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Turmhoch überlegen

Bekanntlich sind Klempner turmhoch überlegen – etwa dann, wenn es um die professionelle Bekleidung von Kirchtürmen mit unterschiedlichsten Baumetallen geht. Überlegen, das musste auch Klempnermeister Norman Kahl aus Frauenwald, als er sich erstmals mit der Sanierung des 35 m hohen Wasserturms im Meininger Teilort Dreißigacker beschäftigte. Schnell war ihm klar, wie entsprechende Details der geplanten Aluminiumbekleidung vorbereitet und ausgebildet werden mussten. Aber der Reihe nach: Seit 1992 gehört der markante, kegelförmige Hochbehälter zusammen mit den zwei Türmen der Meininger Stadtkirche oder den Türmen von Schloss Landsberg zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen der bedeutenden Wirtschaftsregion im Süden Thüringens. Mindestens ebenso imposant wie die Architektur des Wasserturms war aber auch das eigens zur Sanierung errichtete Raumgerüst der Firma Spies. Mit rund 15 000 m³ bildete es die Grundvoraussetzung zur Umsetzung der aufwendigen Sanierungsarbeiten des 1000 m³ fassenden, von den Stadtwerken Meinigen betriebenen Behälters. Dazu PREFA-Fachberater Christian Koch: „Eine Nutzungsdauer von dreißig Jahren geht an keinem Gebäude spurlos vorbei. So mancher Sturm hat seither an der kleinteiligen Faserzement-Bekleidung des Wasserbehälters gerüttelt und gezerrt. Dadurch haben sich einzelne Platten gelöst und drohten in die Tiefe zu stürzen.“

Auf der Suche nach einer alternativen Bekleidung entschieden sich die Verantwortlichen schließlich für farbbeschichtetes Aluminium mit stucco-dessinierter Oberfläche der Marke Prefalz. Zum Einsatz kam eine klassische Tafeldeckung mit doppelten Stehfalzen. Während die bisherigen Faserzementplatten direkt befestigt waren, zeichnet sich die neue Aluminiumhülle durch eine indirekte Befestigung mit Fest- und Schiebehafte aus. Die etwas über 2 m langen und konischen Scharen nehmen die temperaturbedingte Längenausdehnung problemlos auf. Außerdem ist das System extrem sturmsicher.

Bild: Prefa I Julia Hassert

Meisterwerk der Gerüstbaukunst: 15 000 m³ betrug die Größe dieses beeindruckenden Raumgerüsts

Bild: Prefa I Julia Hassert

Meisterwerk der Gerüstbaukunst: 15 000 m³ betrug die Größe dieses beeindruckenden Raumgerüsts

Bild: Prefa I Julia Hassert

Arbeitsvorbereitung

Vor Montage der neuen Aluminium-Gebäudehülle mussten vorhandene Faserzementplatten und die darunter liegende Lattung rückgebaut werden. Außerdem wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten die Wärmedämmung des Wasserbehälters ertüchtigt. Eine neue Vollholzschalung mit darüber liegender Trennlage bildete schließlich den Montageuntergrund für die Stehfalzscharen aus Prefalz im Farbton Silbermetallic.

Im oberen Drittel weist der kegelförmige Baukörper den größten Durchmesser auf. Hier haben die Scharen eine Deckbreite von ca. 52 cm. Sie verjüngen sich konisch nach oben bzw. nach unten, wo die Scharbreite nur noch knappe 12 cm beträgt. Alle konischen Teilstücke der Tafeldeckung wurden in der Werkstatt des Fachbetriebes von Norman Kahl an einer Schwenkbiegemaschine gebogen. Um eventuelle Maßdifferenzen ausgleichen zu können, positionierten die Klempner Ausgleichsschare in regelmäßigen Abständen. Die entsprechenden Maße wurden später vor Ort ermittelt und die Schare erst dann zugeschnitten, gebogen und eingesetzt.

