Zuverlässigkeit, Partnerschaftlichkeit, Kaufmannsehre sind klassische Tugenden, auf die Hamburger stolz sind, heute genauso wie schon zu Hanse-Zeiten. Wer könnte diese Tugenden im Klempnerhandwerk besser verkörpern als ein Familienunternehmen, das bereits seit 1726 am Markt ist? Damals wurde das „Bleydecker-Gewerbe“ des Hamburger Bürgers Matthias A. Mettlerkamp in einem Kirchenbuch erstmals erwähnt, 44 Jahre später installierte der Sohn des Firmengründers an der St.-Jacobi-Kirche in Hamburg den ersten Blitzableiter Europas. Damit nahm die Erfolgsgeschichte des Unternehmens, das 1866 von Diederich Hieronimus Wilhelm (D.H.W.) Schultz und dessen Sohn übernommen wurde, ihren Lauf: als „Bley-, Kupfer- und Schieferdecker“. Als Experten für Blitz- und Brandschutz. Und seit 1825 mit der Erfindung von Wasserleitung und „Heizapparaten“ als Fachbetrieb für Haustechnik (heute Heizung & Sanitär). Bis heute sind der Blitz- und Feuerschutz zusammen mit den Bereichen Bauklempnerei, Bedachung, Heizung & Sanitär Teil des Firmen-Portfolios. Und 2022 wurde schließlich auch eine eigene Zimmerei-Abteilung ins Leben gerufen. Welchen Mehrwert dies hat, erklärt Firmenchefin Isabel Matthiessen: „So können wir ein Bauvorhaben bereits beim Bau des Dachstuhls übernehmen. Auch weitere Holzbauwerke, von beispielsweise Gauben, übernehmen wir.“ Die Vorteile für die Kunden liegen auf der Hand: So werden Synergieeffekte über alle Abteilungen erzielt, der Kunde bekommt alles aus einer Hand.
Fachkräftemangel ist kein Thema
Dadurch wird das über Jahrhunderte gesammelte handwerkliche Wissen sinnvoll weiterentwickelt. Überhaupt wird die Zukunftsorientierung bei D.H.W. Schultz großgeschrieben, wie Matthiessen betont: „Bei uns gibt es keinen Stillstand. Wir nehmen auch aktuelle Herausforderungen an, wie zum Beispiel den Fachkräftemangel. Für uns ist das kein Thema, denn wir passen uns den Gegebenheiten an.“ So werden bei Bedarf auch mal Mitarbeiter für einen Bürojob umgeschult. Auch die Forderung „Frauen ins Handwerk“ wird faktisch gelebt: Die erste und bisher einzige Dachklempnermeisterin Hamburgs ist hier an Bord, im ältesten noch bestehenden Handwerksunternehmen der Stadt. Dessen Referenzliste spricht für sich – mit vielen Namen renommierter Firmen, der Stadt Hamburg und dem Hamburger Hafen. Stolz berichtet Matthiessen: „Wir haben den Michel, also die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, das Hamburger Rathaus, die Landungsbrücken, alle Kirchen und derzeit wieder einmal die Speicherstadt saniert.“ Eines der vielen herausragenden Projekte sind die Sanierungsarbeiten an der Kirche St. Nikolai in Elmshorn. Hier dreht sich alles um Kupfer – und um den perfekten Glockenklang. Zu erneuern sind die Schallluken, die sich um den Kirchturm herum in Mauerwerksebene beim Glockengestell befinden. Ihre Aufgabe ist, den Schall des Glockengeläutes weit in die Umgebung zu tragen.
