Sie kommen: Frauen in den Dachgewerken. In den sozialen Medien zeigen sie stolz, was sie alles leisten. Ein Blick darauf lohnt sich, sagt BAUMETALL-Autorin Ursula Wirtz
Auf Instagram erzielen Klempnerinnen, Dachdeckerinnen und Zimmerinnen beachtliche Reichweiten. Einzelne Accounts bringen es auf über 120.000 Follower. Bemerkenswert ist zum Beispiel auch das Engagement der bau_maedchen. Diese starke Community ist für junge Frauen eine Inspiration und Ermutigung, es selbst im Handwerk zu versuchen. Die Branche kann es gebrauchen: Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) stellten Frauen 2025 nur rund 14 % aller frischgebackenen Meister. Etwa jeder vierte Betrieb wird von einer Frau geführt. Unter den angestellten Handwerkerinnen beläuft sich der Anteil auf rund ein Drittel. Hier haben allerdings Friseurinnen und Konditorinnen zahlenmäßig weiterhin die Nase vorn. Umso schöner ist es zu sehen, wie Dachhandwerkerinnen für ihre Berufe werben – mit viel Liebe und Leidenschaft. Selbstbewusst kontern sie Vorurteile, wie die angehende Dachdeckerin Julissa Kämpf: „Nein, in der Berufsschule habe ich nicht deshalb so viele Punkte bekommen, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich das gut kann!“ Es ist durchaus empfehlenswert, sich auf Instagram gezielt einen Eindruck zu verschaffen. BAUMETALL hat mit drei Content-Creatorinnen gesprochen und stellt darüber hinaus weitere beispielhafte Branchen-Accounts vor.
„Wenn ich etwas mache, geht es mir nie um Klischees oder Quotenpolitik.“
Bild: C. Giltz
Handwerk oder Büro?
Handwerk, ganz klar! Toll am Handwerk ist, dass wir draußen arbeiten (an der frischen Luft und in Höhen) und gemeinsam im Team. Frauen im Dachdeckerhandwerk können ihre Kreativität und ihr handwerkliches Geschick ausleben und sorgen im Team oft für eine andere Kommunikation. Ich habe über die Zeit gemerkt, dass dieser Beruf sehr wichtig ist, weil jeder Mensch ein sicheres Dach über dem Kopf braucht, und ich bin stolz darauf, mit meinen eigenen Händen an Dächern zu arbeiten, die sehr lange bestehen.
Werkstatt oder Baustelle?
Baustelle! Am liebsten berate ich Bauherren zum Thema energetische Dachsanierung und gebäudeintegrierte Photovoltaik, auch im Hinblick auf Fördermöglichkeiten. Das ist meine Stärke! An den Dächern arbeite ich am liebsten an Dachüberständen und bekleide die Untersichten oder plane und belege Dachflächen mit Solardachziegeln.
Angestellte oder Chefin?
Da ich bereits Unternehmerin bin, liegt mein Fokus darin, mich ständig weiterzubilden und mit dem Fachwissen auf einem aktuellen Stand zu sein. Außerdem ist es mir wichtig, eine gute Arbeitgeberin zu sein, sodass sich meine Mitarbeiter(innen) gut aufgehoben fühlen und Spaß an der Arbeit haben. Mich ziehen spannende, besondere und herausfordernde Projekte an, die ich mit Stolz unsere Referenzen nennen kann.
@dachdeckerin.coletta
Über Coletta Giltz berichtete BAUMETALL ausführlich in Ausgabe 5/2026 ab Seite 36.
„Macht, worauf ihr Bock habt, und seid doch einfach mal stolz.“
Bild: A. May
Handwerk oder Büro?
Ich bin auf jeden Fall Team Handwerk! Büro gehört zwar auch hin und wieder zu meinen Arbeiten und meinem Arbeitsalltag, aber da konstruiere und plane ich. Das Tolle am Handwerk ist, dass man so schön mit Kollegen zusammenarbeiten kann und eigentlich immer was zu lachen hat. Ich liebe auch die Abwechslung, Vielfältigkeit und dass man abends sehen kann, was man geschafft hat. Für mich persönlich einfach eine Erfüllung. Ich liebe Bewegung und draußen zu sein – deswegen habe ich diesen Beruf ausgewählt.
Werkstatt oder Baustelle?
Am liebsten bin ich draußen auf der Baustelle, die Halle ist aber eine klasse Alternative bei schlechtem Wetter. Am allerliebsten richte ich Dachstühle, denn danach sieht das Ganze endlich aus wie ein Haus. Bester Moment! Wo ich am stärksten bin, ist aber eine schwierige Frage … Ich denke, dass ich einen ganz guten Rundum-Blick habe und gerne den Überblick behalte.
Angestellte oder Chefin?
Ich sehe mich trotz Meister tatsächlich weiterhin im Angestelltenverhältnis. Ich sehe mich nicht als Chefin eines Betriebes. Ich mag es zwar, Verantwortung zu tragen, zu leiten und zu planen, aber ich gebe auch gerne mal Verantwortung ab, habe gerne meine geregelten Arbeitszeiten und lasse auch mal gerne pünktlich den Hammer fallen. Weitere Fortbildungen wie zum Beispiel zur Restauratorin, das könnte ich mir noch sehr gut vorstellen! Generell sollte man nicht auf der Stelle stehen bleiben.
@zimmerin.annalena
„Uns kann man nicht durch Roboter ersetzen.“
Bild: M. Brülisauer
Handwerk oder Büro?
Ganz klar Handwerk. Ich finde es cool, dass man am Ende des Tages sieht, was man gemacht hat, und mit den eigenen Händen etwas entstehen lassen kann. Gerade als Frau finde ich es schön zu zeigen, dass man auch im Handwerk seinen Platz hat. Für mich bedeutet Handwerk Abwechslung, Teamarbeit und dass kein Tag genau wie der andere ist.
Werkstatt oder Baustelle?
Definitiv Baustelle. Ich arbeite am liebsten an größeren Baustellen und bei kreativeren Blecharbeiten, besonders auch bei Falzdächern. Ich mag es, wenn man richtig mit dem Material arbeiten kann und am Schluss das fertige Ergebnis sieht. Ich denke, meine Stärke ist, dass ich gerne genau und sauber arbeite und auch bei anspruchsvolleren Arbeiten dranbleibe.
Angestellte oder Chefin?
Im Moment sehe ich mich noch als Angestellte, da ich zuerst noch mehr Berufserfahrung sammeln möchte. Nach meiner Lehre als Spenglerin EFZ kann ich mir gut vorstellen, eine Weiterbildung zu machen, zum Beispiel die Polierprüfung. Ich möchte mich fachlich weiterentwickeln und langsam mehr Verantwortung übernehmen. Ob ich später einmal selbstständig werde, lasse ich noch offen – vorstellen könnte ich es mir aber.
@spenglerin_
Die Schweizerin Madeleine Brülisauer wurde im Kreativwettbewerb der Suissetec am Schweizer Spenglertag 2026 für ihr Kupfermodell des Taj Mahal ausgezeichnet.
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