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Teamgeist und meisterliche Präzision in schwindelerregender Höhe

Turmhoch überlegen

Mit stolzen 48 m Höhe ist der Kirchturm von St. Georg in Sulzkirchen das unübersehbare Wahrzeichen der Region. Die Wurzeln dieser bayerischen Urkirche reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück. Die kürzlich fertiggestellte Sanierung des geschichtsträchtigen Gotteshauses erfolgte im Rahmen einer beispielhaften, gewerkeübergreifenden Gemeinschaftsleistung. Eine Besonderheit war neben der Instandsetzung des Daches die Sanierung des Turmhelms sowie der aufgesetzten Laterne. Hier traf bayerische Zimmererkunst auf traditionsreiches Spenglerhandwerk aus Bayern und Sachsen. Im perfekten Zusammenspiel der Fachbetriebe entstand ein Meisterdach, das den Turm der Pfarrkirche fit für die nächsten Jahrzehnte macht. Aber der Reihe nach …

Flexibilität im Denkmalschutz

Die baubegleitende Planung und Bauleitung der anspruchsvollen Spenglerarbeiten am Turmhelm der spätbarocken Pfarrkirche lagen in den Händen von Josef Peter Münch. Der erfahrene Metallbau- und Spenglermeister wurde vom beauftragten Fachbetrieb Güther Bedachungen aus Feuchtwangen ins Boot geholt. Ziel dieser Maßnahme war es, drohende Kapazitätsengpässe infolge einer unvorhersehbaren Terminkollision abzuwenden. Dazu aktivierte Kupferfachmann Münch kurzerhand sein starkes Netzwerk. Die so entstandene geballte Kompetenz in Sachen Denkmalpflege war ein regelrechter Glücksfall: Für die Ausführung auf der Baustelle wurde neben dem erfahrenen Team des regional ansässigen Fachbetriebs Xaver Meyer GmbH & Co. KG auch Klempnermeister Holger Wunderlich vom Fachbetrieb HW Blechgestaltung aus Mülsen tätig. Der aus Sachsen stammende Wunderlich ist der Fachwelt unter anderem durch seine beeindruckenden Arbeiten an der Befreiungshalle in Kelheim bestens bekannt.

Dachhandwerk arbeitet Hand in Hand

Die Komplettsanierung des historischen Turmtragwerks inklusive der Neuverschalung lag in den Händen der Zimmerei Matthias Lange aus Freystadt. Da ein jahrhundertealter, barocker Dachstuhl in 48 m Höhe naturgemäß seine konstruktiven Eigenheiten aufweist, war an den Schnittstellen der Gewerke engste Abstimmung und strategisches Denken gefragt. Genau hier konnten die Spengler ihre jahrzehntelange Erfahrung mit anspruchsvollen Detailplanungen einbringen. Wo der historische Holzunterbau nach flexiblen Lösungen verlangte, reagierte das Team meisterlich:

  • Die Entwässerung: Um den baulichen Gegebenheiten des Turms gerecht zu werden und einen optimalen Wasserlauf zu garantieren, wurde im Traufbereich auf eine maßgeschneiderte Aufdachrinne gesetzt.
  • Die Kupfer-Spiegeldeckung: Die Eindeckung des gesamten Turmhelms wurde als Spiegeldeckung in Kupfer ausgeführt. Die konkav und konvex geformten Scharen wurden von den Spenglern absolut exakt eingepasst, und auch die Falze verlaufen akkurat. Zusammen mit den ebenfalls exakt ausgeführten Gratleisten entsteht eine messerscharfe Linienstruktur, die dem barocken Turm seine Geometrie perfekt zurückgibt und für dauerhaften, jahrzehntelangen Wetterschutz sorgt.
  • Die Gratbefestigung: Zur Scharbefestigung entlang der geschwungenen Gratlinien tüftelten die Spengler eine handwerkliche Sonderlösung aus. Um eine besonders sturmsichere Fixierung zu erreichen, wurden modifizierte Sonderhafte hergestellt und fachgerecht montiert.
  • Die Laterne: Die Bekleidung der acht tragenden Pfosten der Laterne erfolgte ebenfalls in handwerklicher Spenglertechnik. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die präzise Blechbekleidung der bogenförmigen Abschlüsse über den Öffnungen dar. Um einen sicheren Schutz gegen einfliegende Tauben zu garantieren, wurden die Laternenöffnungen mit Edelstahlgittern verschlossen. Eine weitere Herausforderung war die Herstellung der Anschlüsse der Laterne an die Spiegeldeckung des Turms.

Königsdisziplin: die glänzende Turmzier

Wo zuvor verwittertes Metall den Abschluss des Dorfmittelpunkts bildete, strahlt St. Georg nun wieder weithin sichtbar im neuen Glanz über die Dächer von Sulzkirchen. Das absolute optische Highlight bildet dabei die komplett restaurierte, historische Turmzier. Für die Restaurierung und die feine Neuvergoldung war Klempnermeister Holger Wunderlich verantwortlich. Mit viel Fingerspitzengefühl setzte er die – laut Inschrift zuletzt im Jahr 1994 renovierte – Wetterfahne instand und machte alle beweglichen Teile wieder leichtgängig. Zudem vergoldete er die markante Kugel am Übergang vom Turmhelm zur Turmzier sowie die Kugeln an den Abschlüssen der Wetterfahne. Außerdem wurde der weithin strahlende Stern an der Spitze der Wetterfahne neu vergoldet.

Kirchenpfleger Hans-Jürgen Leuthel, der die Kirchengemeinde als engagierter Bauherr vertrat, zeigte sich sichtlich beeindruckt von der handwerklichen Qualität des gesamten Teams. Als bleibendes Zeichen des Dankes für das entgegengebrachte Vertrauen und die hervorragende gewerkeübergreifende Zusammenarbeit überreichte Bauleiter Josef Peter Münch zur Fertigstellung ein ganz besonderes Geschenk: eine kunstvolle Kupfertreibarbeit. Das von Münch in Handarbeit gefertigte Kupferbild zeigt den stilisierten Turmhelm samt Laterne, Wetterfahne und Stern. Es wird die Gemeinde dauerhaft an dieses meisterliche Gemeinschaftsprojekt erinnern.

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