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Ein Kupferprofi hält Wort

Befreiungshalle Kelheim

Weithin sichtbar thront die Befreiungshalle hoch über der niederbayrischen Stadt Kelheim. Der mächtig wirkende Rundbau wurde im Andenken an die gewonnenen Schlachten gegen Napoleon während der Befreiungskriege errichtet. Seit der Vollendung des imposanten Denkmals im Jahr 1863 wurde viel über dessen beeindruckende Symbolik, das verwendete Baumaterial oder die schon damals ausgefallenen Konstruktionen berichtet, doch leider ist es immer wieder dasselbe: Der interessierte Leser erfährt viel zu wenig über maßgeblich am Bauerfolg beteiligte Personen. Und wie so oft rückt der Mensch in den Hintergrund seiner eigenen Leistung. Das ist schade, denn nicht nur bei der Errichtung, sondern auch zur Generalsanierung der Befreiungshalle waren überaus engagierte Persönlichkeiten aktiv. Einer von ihnen ist Spenglermeister Josef Peter Münch aus der rund 80 km von Kelheim entfernten Stadt Neumarkt. Schon als kleinen Buben faszinierte ihn das aus Kelheimer Kalkstein errichtete Bauwerk. Damals ahnte er noch nicht, welchen Beitrag er ein halbes Jahrhundert später zur Neueindeckung des Kupferdaches leisten würde. Stattdessen beeindruckten ihn die zahlreichen Sinnbilder um die Zahl 18, beispielsweise die Strebepfeiler der Außenfassade, die von 18 Kolossalstatuen als Allegorien der deutschen Volksstämme bekrönt sind. Auch im Inneren des als achtzehneckiges Polygon errichteten Baukörpers ist die Zahl 18 allgegenwärtig – etwa in dessen 54 Säulen und 54 Pfeilern (3 × 18), in den zweimal 36 Säulen im oberen Umgang (2 × 18) sowie in den Inschriften für je 18 Feldherren und zurückeroberte Festungen. Der Grund für diese Zahlenspiele wird mit dem Datum der Völkerschlacht bei Leipzig, dem 18. Oktober 1813 erklärt. Doch auch Josef Peter Münchs 18. Geburtstag steht in gewisser Weise mit dieser Symbolik in Verbindung. Unbewusst legte der damals frischgebackene Spenglergeselle den Grundstein für seine heutige Tätigkeit als technischer Berater eines namhaften Kupferherstellers. Ob es Zufall ist, dass der talentierte Handwerker seit annähernd 18 Jahren die Instandhaltungsarbeiten sowie die Generalsanierung des kupfernen Daches der Befreiungshalle begleitet?

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Dieses Sprichwort ist mindestens genauso alt wie die Befreiungshalle selbst – wahrscheinlich ist es noch viel älter. Auch Josef Peter Münch kann diese Redewendung bestätigen und er ist froh darüber, das Lernen bis heute niemals eingestellt zu haben. Bereits mit 17 bestand er nach einer Lehrzeitverkürzung die Gesellenprüfung im Installateur- und Spenglerhandwerk. Kurz darauf bildete er sich zum Schweißspezialisten weiter und mit 21 absolvierte er die Installateur- und Spenglermeisterprüfung. Josef Peter Münch erinnert sich: „Schon damals waren gute Netzwerke das A und O. Zum Beispiel ermöglichte mir mein damaliger Arbeitgeber, an Sonntagen diverse Aufträge abzuarbeiten, sodass ich wochentags die Schulbank der Meisterschule drücken konnte. Dank des sonntags verdienten Geldes war ich in der Lage, die auch damals teure Meisterausbildung zu finanzieren.“ Nach bestandener Meisterprüfung folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Über einen Zeitraum von 15 Jahren erfüllte der versierte Handwerker die Wünsche seiner Kunden und machte dabei auch vor schwierigen Aufträgen nicht Halt – im Gegenteil. Schon immer reizten Josef Peter Münch die besonderen Bauaufgaben mehr als die Standards. Entsprechend vorausschauend investierte er in moderne Maschinen sowie ein ebensolches Betriebsgebäude. Als sich der aufstrebende Fachbetrieb 1995 auf dem Höhepunkt der Firmengeschichte befand, stellte Josef Peter Münch abermals die Weichen in Richtung Zukunft. Weil er keinen potenziellen Nachfolger fand, veräußerte er die Firma schweren Herzens an einen befreundeten Handwerksmeister und wechselte fast nahtlos zu den Kupferspe­zialisten der damaligen Kabelmetall AG.