Holzunterkonstruktion und Kupferbleche auf Maß
Insgesamt 120 Luken werden zurzeit in der hauseigenen Werkstatt mit Kupfer bekleidet. Jedes einzelne dieser 0,6 mm starken E-Cu-Kupfer-Bleche ist in Handarbeit auf Maß zu schneiden, zu biegen und einzufalzen. Pro Luke sind sieben einzeln zugeschnittene Falzprofile zu fertigen. Auch um die Unterkonstruktion der Schallluken kümmern sich die Allrounder-Dachexperten von D.H.W. Schultz. Die Konstruktion setzt sich aus 50 mm dicken Platten zusammen, die wiederum aus wasserfesten Sperrholzplatten bestehen. Dank der Wasserfestigkeit werden sie lange Zeit allen Witterungen, wie Regen, Schnee, Eis oder Sonne, widerstehen. Zwischen Platten und Kupferblechen liegen die Haft- und Befestigungsteile aus Edelstahl. Allein in diesem Aufgabenbereich stecken über 200 Arbeitsstunden! Zur Sanierung gehört aber noch mehr als die Erneuerung der Schallluken: Auch der Turm und seine Bekrönungen der Ziertürme sind zu restaurieren. Matthiessen berichtet: „Die Bekrönungskugeln wurden Anfang Juli in unseren Räumlichkeiten in Anwesenheit des Kirchenvorstands und des Hamburger Abendblatts in einer feierlichen Zeremonie geöffnet.“ Klempner wissen, warum: Schon seit Urzeiten verstecken Dachhandwerker Zeitkapseln in diesen Kugeln, als Gruß an ihre Kollegen in ferner Zukunft, den diese bei Dacharbeiten finden und öffnen können. Bei der Abnahme der Kugeln verriet ein Klappern im Inneren, dass sich auch hier eine Zeitkapsel befindet. „Diese Kapseln sind so sauber verarbeitet, luftdicht verschlossen und daher so langlebig, dass sie ihre Geheimnisse bis zu 100 Jahre lang bewahren können“, sagt Matthiessen und erzählt weiter: „In diesem Fall hatten wir Glück! Die Kapsel war intakt und zum Vorschein kamen Fotos aus den 50er-Jahren.“
Vorreiter bei Unternehmensführung und Digitalisierung
Momentan befinden sich die bereits instand gesetzten Kugeln beim Vergolder, wo sie ölvergoldet werden. Wenn sie nach vollendeten Dacharbeiten und gefüllt mit den alten, aber auch neuen Kleinigkeiten wieder an ihren alten Platz auf dem Kirchturm zurückkehren, soll dies eigens mit einem Event vor Ort gefeiert werden. Aber auch an anderer Stelle hat der 50 Mitarbeiter starke Betrieb – davon 14 im Dachbereich – Grund zu feiern: Er ist stolzer Inhaber des Helga-Stödter-Preises für „Mixed Leadership“. Damit werden Unternehmen geehrt, die ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen vorweisen. Die Auszeichnung erfolgte zu Recht, denn die Chefin ist eine Frau: Isabel Matthiessen, gebürtige Hanseatin und Mitglied der „Versammlung Ehrbarer Kaufleute zu Hamburg“. Die gelernte Betriebswirtin führt das Familienunternehmen seit 2020, vorher hatte sie sich bereits in männerdominierten Branchen wie Eisen und Stahl bewährt. Die Firmeneigner wollten explizit keinen Handwerker auf dem Chefsessel, sondern legten das Augenmerk auf einen kaufmännischen Hintergrund – gepaart mit Nähe zur Technik und mit reicher Erfahrung in Sachen Dächer, Fassaden und Haustechnik. Ihre Wahl traf ins Schwarze: Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Firma ist eine feste Größe am Markt und auch Vorreiter in Sachen Digitalisierung. So ist D.H.W. Schultz Referenzbetrieb der Stadt und der Uni Hamburg für die digitale Revisionsakte, die bergeweise Papier einspart: für Bauzeichnungen und -pläne, Qualifikationsnachweise und Zertifizierungen, Produktangaben und alles Weitere, was den Bau eines Gebäudes ausmacht. Zukunftsweisend ist auch die Expertise in Building Information Modelling (BIM) und PV/Solarthermie auf denkmalgeschützten Häusern.
Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum
Zu so viel Klempnerkompetenz und dem damit verknüpften Erfolg beglückwünscht das BAUMETALL-Team die D.H.W. Schultz & Sohn GmbH ganz herzlich. 300 Jahre handwerkliche Tradition, gepaart mit hanseatischer Kaufmannsehre, gelebter Innovationskraft und der meisterhaften Beherrschung des Metalls – das ist vorbildliches Dachhandwerk. Vor dieser beachtlichen Leistung zieht BAUMETALL den Hut und gratuliert mit einem anerkennenden „Respekt!“ zum Dreihundertsten. Das BAUMETALL-Team wünscht für die nächsten Jahrhunderte weiterhin beste Erfolge, stets dichte Dächer und meisterhafte Falzarbeiten!