Teamwork

„Die Sanierung des Wasserturms nahm rund fünf Monate in Anspruch“, erinnert sich Norman Kahl: „Wie man sich vorstellen kann erforderte bereits der Aufbau des hervorragend ausgebildeten Gerüstes eine gewisse Zeit. Aufgrund der sich nach unten stark verjüngenden Bauwerksgeometrie, wurde es in unterschiedlich weit auskragenden Ebenen erstellt.“

Nach dem Rückbau der alten Fassadenbekleidung und dem Einbau der Wärmedämmung sowie der neuen, hinterlüfteten Holzschalung war das Team der Klempner aus Frauenwald an der Reihe. Zunächst montierten sie die Lüftungs- und Traufprofile am Fußpunkt. Die Montage der Schare erfolgte dann von unten nach oben verlaufend. An den Querfalzen der einzelnen Profile wurden Liegehafte (Einhanghafte) – an den Stehfalzen Fest- und Schiebehafte angebracht. Die Haftbefestigung erfolgte ausnahmslos mittels Schrauben.

Der Luftaustritt befindet sich am höchsten Punkt und somit direkt unter der Attikaabdeckung, die ebenfalls mit kurzen, konischen Aluminiumscharen bekleidet wurde. Insgesamt benötigte das Team aus Frauenwald zur Erledigung der Klempnerarbeiten rund sechs Wochen. Eine weitere technisch anspruchsvolle Herausforderung war übrigens die anschließende Installation der neuen Blitzschutzanlage.

Landmarke in neuem Kleid

„30 Jahre alt und so schick wie nie“, titelte die Regionalpresse und lobte das neue Gewand des Wasserturms in Dreißigacker. Tatsächlich erzeugen die fein strukturierte Stucco-Oberfläche der Prefalz-Scharen und die Struktur des Falzbildes ein matt schimmerndes, homogenes Gesamtbild, das den markanten Wasserturm in ein maßgeschneidertes Kleid zu hüllen scheint. Die gelungene Optik des sanierten Wasserturms ist jedoch nicht der einzige Pluspunkt. Durch die langlebige und wartungsfreie Aluminiumhaut ist das Bauwerk und somit die Infrastruktur der
Wasserversorgung auf Jahre hinaus gewährleistet: Der Wasserturm versorgt somit auch in Zukunft das Wohngebiet Dreißigacker, ansässige Firmen und auch das Klinikum zuverlässig mit Wasser. Das Bauwerk gehört zu den insgesamt sieben Wasserhochbehältern in und um Meiningen, die durch die Stadtwerke Meiningen betrieben werden. Um die Wasserversorgung und höchste Trinkwasserqualität zu sichern, investierte die Meininger Trinkwasserversorgung allein im Jahr 2021 insgesamt 1,7 Millionen Euro. 

Blick durch das Gerüst: Ein Klempner aus dem Team des Fachbetriebs Kahl bei der Arbeit an der ALuminiumhülle

Bild: Prefa I Julia Hassert

Blick durch das Gerüst: Ein Klempner aus dem Team des Fachbetriebs Kahl bei der Arbeit an der ALuminiumhülle
Schöne Anschlussdetails an den Übergängen von Fläche zu Fläche bzw. von der Fläche zur Attika

Bild: N. Kahl

Schöne Anschlussdetails an den Übergängen von Fläche zu Fläche bzw. von der Fläche zur Attika

Bautafel

Architektur: Gössinger + Scharfenberg, Meiningen

Bauherr: Stadtwerke Meiningen GmbH

Fachbetriebe: Gerüstbau: F. Spies GmbH & Co. KG, Sennfeld

Zimmerei: Konstantin Heyder, Angelroda

Klempner: Norman Kahl, Ilmenau/Frauenwald

Material: Farbbeschichtetes Aluminium, Prefalz 0,7 mm, Silbermetallic

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