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Leidenschaft für Tradition und Innovation

Modernes Unternehmertum auf der Schwäbischen Alb

In Altheim (Alb) befindet sich in einem kleinen Industrie- und Gewerbegebiet unweit von Ulm ein Spenglereifachbetrieb, in dem alle Weichen in Richtung Zukunft gestellt sind. Dass dort Fachmänner für Metallverarbeitung an Dach und Fassade zu Hause sind, wird schon beim Vorbeifahren sichtbar. Neben dem Betriebsgebäude befindet sich eine umfangreiche Musterausstellung, die Planern wie Häusle­bauern einen ersten Eindruck über Gestaltungsmöglichkeiten mit Metall ermöglicht.

Effiziente Werkstattaufteilung

Auch das Büro mit zugehöriger Werkstatt auf zwei Etagen kann sich sehen lassen. Unbedarfte Besucher sind bestimmt schon mehr als einmal erstaunt in der Eingangstür stehen geblieben. Hier entspricht nicht viel dem stereotypen Bild, das man von einer Klempnerei haben könnte. Mit dem ersten Schritt in die Halle befindet sich der Gast mittendrin im effizienten Geschehen und damit auch direkt neben einem Variobend Einfachbieger der Modellreihe EB. In direkter Nachbarschaft dazu stehen die passende Slinet Längs- und Querteilanlage sowie ein langer Fertigungstisch. Das Material dazu befindet sich im gut sortierten Hochregal an der Außenwand.

Die Maschinendichte ist auf den Quadratmeter betrachtet wirklich außergewöhnlich hoch. Hier wird kein Stellplatz verschenkt. Die Laufwege zielen auf Effizienz und gute Erreichbarkeit ab. Alle Hochregale sind geordnet und nummeriert. Jedes Werkzeug, jede Schraube und jeder Koffer hat seinen festen Platz. Zu dem strukturierten Klempnerreich gehört ein siebenköpfiges Betriebsteam um Geschäftsführer und Spenglermeister Michael Gökelmann. Wer ihn kennenlernt, stellt schnell einige Parallelen zu seiner Werkstatt fest: Er passt nicht zur stereotypen Vorstellung, die in manchen Köpfen noch bei dem Wort Handwerksmeister auftauchen könnte. Passend zum modernen Maschinen- und Fertigungspark wird hier eine moderne Unternehmensphilosophie gelebt. Die bringt Gökelmann in einer Devise auf den Punkt: miteinander etwas erreichen und füreinander da sein.

Blick auf den Eingangsbereich der Gökelmann GmbH auf der Schwäbischen Alb

Bild: BAUMETALL

Blick auf den Eingangsbereich der Gökelmann GmbH auf der Schwäbischen Alb

Das Ziel im Blick

Dass Gökelmann einmal Handwerker werden möchte, war ihm schon früh klar. Durch seine beiden älteren Brüder, beide selbstständige Handwerksmeister, sammelte er schnell erste Erfahrungen. Es folgte die Ausbildung im heimischen SHK-Betrieb und der erste Kontakt zum Werkstoff Metall. Gökelmann wirkt nicht wie jemand, der halbe Sachen macht. Er absolvierte eine zweite Ausbildung zum Klempner im Unternehmen des Spenglermeisters und Anwendungsberaters Jürgen Pflanz. „Das war eine gute Zeit. Jürgen war ein toller Ausbilder. Gerade auf Detailausführungen legte er immer größten Wert. Das war eine wichtige Basis, auf der ich aufbauen konnte“, erzählt Gökelmann. Sein Lehrgeselle zu dieser Zeit: ein gewisser Werner Ischinger. Warum das so wichtig ist? Dazu später mehr.

