Manuela Geugelin und Marcus Schnabel (r.) mit den glücklichen Teilnehmern
Erstmals fand der beliebte BAUMETALL-Workshop in den österreichischen Alpen statt. Wiederholungstäter Marc Warzawa war live vor Ort. Was den BAUMETALL-Autor auch nach seiner fünften Teilnahme fasziniert hat, schildert er hier
Künstlerin Manuela Geugelin lässt ihre Finger respektvoll über die Normtafeln aus Zinkblech gleiten. Das 0,4 mm dünne Material ging unmittelbar vor dem Beginn des BAUMETALL-Workshops in Hall (Tirol) im Wareneingang des gastgebenden Handelshauses Eisenkies ein. In den bestens ausgestatteten Schulungsräumen wartete die Kreativ-Trainerin schon sehnsüchtig auf „ihr“ Titanzink und ging mit dem Metall der Marke El-Zinc sofort auf Tuchfühlung. Dem Betrachter der Szenerie kommt die Vokabel „ehrfürchtig“ in den Sinn. Dass der Eindruck keineswegs übertrieben ist, zeigt sich, als Geugelin es weiter beschreibt, nein, davon schwärmt: „Es lässt sich so toll bearbeiten, ist so dankbar und lässt alles mit sich machen!“ Obwohl die Freiburger Künstlerin ansonsten sogar Rissen im Material etwas abgewinnen kann, lobt sie die hohe Strapazierfähigkeit. Und was es heißt, wenn sie sich eines Materials annimmt, erfahren die Workshopteilnehmer gleich darauf. Mit der Tafelschere schneidet Geugelin ein Stück von etwa 30 mal 25 cm ab, legt es auf die dämpfende Werkbank-Unterlage und platziert mit einem Kugelhammer in lockerer Folge Schläge auf dem Blech. Was sich anfangs wie ein Hagelschaden darstellt, wird rasch zu einer Aneinanderreihung von Beulen. „Die Aufgabe ist, das Blech zu bearbeiten, bis es keine glatte Stelle mehr gibt.“ Kaum ausgesprochen, ist von allen Arbeitsplätzen der Schulungswerkstatt intensives Hämmern zu vernehmen.
Chaos mit System
Doch die Teilnehmenden sind nicht blindlings mit dem Werkzeug auf das Material gehetzt worden. Nach der Begrüßung durch Gastgeber Markus Felder (Prokurist, Eisenkies), Workshop-Organisator Andreas Buck (BAUMETALL-Chefredakteur) und Kursleiterin Manuela Geugelin informiert Marcus Schnabel (Geschäftsführer, El-Zinc Deutschland GmbH) die Teilnehmenden. Dabei beleuchtet er die Hintergründe der Materialherstellung und zeigt auf, wie durch außergewöhnliche Fassadengestaltung architektonische Highlights entstehen. Der Name El-Zinc lässt Assoziationen zu „El Toro“, dem spanischen Stier, aufkeimen und die Spur ist in der Tat eine gute: Des Zinkblechs Geburtsstätte liegt in Asturien, dem España Verde, also dem aufgrund seiner Vegetation als „grünen Spanien“ bekannten Teil der Iberischen Halbinsel. Als Überleitung zur künstlerischen Leiterin betont Schnabel zuversichtlich, dass mit dem eingesetzten Zinkblech nahezu „alles“ möglich sei.
Für mich war es eine megacoole Erfahrung. Ich habe so etwas zum ersten Mal gemacht und ich würde es jederzeit wieder tun.
Bild: BAUMETALL
Manuela Geugelin wiederum stellt in den Mittelpunkt ihrer Einführung die Frage, was Kunst ausmache, und veranschaulicht dies mit Bildern verschiedener Stilrichtungen, Epochen und Künstler. Dadurch wird nicht nur deutlich, dass Kunst im Auge des Betrachters liegt, sondern auch, wie stark Blickwinkel und persönlicher Hintergrund die Wahrnehmung prägen. Als vorbereitende Übung erhält jede(r) ein gewöhnliches Blatt Papier mit der Aufgabe, es allein durch Knicken und Falzen in eine figürliche Form zu verwandeln. Diese kleine Studie dient später an der Werkbank als Vorlage für die Arbeit mit dem Material des spanischen Herstellers.