Kupfer ist sein zweiter Vorname

Seit fast 18 Jahren ist Josef Peter Münch auf bayrischen Kupferdächern zuhause. In seiner Funktion als technischer Berater der heutigen KME Germany GmbH & Co. KG ist er für nahezu alle bekannten Kupferprojekte Bayerns zuständig. Projekte wie die golden glänzende Röhrenfassade des Lenbachhauses, das kupferne Stehfalzdach des Deutschen Museums oder das vorpatinierte Dach der Befreiungshalle stehen beispielhaft für das, was Josef Peter Münch beschäftigt: Kupfer! Seine Begeisterung für das rötlich glänzende Metall ist so groß, dass er keine Gelegenheit auslässt, mit Kollegen über Technik und Anwendung zu sprechen. Auf Fachtagungen oder Ausstellungen ist er ebenso aktiv wie bei seinen exklusiven Projektbesichtigungstouren – etwa auf dem Dach der Befreiungshalle.

Tatsächlich gibt es zahlreiche Kollegen, die sich darüber ärgern, die Termine zur Dachbegehung der Befreiungshalle verpasst zu haben. Und wer dabei war, ist mindestens ebenso begeistert wie die Mitarbeiter des ausführenden Fachbetriebes Mehler aus Zwickau.

Faszination Kupferdach

Eines vorweg: Sowohl die Vorbereitung als auch die Ausführung der Klempnerarbeiten wurde durch die Profis um Klempnermeister Peter Mehler perfekt erledigt. Dazu benötigten die Profis rund 1500 m2 Tecu-Patina. Das große Doppelstehfalzdach aus vorpatiniertem 0,8-mm-Kupfer liegt perfekt auf der hinterlüfteten Vollholzschalung auf. Das kegelstumpfförmige Dach ist 24° geneigt. Die Länge der konischen und aus einzelnen Tafeln zusammengefügten Scharen beträgt etwa 8 m, die gesamte Dachlänge von der Glaskuppel bis zur Traufe etwa 16m. Die im Abstand von fast 95 cm angeordneten Querfalze wurden rückseitig ausnahmslos im Wig-Schweißverfahren verschweißt und sind somit absolut wasserdicht. Dabei wurden zirka 2800 Einzelteile verarbeitet und ebenso viele Wig-Schweißnähte an den Querfalzen hergestellt. Somit verfügt die Eindeckung über zueinander versetzt angeordnete Querfalze. Der Trick: Durch das Zusammenschweißen der Kupfertafeln entstanden rund 8m lange und konische Scharen, die fertig montiert der Optik einer Spiegeldeckung entsprechen. Ungefähr in der Mitte des Daches befindet sich zur Aufnahme der Längenausdehnung eine linear verlaufende Quernaht. Dort werden jeweils zwei 29 cm schmale Scharen zusammengeführt und in einer 59-cm-Schar nach oben weitergeführt. Um die Querdehnung der einzelnen Scharfelder zu optimieren, wurden in entsprechenden Abständen Dehnungsleisten vorgesehen. Zur Montage aller von der Traufe zur Glaskuppel verlaufenden Dehnungsleisten wurden insgesamt 900m Leistenprofile benötigt.

Ebenfalls beeindruckend ist der obere Scharabschluss an der historischen Glaskuppel-Konstruktion. Bevor die Fachleute der Klempnerei Mehler GmbH diesen herstellen konnten, wurde die gesamte Kuppel abgenommen, der Aufsatzkranz erhöht und anschließend wieder montiert. Die 150 Jahre alte Stahlkonstruktion der Kuppel verfügt über ein besonders interessantes Detail. Um zu vermeiden, dass innenseitig anfallendes Tauwasser unkontrolliert abtropft, ließ Auftraggeber König Ludwig I. von Bayern ein ausgeklügeltes Rinnensystem anbringen. Dieses leitet anfallende Feuchtigkeit zielgerichtet über die Konstruktionsrohre nach außen ab.

Nicht minder spannend ist die Konstruktion des hinterlüfteten Traufanschlusses. Eine großzügig angeordnete Aufschiftung sorgt für entsprechenden Luftaustausch unter der vollflächig angebrachten Holzschalung. Die kreisrunde und innen liegende Dachrinne wurde aufgrund ihres guten Zustandes jedoch nicht saniert. Stattdessen reparierten die verantwortungsbewussten Klempner lediglich einige Dehnungs- und Spannungsrisse. Auch die Gesimsabdeckung wurde im Originalzustand belassen. Dort sorgen fachmännisch ausgebildete Dehnungsfugen und eine solide Befestigung seit Jahren für zuverlässige Funktionalität.

Versprechen eingelöst

Was Insider schon lange wissen, hat sich auf dem Dach der Befreiungshalle abermals bestätigt: Es lohnt sich, Josef Peter Münchs Einladungen zu folgen, denn die von ihm durchgeführten Tecu-Partner-Events bieten stets die richtige Mischung aus Fachwissen und Hintergrundinformationen. Zahlreiche Kelheimer Dachtouristen, unter ihnen auch die Kollegen der freien Spenglermeistervereinigung Bayern (SMV), bestätigten diese Aussage. Sie alle haben verstanden, dass erst die richtigen Menschen am richtigen Ort aus kaltem Metall lebendige Geschichten machen.

AUTOR: ANdreas Buck

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