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Referenzprojekt

Faltschiebeläden als Bau­stein der Klima­stabilität

Faltschiebeläden aus Aluminium­loch­blech von Ehret ver­schat­ten das Zent­ral­depot Regens­burg so effek­tiv, dass es fast ohne aktive Klima­ti­sie­rung aus­kommt.

Ehret

Energieeffizienz und CO₂-Reduktion sind auch im internationalen Museumsbetrieb angekommen. Im Zentraldepot für die Museen und Archive der Stadt sowie der Diözese Regensburg tragen Faltschiebeläden von Ehret wesentlich dazu bei, dass das klimastabil konzipierte Gebäude weitgehend ohne aktive Klimatisierung auskommt. Wie die Fassade bestehen sie aus gekantetem und gefaltetem Aluminiumlochblech und werden Teil einer geschlossenen, homogenen Gebäudehülle.

Das Amberger Architekturbüro Georg Zunner entwickelte eine industrielle Fassade, die durch die präzise Kantung und Faltung der Bleche einen handwerklichen Charakter sowie Stabilität und Eigenständigkeit erhält. Unter der silbrig schimmernden, 185 m langen und mehr als 12 m hohen Außenhaut vereinen sich auf 7000 m² Grundfläche drei Baukörper, die über Erschließungskerne verbunden sind: Der westliche, dreigeschossige Teil beherbergt das Stadtarchiv mit öffentlich zugänglichen Lese- und Vortragssälen im Erdgeschoss; die beiden zweigeschossigen Trakte dahinter nehmen die Depotflächen, Restaurierungswerkstätten und Verwaltungsbereiche der Museen der Stadt sowie der Kunstsammlungen und des Bischöflichen Zentralarchivs der Diözese auf. Der massive Stahlbetonbau ist auf Bohrpfählen gegründet, die Technikzentrale befindet sich auf dem Dach.

Starre Klimatisierungsvorgaben belasten die CO₂-Bilanz von Museen, Depots und Archiven

Leitender Entwurfsgedanke war ein möglichst klimastabiles Gebäude, das jahreszeitliche Schwankungen abpuffert und aktive Klimatisierung auf ein Minimum reduziert.

„Die Zeit der Schuldzuweisungen ist vorbei. Wir müssen den Kreislauf durchbrechen. Wir müssen die ‚Klimakontrolle' endlich kontrollieren.“ Mit diesem Satz verwies der renommierte deutsch-britische Konzeptkünstler Tino Sehgal auf einen der größten Energieposten im Kunstbetrieb: die permanente Klimatisierung auf einen festen Sollwert von 21 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit in Ausstellungs- und Depotbereichen. Über viele Jahre galten diese Werte als etablierter Standard im internationalen Museumswesen. Wegen des hohen Energieverbrauchs setzte jedoch zunehmend ein Umdenken ein. So wurde auch in Regensburg ein Klimakonzept nach angepassten Museumsstandards und Archivnormen umgesetzt.

Umgesetzt wurde ein sogenanntes Universalklima. Ausgehend von den Anforderungen der verschiedenen Sammlungen, definiert es einen Korridor für Temperatur und Luftfeuchte und lässt saisonale Schwankungen innerhalb enger Grenzen zu. Ein Sonderklima ermöglicht die separate Lagerung von Foto- und Filmmaterial sowie archäologischen Eisenfunden in stärker gekühlten Raumzellen. Heizung und Kühlung erfolgen über Luft-Wasser-Wärmepumpen; eine Photovoltaikanlage auf dem begrünten Flachdach ergänzt die Energieversorgung. Die Bauteilaktivierung der massiven Boden- und Deckenplatten erlaubt niedrige Vorlauftemperaturen und sichert damit eine hohe Energieeffizienz.

Elektrische Faltschiebeläden als fester Bestandteil des Klimakonzepts

Damit die empfindlichen Bestände weder durch UV-Licht noch durch Temperaturschwankungen Schaden nehmen, ist ein automatisch gesteuerter Sonnenschutz wesentlich für eine zuverlässige, energieeffiziente und konservatorisch sichere Lagerung. Er reduziert den solaren Energieeintrag durch die Fenster und entlastet zugleich die aktive Klimatisierung. Außen übernehmen 268 elektrisch betriebene Faltschiebeläden von Ehret diese Aufgabe, ergänzt von motorisierten Kassettenrollos im Inneren.