Die nächsten Minuten gehören dem Rascheln von Papier. Geugelin geht durch die Reihen, betrachtet die im Werden begriffenen Formen, schmunzelt oder nickt anerkennend. Man merkt den Beteiligten an, wie ungewohnt es ist, so frei und – im wahrsten Sinne – so planlos zu arbeiten. Doch anfängliches Stirnrunzeln weicht bald zufriedeneren Gesichtszügen. Als Nächstes schneiden sich alle Teilnehmenden „ein ordentliches Stück El-Zinc“ ab und legen es auf die elastischen Arbeitsunterlagen. Zusammen mit den bereitliegenden Hämmern entstehen zahlreiche höchst individuelle Werkstattbereiche.
Und kaum hat Manuela Geugelin – wie eingangs beschrieben – die ersten Schläge auf das Blech gesetzt, erfüllt ein vielstimmiges, ungleichmäßiges Hämmern den Raum: alle in ihrem eigenen Rhythmus, mal schneller, mal langsamer, nur unterbrochen durch Pausen zum Drehen, Lockern, Begutachten, Durchatmen. Spätestens ab diesem Moment sind die bereitgestellten Ohrstöpsel ein Segen.
Tipps für unverkrampftes Arbeiten
„Alle mal herhören!“ Begleitet von kräftigen Hammerschlägen auf die hölzerne Werkbank verschafft sich Manuela Geugelin Aufmerksamkeit. „Ihr dürft den Hammer nicht verkrampft halten. Das muss viel lockerer sein, sonst tut euch morgen der Arm weh!“ Es folgen Hinweise, dass das Material die Schläge leite. Was zunächst fast esoterisch klingt, erweist sich als umso hilfreicher, je länger man sich hämmernd mit dem Blech auseinandersetzt: Durch die Schläge wird das Material gestreckt, hat jedoch für eine größere Fläche nicht automatisch mehr Platz zur Verfügung. Es beginnt sich zu wölben. Bald zeichnen sich Linien und feine Adern ab. Diesen Strukturen, so Geugelins Tipp, solle man folgen – und offen bleiben für alles, was sich im Material zeige.
Jetzt profitieren die Teilnehmenden von ihrem Erfahrungsschatz und von den zuvor versprochenen El-Zinc-Eigenschaften: Während Kupfer, Messing oder herkömmliche Zinkbleche unter vergleichbarer Kaltverformung längst Risse entwickelt hätten, bleibt das Material aus Spanien überraschend geschmeidig und steckt unzählige Hammerschläge klaglos weg. Möglich wird das durch die Zulegierung fest definierter Anteile von Kupfer und Titan; alles Weitere bleibt unter dem Stichwort „Betriebsgeheimnis“ dem neugierigen Zugriff des Autors verborgen.
Einen Namen fürs Kunstwerk habe ich nicht. Das Bearbeiten? Ich hab’s einfach über mich kommen lassen! Es war sehr lehrreich. Anfangs konnte ich mir nicht so richtig vorstellen, wie man die Knicke ins Blech reinbekommt. Nachher ging es fast von selbst. Ich habe viel gelernt. Das kann ich jedem nur empfehlen.
Bild: BAUMETALL
Kreative Prozesse benötigen große Namen
Die Zeit vergeht wie in Trance. Geugelin hat entsprechende Mühe, zur nächsten Aufgabe überzuleiten. „Zum Abschluss nehmen wir uns heute etwas Zeit“, kündigt sie an. „Jede und jeder stellt gleich die eigene Arbeit vor und erzählt, wie es ihm oder ihr im Laufe des Tages damit ergangen ist.“ Man sieht, wie einige Teilnehmende bereits gedanklich nach Worten suchen. „Und vergesst nicht: Jedes Werk bekommt einen Titel. ‚Ohne Titel‘ zählt nicht“, ergänzt sie mit einem Lächeln. Endspurt: Das Hämmern geht in die letzte Runde. Nach und nach nehmen die unterschiedlichsten Blechvarianten vollends Gestalt an – keine Arbeit gleicht der anderen. Während manche noch aus den letzten Minuten alles herausholen, haben die Ersten bereits das Werkzeug aus der Hand gelegt und beginnen aufzuräumen. Dann sind alle an einem Punkt angekommen, an dem ihr Werk das Prädikat „vollendet“ verdient.
