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Gipfeltreffen am Dom zu Köln

Wenn Blei zwei Weltkulturerbe­stätten verbindet

Es ist ein windiger Februartag auf dem Dach des Kölner Doms. In rund 50 m Höhe, direkt unter dem Glockenspiel des Vierungsturms, stehen Männer in Zunftkleidung zusammen. Die Szenerie wirkt fast zeitlos. Doch was hier stattfindet, ist ein hochmoderner Fachaustausch auf höchstem Niveau: Die Dachdeckerexperten von Notre-­Dame de Paris um Nicolas Bossard und Oliver Etienne (von der Unternehmensgruppe Balas, Paris*) treffen den stellvertretenden Dombaumeister Dr.-Ing. Albert Distelrath und Dachhandwerker der Kölner Dombauhütte zum fachlichen Dialog. Dass dieses Treffen zustande kam, ist einer Initiative der Fachpresse zu verdanken. Vor einigen Wochen besuchte BAUMETALL-Chefredakteur Andreas Buck die Werkstätten der französischen Kollegen in Paris. Beeindruckt von der Präzision und dem handwerklichen Ethos bei der Herstellung diverser Bleielemente für den Wiederaufbau der durch den Brand zerstörten Kathedrale Notre-Dame de Paris, knüpfte Buck entscheidende Kontakte.

Der Netzwerker brachte Pariser Dachprofis von Balas mit Spezialisten der Kölner Dombauhütte zusammen und legte somit den Grundstein für einen exklusiven Wissenstransfer. Unter der Leitung von Nicolas Bossard besichtigte die französische Delegation Bereiche des Kölner Doms, die für die Öffentlichkeit sonst fast immer verschlossen bleiben.

Begleitet vom stellvertretenden Dombaumeister, Dr.-Ing. Albert Distelrath, tauchten die Balas-Handwerker tief in das Herz des Bauwerks ein. Zwischen der gewaltigen Eisenkonstruktion des Kölner Dachstuhls und den bleigedeckten Außendachflächen entspann sich ein Dialog, der weit über bloße Höflichkeit hinausging.

Ein Geschenk aus dem Feuer von Paris

Symbolisch für diese Verbundenheit überreichten die Pariser Gäste ein Geschenk mit enormem ideellem Wert: Ein Dachdeckerwappen mit Zunftstrauß. Das Besondere daran? Es wurde aus demselben Blei gegossen, das nun auch die neuen Dächer von Notre-Dame schützt. „Diese Geste symbolisiert die Verbindung zwischen unseren beiden Kathedralen und das handwerkliche Können“, betont Nicolas Bossard und freut sich über den handfesten und technisch hochspannenden Fachaustausch. Unter anderem teilten die Pariser Experten ihr Wissen über das Sandgussverfahren mit den Kollegen aus Köln (BAUMETALL berichtete in Ausgabe 5/2025). Bei dieser Gelegenheit vermittelten die Gäste aus Paris ihren Kollegen der Kölner Dombauhütte auch interessante Kontakte zu spezialisierten Lieferanten für sandgegossenes Blei aus England. (Tipp aus der Redaktion: Aufschlussreiche Videos zur Herstellung von Sandguss-Blei für die Bleieindeckung der Kathedrale Notre-Dame de Paris sind im Online-Extra auf BAUMETALL.de abrufbar. Der Klick lohnt sich aber auch, weil die Rekonstruktion der komplexen Gauben und die Herstellung aufwendiger Vierpass-Ornamente am Turmschaft von Notre-Dame illustriert werden.)

Ausblick: Gegeneinladung an die Seine

Der Besuch in Köln war erst der Anfang einer vertieften Partnerschaft. Nicolas Bossard sprach inzwischen eine herzliche Einladung nach Paris aus. Dort sollen die Kölner Kollegen im kommenden Jahr unter anderem die Bleiwerkstätten besichtigen können, in denen die Modelle für die Dachelemente von Notre-Dame entstehen.

Das Treffen der Dachhandwerker ist folglich der Beginn einer Verbindung, die durch die Fachpresse angestoßen wurde und nun von den Handwerkern selbst mit Leben gefüllt wird. Sie zeigt: Wenn es um den Erhalt des europäischen Architekturerbes geht, arbeiten die Heros der Fassaden und Dächer Seite an Seite auf dem First der Weltgeschichte.

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