Ehret

Mit Elementgrößen von 950 × 1450 mm bis 4250 × 4500 mm ist das System auf die Fensteröffnungen des Zentraldepots abgestimmt, die bis zu 4250 × 4500 mm messen. Die Elemente sind zweiflügelig einseitig faltend oder vierflügelig jeweils nach rechts und links faltend ausgeführt. Die Steuerung ist in die Gebäudeautomation eingebunden, um das Raumklima präzise zu regeln und Heiz- sowie Kühllasten zu senken. Für das Zentraldepot war diese Funktion besonders relevant, da das öffentliche Gebäude erhöhte Sicherheitsanforderungen erfüllt: Fluchtausgänge und Brandmeldeanlage sind mit der Steuerung der Faltschiebeanlagen verknüpft; USV-Notstromversorgungen sichern deren Funktionsfähigkeit auch bei Stromausfall.

Die größte Herausforderung war laut Klaus Wipfler, Vertriebsleiter bei Ehret, die konstruktive Vorarbeit: Da die Lochblechfassade als vorgehängte Konstruktion ausgeführt ist und mit den Lochblechfüllungen eine bündige Flucht bildet, musste für die Konsolen der Schienensysteme sowie die Motoren jeweils eine individuelle Befestigungslösung erarbeitet werden, die statischen Anforderungen genügt, ohne das Erscheinungsbild der Fassade zu beeinträchtigen.

Die Fassade als eigenes Kunstwerk

Obwohl sich der Bau mit seiner klaren Funktionalität ganz der Bewahrung seiner teils mehr als tausend Jahre alten Schätze unterordnet, ist er ein Kunstwerk von eigenem Rang.

Stadt und Diözese Regensburg hatten dafür im Jahr 2021 gemeinsam einen Kunstwettbewerb ausgelobt. Das Werk sollte den Zweck des Gebäudes widerspiegeln, sowohl in der Fern- als auch in der Nahwirkung erfahrbar sein und einen Bezug zu Regensburg haben. Die Diözese hatte hierfür die Figur der Regensburger Schutzmantelmadonna als Anregung eingebracht. Die Entscheidung fiel auf den Entwurf des Künstlerehepaars Susanna und Bernhard Lutzenberger: zwei Hände, eine aufnehmende und eine schützende, die den Baukörper umgreifen.

Dabei galten strenge Auflagen: keine Folien, keine Zusatzkosten durch Pflege oder Beleuchtung, keine zusätzliche Last für die Fassade. Ihre Lösung war ebenso naheliegend wie kongenial: die ohnehin vorhandenen Löcher der Lochblechfassade mit zitronengelben Aluminiumblindnieten zu verschließen. Zentrale Herausforderung war dabei die Kantung und Faltung der Bleche: Der Entwurf musste an der Fassade so umgesetzt werden, dass er aus allen Blickrichtungen schlüssig lesbar blieb.

„Als Ausgangspunkt diente uns eine Fotografie der Gebärde, die wir digitalisiert und in Linien umgewandelt haben“, erklärt Susanna Lutzenberger. Anhand von 1,5 m² großen Blechmustern veranschaulichten die Künstler die Umsetzung für die Wettbewerbsjury und rechneten sie anschließend auf die Gesamtfläche hoch. Die Linien verlaufen auch über die Faltschiebeläden. Da die Nietpositionen bereits in der Fertigung der Lochbleche exakt definiert und in der Montage passgenau ausgeführt werden mussten, war höchste Präzision gefragt. „Die längsten Paneele waren 5,20 m. Die Vorlage lag darunter auf dem Tisch; durch die Löcher haben wir nach unten gepeilt, um zu sehen, ob darunter ein Punkt war und haben die Nieten gesetzt“, so Bernhard Lutzenberger. Ein achtköpfiges Team setzte die Zeichnung in drei Monaten mit 680.000 Nieten um, ohne dass ein einziges Paneel nachgearbeitet werden musste. „Wir hatten das Gefühl, da hat jemand seine schützende Hand darübergehalten“, erzählt der Künstler.

Wipfler ergänzt: „Dass die Faltschiebeläden nicht nur das Klimakonzept des Gebäudes unterstützen, sondern zugleich Teil eines Kunstwerks sind, war auch für uns eine völlig neue Erfahrung.“ ■
Quelle: Ehret / ml