gebäude ein und nicht nur der Stuck bröckelte auf die Mosaikböden. Kein anderer Ort zeigte, wie schnell aus imperialem Glanz stiller Verfall werden kann – ein Lost Place.
Nach 2000 erwarb ein privater Investor die Anlage mit den Auflagen und Versprechen, die Gebäude zu erhalten und zu sanieren. Leider wurden weder Auflagen noch Versprechen eingehalten und die Bauten sollten nur als Spekulationsobjekt dienen. Inzwischen hat sich eine studentische Initiative unter dem Namen „Locus Project“ etabliert, die sich uneigennützig um den Erhalt und die Rettung der Anlage kümmert. Mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren – darunter auch Color Metal – wurden erste Maßnahmen ergriffen, wie das Wegräumen von Schutt und das behelfsmäßige Abdichten von Dächern und Fassaden, um das Gebäudeinnere vor weiterem Verfall zu schützen, nicht mehr der direkten Witterung auszusetzen und die Anlagen so weit wie möglich zu erhalten.
Nach Abklärung von noch andauernden langjährigen Streitigkeiten gegen den bisherigen Investor wegen Nichterfüllung der vertraglichen Zusagen und Auflagen sollen dann schrittweise und mithilfe von neuen Investoren und Sponsoren die Anlagen wieder saniert und auch für anderweitige Einrichtungen genutzt werden – eine Herkulesaufgabe.
Bild : Color Metal
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