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Blick in die KI-Zukunft des Handwerks

… und was zeigen Sie in Ihrem Schaufenster? 

BAUMETALL hat mit dem sowohl online als auch im Newsletter veröffentlichten Beitrag über das verwaiste Traditionsschaufenster dazu aufgerufen, über den Wandel der Branche, das Verhältnis von Tradition und Zukunft sowie das äußere Erscheinungsbild des Handwerks nachzudenken. Offensichtlich erzeugte das Foto des verwaisten Ladenlokals ein breites Echo und regte zu kritischen Reflexionen an. Dazu schreibt BAUMETALL-Leser Uwe Engelhardt aus Tutzing:

Uwe Engelhardt, Erfolgsmeisterei

Bild: Engelhardt

Uwe Engelhardt, Erfolgsmeisterei

Liebes BAUMETALL-Team, lieber Herr Buck, bevor mir dazu etwas durch den Kopf geht, habe ich zunächst ein flaues, fast trauriges Gefühl. Ich sehe Tradition, Handwerk, Kunst und Geschichte. Und gleichzeitig einen verlassenen Laden, ein totes Geschäft. Als Berater beginne ich zwangsläufig zu analysieren: Die weißen Vitrinen passen für mich nicht zur Fassade. Sie wirken eher wie ein Störfaktor als wie ein Verkaufsfaktor. Die Abdrücke im Schaufenster zeigen, dass offenbar schon länger keine Hand mehr an die Pflege der Auslagen gelegt wurde. Warum nicht, wenn man vom Verkauf lebt? Und warum wurde nicht versucht, die Vitrinen an die Fassade anzupassen, um damit die handwerkliche Qualität des Geschäfts zu unterstreichen? Denn wie sich ein Geschäft präsentiert, lässt Rückschlüsse auf seine Kundenorientierung, sein Qualitätsverständnis, seine Haltung und letztlich seine Werte zu.

Vielleicht steckte dahinter der Wunsch, Fortschritt und Modernität zu zeigen. Weg vom Alten, hin zu etwas vermeintlich Modernem. Aber mit welchem Ziel? Neue Kunden gewinnen? Oder nicht in die verstaubte Schublade der Tradition gesteckt zu werden? Ob diese Haltung etwas mit der Schließung zu tun hatte, weiß ich nicht. Aber eine Haltung, die entweder nur bewahrt oder dem Modernen hinterherläuft, kann im Geschäftsleben einen hohen Preis haben.

Wir kommen um Tradition nicht herum. Sie gehört zur Entwicklungsgeschichte des Menschen. Über Generationen wurden handwerkliche Fähigkeiten, Erfahrungen, Bräuche und Werte weitergegeben. Sie prägen das Handwerk bis heute. Problematisch wird es, wenn Tradition ausschließlich mit Bewahren und Verwalten gleichgesetzt wird. Denn Bedürfnisse bleiben nicht stehen. Märkte verändern sich, Technologien entwickeln sich und mit ihnen die Erwartungen der Kunden.

Vielleicht müssen wir Tradition deshalb neu verstehen: vom Bewahren zum Gestalten. Und damit geht mein Blick weg von diesem einen Geschäft hin zum Handwerk insgesamt. 2025 gab es im Handwerk 4950 Insolvenzen. 13,3 % mehr als im Vorjahr und so viele wie seit gut zehn Jahren nicht mehr (Quelle: Creditreform). Umso wichtiger wird für mich die Frage, was wir bewahren und was wir gestalten müssen: erhalten, was das Handwerk stark gemacht hat, und loslassen, was heute nicht mehr funktioniert. Denn auch das ist Tradition: die Fähigkeit des Handwerks, sich immer wieder neuen Bedingungen anzupassen, Probleme zu lösen und aus dem Vorhandenen etwas Neues zu schaffen.


Martin Fischer, M.A.S.C. Bauartikel Vertriebs GmbH

Bild: BAUMETALL

Martin Fischer, M.A.S.C. Bauartikel Vertriebs GmbH

„Fantastisch getextet!“, meint BAUMETALL-Leser Martin Fischer vom M.A.S.C.-Team in Vöhringen. Er schreibt:

Der Text spricht genau die Sorge aus, die Komfortzone zu verlassen. Volle Auftragsbücher dürfen kein Vorwand sein, Modernisierung und Digitalisierung aufzuschieben. Wer meint, das Handwerk könne sich bequem auf seiner angeblichen KI-Sicherheit ausruhen, verkennt die Realität. Das Schaufenster-Thema bringt das Risiko des Verschleppens auf den Punkt. Es ist zudem ein wichtiger und längst überfälliger Weckruf für die Branche!


Berthold Zürn

Bild: BAUMETALL

Berthold Zürn

Ebenfalls per E-Mail meldete sich BAUMETALL-Leser Berthold Zürn zu Wort. Er überschreibt seinen Leserbrief mit dem Satz

„Zielgerichtet ins Leere schauen“:

Hallo BAUMETALL, hallo Andreas, ich denke, dass wir schon seit Mitte der Achtziger wissen, dass in Sachen Umwelt und Klima etwas getan werden sollte. Bei dem „Sollen“ ist es zum Glück nicht geblieben, aber es hätte gerne etwas mehr sein können. Das Klima und unser Handwerk haben da gewisse Gemeinsamkeiten: Auch wir wissen, dass Veränderung ansteht und wir etwas mehr dafür unternehmen könnten.

Wie wir uns nach außen präsentieren, strahlt auch auf uns selbst zurück. Das ist ein bisschen wie bei einem Fotografen: Erst wenn er mit sich selbst und seiner Arbeit zufrieden ist, zeigt er auch sein eigenes Spiegelbild im Schaufenster.“

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