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Das Bewährte erhalten und die Zukunft gestalten

Altes schützen, Neues nutzen 

Arbeitgeber der Zukunft – so darf sich die Firma Kiesele seit 2025 nennen. Klingt gut, oder? Aber was bedeutet das genau und wie muss ein Betrieb dafür aufgestellt sein? Joana Kiesele erklärt: „Dieses Siegel wird von der Deutschen Innovationsinstitut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung GmbH (diind) vergeben. Es zeichnet Arbeitgeber aus, die modern und digital auftreten, innovativ sind und zeitgemäße Arbeitsbedingungen bieten – Aspekte, die besonders für junge, hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer attraktiv sind.“ In diesem Zusammenhang betont die junge Frau, die für Marketing, Personal und Finanzen verantwortlich ist: „Ohne Social Media geht es mittlerweile nicht mehr.“ Das gilt auch und gerade für kleinere Betriebe wie Kiesele mit seinem 16-köpfigen Team. Deshalb hat das Unternehmen sogar eine eigene Social-Media-Managerin und Grafikdesignerin mit an Bord. Denn viele Menschen informieren sich über Firmen in Social Media, wie Joana Kiesele weiß: „Die Homepage ist mittlerweile nur noch ein kleiner Bestandteil. Die Menschen schauen sich unsere Bilder und Ausführungen über Social Media an und bewerten daran, ob wir ihr Fachpartner werden. Ohne Social Media wären wir sicher nicht so bekannt, wie wir es aktuell sind. So bleibt man einfach präsent.“

Ein Azubi kam über Social Media in die Firma

Das zahlt sich auch für die Nachwuchsakquise aus. Über Instagram hat das Unternehmen tatsächlich schon einen Azubi gefunden. Und das, obwohl viele Schulabgänger das Handwerk nicht mehr auf dem Schirm haben. Die ausgebildete Personalreferentin ist überzeugt: „Genau deshalb ist Social Media umso wichtiger, um zu zeigen, dass Handwerk doch noch ein toller Beruf ist.“

Dem 2018 gegründeten Unternehmen, das selbst mit dem Wandel zu Social Media groß geworden ist, lag das von Anfang an am Herzen. Denn die Auftragsbücher sind immer schnell zu 150 % gefüllt, und trotz Fachkräftemangels muss die Arbeit gestemmt werden. Seit Anfang 2024 kümmert sich daher Lara Rudolf als Aushilfe um die Präsenz auf Social Media. Nebenbei hat sie noch die Homepage aufgefrischt und mit dem „Rhinwaldspengler Fuchs“ ein grafisches Firmen-Maskottchen gezaubert, das auch für die Liebe zur Heimat zwischen Rhein und Schwarzwald steht. Dies alles nehme mehr Zeit in Anspruch, als man denke, räumt Joana Kiesele ein. Aber es lohnt sich: „Das Feedback zeigt, dass es wirklich ankommt und wir wahrgenommen werden.“

Extra-Samstage zum Üben für die Azubis

Mit der PR hört das Engagement der jungen Spenglerei für die Zukunft des Handwerks aber noch lange nicht auf. Ein weiterer, ganz praktischer Baustein sind die sogenannten Azubisamstage. In einem Beruf, der noch echtes handwerkliches Geschick und viel Fingerfertigkeit erfordert, ist es essenziell, dass Handgriffe und Techniken möglichst oft wiederholt und geübt werden. In der Praxis ist das aber nicht so einfach umzusetzen. Denn, so Joana Kiesele: „Es kann sein, dass der Azubi zwei Monate keinen Berührungspunkt mit einer bestimmten Ausführung hat, da wir hier gerade keine Ausführungsanfrage haben. Wir haben deshalb versucht, im Alltag Übungsaufgaben für die Azubis einzubauen. Dafür sollte idealerweise der Chef oder Meister vor Ort sein. Da die Kalender allerdings mit Kundenterminen, Baustellenbesichtigungen, Büroarbeiten sowie Mitarbeiten auf der Baustelle sehr gefüllt sind, war das dann manchmal schwierig zu koordinieren. Gleichzeitig braucht der Azubi seinen Platz und auch die Maschinen. Die sind aber oft belegt von anderen Mitarbeitern, die sie regelmäßig zum Vorrichten benötigen.“

So kam es zu der Idee mit dem Azubisamstag. Der bietet den Azubis Ruhe und Zeit, sich an ihre Übungsstücke zu machen – ganz ungestört vom Alltagsstress.