Gökelmanns Begeisterung für die Arbeit mit Metallen an Dach und Fassade ist auch nach erfolgreichem Abschluss der zweiten Ausbildung ungebrochen. Das führt zu einem Entschluss, der so noch kurz zuvor nicht möglich gewesen wäre: Ein Jahr nach seiner Gesellenprüfung absolviert er den Meisterkurs in Konstanz und startet im Jahr 2005 mit 24 Jahren in die Selbstständigkeit. Für Gökelmann genau der richtige Zeitpunkt: „Ich war jung, ungebunden und konnte richtig Gas geben. Das Risiko fühlte sich in diesem Lebensabschnitt nicht zu hoch an.“

Den Start in die Soloselbstständigkeit (damals noch an einem anderen Standort) wagt er übrigens mit einem rein manuellen Maschinenpark. „Damals“, so erinnert er sich, „stellte die Anschaffung des ersten Schlebach Mini Prof schon eine riesige Erleichterung dar.“

Eines der Herzstücke der Vorfertigung sind der Doppelbieger und die Längs- und Querspaltanlage aus dem Hause Asco

Bild: BAUMETALL

Eines der Herzstücke der Vorfertigung sind der Doppelbieger und die Längs- und Querspaltanlage aus dem Hause Asco

Nicht sollen, sondern wollen

Die Neugier darauf, Neues zu lernen, und der Wunsch, den eigenen Weg zu gehen, scheinen Gökelmann häufig anzutreiben. Die Firma wächst, die Maschinen werden mehr und 2011 erfolgt der Umzug an den heutigen Standort. „Damals war das noch ein großes, leeres Gebäude,“ erinnert er sich lachend. Mit den Aufträgen wächst auch die Ausstattung. Neben den bewährten kleinen Handabkantmaschinen und Werkzeugen, die es dort noch gibt, teilen sich in der Werkstatt unter anderem ein Einfachbieger und eine Längs- und Querspaltanlage von Asco, diverse Profiliermaschinen aus dem Hause Schlebach sowie Ausklink- und Entgratwerkzeuge von Boschert den Platz. Einen eigenen Raum erhielt eines der Herzstücke der Fertigung: die Boschert Combicut TRI. Auf dieser Stanzmaschine fertigt das Unternehmen heute beispielsweise Kaminbekleidungen. Für Gökelmann ist die Ausstattung seiner Werkstatt auch eine Investition in die Zukunft. Betriebsabläufe werden schneller und effizienter, er benötigt weniger Mitarbeiter für die Vorfertigung und im Hinblick auf die steigende Altersstruktur der Angestellten gestaltet sich die Arbeit leichter.

Einen weiteren Absatzmarkt hat Gökelmann im Bereich der Heimwerker und Künstler gefunden. Auf der Website www.blechideen24.de verkauft er kleine Metallzuschnitte, Dekoartikel mit Laserelementen oder Zubehör für die heimische Gartenentwässerung. Dabei sieht er das Ganze recht pragmatisch: „Bevor es ein Plastikbauteil aus dem Baumarkt wird, das dann mehr Ärger als Nutzen bringt, biete ich lieber das Richtige zum Selbsteinbau an.“

Der Musterpark gibt Planern, Architekten und Eigenheimbesitzer die Möglichkeit, vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten mit Metall zu entdecken

Bild: BAUMETALL

Der Musterpark gibt Planern, Architekten und Eigenheimbesitzer die Möglichkeit, vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten mit Metall zu entdecken

Teamstruktur schafft Sicherheit

Alleine wären Expansion und Website sicherlich nur schwer zu stemmen gewesen. Gökelmann, heute auch Vater von drei jungen Kindern, machte sich also 2014 auf die Suche nach jemandem, der ihn auch im Büro unterstützen könnte. Durch eine Zeitungsannonce kam er mit einem alten Bekannten in Kontakt. Die Chemie stimmte immer noch und so stellte der ehemalige Azubi Gökelmann seinen früheren Lehrgesellen Werner Ischinger ein. „Diese gute Zusammenarbeit im Büro gibt mir ein richtiges Glücksgefühl. Wir haben uns so aufgestellt, dass jeder die Tätigkeiten des anderen übernehmen kann, falls einmal etwas sein sollte. Diese Sicherheit ist für mich eine große Erleichterung. Dabei haben wir von Anfang an einen offenen Umgang miteinander gepflegt. Vielleicht ist es manchmal ein Glück, dass ich nie einen klassischen alten Lehrmeister hatte. So gehe ich mit vielen Themen, auch mit solchen unternehmerischer Natur, sehr offen um“, erklärt Michael Gökelmann. Die beiden Handwerker schätzen den offenen Umgang miteinander sehr. Ein weiterer Vorteil ihrer Aufteilung: Neben den Aufgaben im Büro haben sie die Möglichkeit, auch weiterhin aktiv handwerklich auf den Baustellen des Unternehmens tätig zu sein. Einen reinen Büroalltag kann sich keiner von beiden vorstellen. Auch hier fallen wieder die Begriffe Glück und Zufriedenheit.

