Ein freiformartig geschwungenes Betondach, steile Faltwerkselemente und knapp 860 m² Fläche sind drei von unzähligen Schönheitsmerkmalen des Kirchenbauwerks St. Barbara in Bruckhausen bei Duisburg. Als die ursprüngliche Kupfereindeckung aus den 1960er-Jahren an den geometrischen Zwangspunkten nach und nach Undichtigkeiten aufwies, übernahm Frank Henke mit seiner Mannschaft das Regieheft für die Sanierung. Henke ist Inhaber der in Brilon ansässigen Prange Klempnertechnik GmbH. Statt sofort mit der Leiter anzurücken, beauftragte er die Airteam Aerial Intelligence GmbH, um die Bausubstanz und vor allem das anspruchsvolle Dach per Drohne zu inspizieren. Auch das Ausmessen der aufgefächerten Dachgeometrie erfolgte aus der Luft.
Nach der Drohneninspektion wurde eine Detailanalyse der Schnittstellen per Hubsteiger vorgenommen. Weil bei derartigen Dachgeometrien keine Experimente gemacht werden sollten, holte das Bistum in Zusammenarbeit mit der Firma Prange geballte Fachkompetenz ins Boot bzw. auf das Dach: Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige Stefan Küppers aus Essen begleitete das Projekt bauleitend und beratend. Gemeinsam mit ihm, Michael Giebler von KME und den Vertretern der zuständigen Denkmalschutzbehörde wurde die Dachfläche aus nächster Nähe analysiert. „Ein fachlicher Austausch auf Augenhöhe ist bei solchen Aufgaben unbezahlbar“, betont Henke, der die Zusammenarbeit in hervorragender Erinnerung behält. Auf Basis dieser engen Abstimmung erfolgte die exakte Ausarbeitung der Sanierungsstrategie sowie der entsprechenden Ausführungspläne.
Denkmalpflege und Z-Profil-Kniff
Jedes Dach ist nur so gut wie seine Unterkonstruktion und seine Anschlüsse. Der Schichtaufbau richtete sich daher flexibel nach dem jeweiligen Untergrund: Von der Traufe bis hinauf zur Gaube wurde die bestehende Holzschalung gewissenhaft nachbefestigt und wo erforderlich ertüchtigt. In besonders kritischen Zonen brachten die Spengler zunächst eine Bitumenschweißbahn auf. Eine darüber verlegte handelsübliche Trennlage verhindert zuverlässig, dass die Kupfer-Stehfalzscharen bei hohen Sommertemperaturen an der Schweißbahn festkleben. Oberhalb der Gaube verlegten die Handwerker die neue Kupfereindeckung hingegen direkt auf dem Beton-Faltwerk – selbstverständlich ebenfalls nicht ohne schützende Trennlage.
Unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Vorgaben sollte die Schareinteilung exakt wie beim Ursprungsbau von 1966 mit quer verlaufenden Stehfalzen ausgeführt werden. Für die Klempner aus Brilon war somit klar, dass alle Stehfalze mit einem eingelegten EPDM-Dichtband ausgestattet werden mussten. Um der Längenausdehnung des Kupfers auf der knapp 860 m² großen Dachfläche konstruktiv Paroli zu bieten, machten die Briloner jedoch von einem besonderen Kniff Gebrauch: Sie statteten zahlreiche Scharen mit aufgelöteten Z-Profilen aus. Diese Sonderkonstruktion ermöglichte in den sensiblen Zonen eine großzügige Überdeckung von satten 30 cm – ein Detail, das nicht nur das Eindringen von Treibwasser verhindert, sondern auch die zerstörungsfreie thermisch bedingte Ausdehnung der Kupferscharen dauerhaft begünstigt.
Wasser marsch? Aber kontrolliert!
Das optische Highlight liegt direkt über der Gaube. Hier zauberten die Dachprofis eine maßgeschneiderte, handwerklich gefaltete Kehle auf das Dach. „Unsere Faltenkehle schmiegt sich formgenau an den geschwungenen Verlauf des Gaubenübergangs an“, schwärmt Frank Henke. Keine Industrieware, keine kurzlebige Folienabdichtung, sondern pure Spenglerkunst. Damit nicht genug: Selbst die Simse und die Klemmprofile der Glasfassade wurden passgenau mit Kupfer bekleidet.
Wer so viel Fläche mit Metall bekleidet, muss auch an den Extremregen denken. Entlang des gesamten Dachrandes verlaufen daher entsprechende Entwässerungsprofile. Zwei mächtige, von Prange in Brilon selbst gefertigte Wasserfangkästen inklusive Notüberläufen schlucken die Wassermassen und leiten sie über groß dimensionierte 150-mm-Kupferrohre ab. Übrigens wurden alle Klempnerarbeiten mit Qualitätskupfer von KME in 0,7 mm Stärke ausgeführt.
Kühler Kopf bei jeder Wetterlage
St. Barbara steht wieder da wie eine Eins – behütet von einem robusten Kupferfächer, der extremen Temperaturschwankungen, drückender Sommerhitze und stürmischen Unwettern die nächsten Jahrzehnte mühelos trotzen wird. Frank Henke bringt es auf den Punkt: „Von der Hightech-Drohnenanalyse bis zur handgemachten Faltenkehle: Dieser Barbara ihren Fächer zu verpassen, war für uns eine absolute Ehrensache!“