Der Chef und der Meister stehen dabei mit Rat und Tat zur Seite, während sie selbst nebenher an verschiedenen Ausführungen arbeiten. Grundsätzlich können auch andere Mitarbeiter bei Bedarf vorbeikommen, falls sie Übungsbedarf oder Fragen haben. Joana Kiesele freut sich über den bisherigen Erfolg dieses Konzepts: „Die ersten Samstage waren sehr positiv und die Azubis haben großartige Projekte durchgeführt. Sie waren voll dabei und auch dem Chef hat es Spaß gemacht.“

Kupferarbeiten an denkmalgeschützter Kirche

Die Fortschrittlichkeit dieser dynamischen Spenglerei geht Hand in Hand mit einer großen Liebe zur Vergangenheit und zu traditioneller Technik. Ein Schwerpunkt des Portfolios liegt nämlich auf Denkmalschutzbaustellen, bei denen handwerkliche Präzision, materialgerechte Verarbeitung und eine saubere Dokumentation besonders entscheidend sind. Firmenchef Nico Kiesele, der übrigens auch einer der Juroren im zurückliegenden BAUMETALL-Wettbewerb „Meisterstück des Jahres“ ist, kann von einigen interessanten Projekten erzählen: „Zuletzt haben wir unter anderem an einer evangelischen Kirche umfangreiche Kupferarbeiten umgesetzt – darunter Zieranschlüsse, Gratleisten sowie diverse Dachentwässerungs-, Anschluss- und Einfassungsbleche.“

Nico Kiesele

Bild: BAUMETALL

Nico Kiesele

Ein besonderes Highlight war dort die Montage der Wetterfahne sowie die Herstellung beziehungsweise Überarbeitung von Bleifugen im Bereich von Sandsteinanschlüssen. Aus zehn Jahren Erfahrung als Meister weiß Nico Kiesele, dass gerade an Naturstein die Ausbildung der Fugen und Anschlüsse höchste Sorgfalt erfordert, damit Materialverträglichkeit, dauerhafte Dichtheit und denkmalgerechte Optik sichergestellt sind.

Turmhaube mit anspruchsvollen Geometrien

Spenglertechnisch anspruchsvoll war auch die Eindeckung eines Glockenhaubenturms in Lahr. Die konkav und konvex geschwungenen 0,7-mm-Kupferprofile wurden mit Stehfalzen ausgeführt. Solche Geometrien haben es in sich, da Falzbild, Materialspannung, Längenausdehnung und die saubere Linienführung über gekrümmte Flächen hinweg exakt beherrscht werden müssen. Hier waren insbesondere Schablonieren, präzises Zuschneiden, Vorformen sowie die kontrollierte Falztechnik entscheidend, um ein technisch dauerhaftes und gestalterisch stimmiges Ergebnis zu erzielen.

Darüber hinaus stehen regelmäßig hochwertige Dachschindel- sowie 29×29-Rauteneindeckungen an, darunter auch Projekte für Prefa. Auch hier sind eine sehr strukturierte Arbeitsvorbereitung und konstante Ausführungsqualität das A und O, um die zahlreichen Detailpunkte – etwa an Ortgängen, Kehlen, Anschlüssen, Durchdringungen oder Traufausbildungen – einwandfrei zu bewältigen.

Denkmalschutz, Bauornamente und Kunstspenglerei

Mit den Besonderheiten und typischen Herausforderungen im Denkmalschutz sind Nico Kiesele und sein Team bestens vertraut. Dazu gehören zunächst die Bestandsaufnahme und die Dokumentation. Das heißt: Vorhandene Ornamente und Profilierungen müssen präzise protokolliert werden, damit sich die historischen Details originalgetreu reproduzieren lassen. Alle Kanten und Profile müssen dem historischen Baustil entsprechen, bis hin zur Oberflächenwirkung und dem Patinaverhalten. Dabei geht es oft um komplexe Geometrien an Turmhauben, Radien und Übergängen sowie um eine saubere Ausführung der Schnittstellen zu bestehenden anderen Baumaterialien wie etwa Naturstein, Holztragwerk oder historischen Untergründen. Und nicht zuletzt sind Türme und Turmhauben meist schwer zugänglich, worunter die Arbeitssicherheit aber auf keinen Fall leiden darf!

Im Rahmen von Restaurationen im Denkmalschutz kommen bei Kiesele auch Kunstspenglerei und Bauornamente zum Einsatz – insbesondere dort, wo historische Bauteile entweder teilrestauriert oder originalgetreu nachgefertigt werden müssen. Typische Beispiele hierfür sind Turm- und Dachbekrönungen, Zierfriese, Gesimsabdeckungen und Profilbleche oder auch Wetterfahnen inklusive Lagerung, Drehmechanik, Befestigung, Ausrichtung und sturmsicherer Montage. Oft sind Sonderanfertigungen gefragt, die einzelne Teile so ersetzen müssen, dass sie genau zum Bestand passen, wie beispielsweise Rinnenkessel, Einhangstutzen oder Wasserspeier. Ornamentale Einfassungen und Anschlussdetails an Gauben, Turmöffnungen oder Natursteinbauteilen runden das Bauornamente-Portfolio des Fachbetriebs ab. BAUMETALL freut sich über dieses Beispiel für vorbildliches Spenglertum: im Bewährten verwurzelt und der Zukunft zugewandt – ohne Scheuklappen, aber mit guten Ideen.

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