Ein Familienunternehmen

Generell ist Michael Gökelmann neben dem betrieblichen Erfolg auch sein Familienleben und die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter sehr wichtig. Er pflegt einen engen Austausch mit seinen Beschäftigten. Auf der Weihnachtskarte des vergangenen Jahres sieht man die Belegschaft bei gemeinsamen Ausflügen. Seine Frau Kathrin ist das dritte Mitglied des Büroteams und die gemeinsamen drei Kinder wachsen ein Stück weit mit im Unternehmen auf. Auch ungewöhnlichen Einstellungsgesprächen steht der Schwabe offen gegenüber. Als 2017 ein pakistanischer Flüchtling auf seinem Betriebsgelände steht und nach Arbeit fragt, zeigt er sich offen. „Wenn es passt, passt‘s“, meint er mit einem leichten Schulterzucken. „Was hatte ich schon groß zu verlieren?“ Der „Neue“ ist ein tüchtiger und motivierter Mitarbeiter, der schnell dazulernt und heute im Unternehmen auch von den Kollegen als wichtiges Bindeglied angesehen wird. Die Arbeit läuft gut, doch die sozialen und rechtlichen Probleme des jungen Mannes sind erdrückend. Der Aufenthaltsstatus ist ungeklärt, die Einschränkungen sind groß. Doch das Team Gökelmann lässt sich nicht unterkriegen. Gemeinsam sucht man Rat bei einem Fachanwalt, wendet sich an die Regionalpolitik und versucht alles, um den Kollegen bestmöglich zu unterstützen. An dieser Stelle wird es emotional. Gökelmann und Ischinger, beide von der Grundeinstellung mit sehr ausgeglichenen Gemütern gesegnet, hat dieses Problem stark beschäftigt. Ein harter Betriebswirtschaftler hätte eventuell geraten, aus der Sache auszusteigen. Zur ehrlichen Handwerkermentalität der beiden passt es einfach nicht, den hart arbeitenden Kollegen aufzugeben. Ihre Beharrlichkeit zahlt sich aus. Seit Mitte 2023 liegt ein Abschiebungsverbot vor. Auch eine Einbürgerung ist nun möglich. Ihr Wissen wollen die drei auch in diesem Fall nicht für sich behalten. Sollte es Kollegen mit einer ähnlichen Problemstellung geben, würden sie sich über einen Erfahrungsaustausch freuen.

Die Zukunft fest im Blick

Wohin soll sich der Fachbetrieb in Zukunft entwickeln? Dazu meint Michael Gökelmann: „Man muss immer offen für Neues bleiben und die Augen offen halten.“ Aktuell werden in der Planung und Vorbereitung verschiedene Systeme zur Zeichnung und Maschinenkommunikation verwendet. Eine durchgängige Vernetzung wird eines der Ziele für die nächsten Jahre sein. Auch der Unternehmensauftritt nach außen sowie die Website, der Social-Media-Kanal und der eigene Onlineshop sollen weiter ausgebaut werden. Dabei setzt Gökelmann mit seiner rechten Hand Werner Ischinger auch auf den bewährten kollegialen Austausch zum Beispiel beim BAUMETALL-Treff oder dem BAUMETALL-Netzwerktreffen. 

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