Szenenwechsel
Die Teilnehmenden wandern mit ihren Arbeiten in die Lounge – die „gute Stube“ im oberen Stock des Eisenkies-Verwaltungsgebäudes. In gemütlichen Sitzgruppen atmen sie durch und lassen die Erlebnisse des Tages Revue passieren. Eine ruhige, erwartungsvolle Stimmung breitet sich aus und Geugelin nutzt den Moment, um sich für die neugierige Mitarbeit sowie den gestalterischen Elan zu bedanken: „Eure Hingabe hat unseren Workshoptag zu etwas Besonderem gemacht. Ich bin von den Ergebnissen begeistert!“ Auch der Dank an die Firma Eisenkies lässt nicht lange auf sich warten: für die großzügige Bereitstellung der Räume, der Werkzeuge und für die herzliche Gastfreundschaft, die diesen Workshop erst möglich gemacht hat. Auch Chef-Baumetaller Andreas Buck scheint zufrieden. Er blickt in die entspannten Gesichter, auf die Titanzink-Werke, die nun auf den Tischen stehen, lächelt und sagt: „Bevor wir auseinandergehen, möchte ich den letzten Programmpunkt einläuten. Jetzt seid ihr dran. Erzählt uns, was ihr geschaffen habt – und wie es euch heute damit ergangen ist.“ Eine erwartungsvolle Stille breitet sich aus. Die Teilnehmenden rücken ihre Arbeiten zurecht, manche streichen noch einmal über die Oberfläche, andere sammeln ihre Gedanken. Nacheinander kommen alle zu Wort – lassen die jeweils anderen Workshopper an ihrem Schaffensprozess teilhaben. Die Vielfalt der gezeigten Ergebnisse beeindruckt und unterstreicht den kreativen Erfolg des Formats. Ein inspirierender Tag bei Eisenkies geht zu Ende – ein Tag, der bewiesen hat, dass Handwerk, Design und Leidenschaft untrennbar zusammengehören.
Bild: BAUMETALL
Marcus Schnabel stellt das Unternehmen El-Zinc vor
Bild: BAUMETALL
Manuela Geugelin arbeitet mit Alu, Kupfer, Messing, Neusilber, Zink und anderen Metallen
Bild: BAUMETALL
Nach der Papierstudie greift ...
Bild: BAUMETALL
... Autor Marc Warzawa beherzt zum Kugelhammer und lässt ...
Bild: BAUMETALL
... sich von entstehenden Strukturen inspirieren
Bild: BAUMETALL
Markus Felder, Manuela Geugelin und Andreas Buck freuen sich über den Besuch von Hubert Trenkwalder aus Südtirol
Bild: BAUMETALL
Der Südtiroler Obmann Dieter Seyr lässt dem Metall freien Lauf
Bild: BAUMETALL
Marcus Schnabel überreicht Anna Seyr das Workshop-Zertifikat
Barth und BAUMETALL suchen Fassadenheros
Das Event-Format
Was passiert, wenn handwerkliche Perfektion auf kompromisslose Kreativität trifft? Genau das sollen die Fassadenheros zeigen. Im Rahmen eines Live-Wettbewerbs treten drei Teams an, um Metallfassaden nicht einfach nur mit Metall zu bekleiden, sondern sie komplett neu zu interpretieren. Jedes der drei Teams besteht aus einem oder zwei erfahrenen Spenglern sowie einem kreativen Partner aus den Bereichen Architektur, Design oder Kunst.
Künstlerin Manuela Geugelin
Um den künstlerischen Anspruch des Wettbewerbs zu unterstreichen, wird das Projekt von der Künstlerin Manuela Geugelin begleitet. Mit ihrem geschulten Blick für Formen, Oberflächen und die Wirkung von Materialien im Raum unterstützt sie den Prozess der Fassadengestaltung. Dabei schlägt die Freiburger Metallbildhauerin die Brücke zwischen dem traditionellen Spenglerhandwerk und der freien Kunst. Ziel ist es, den Einsatz des Werkstoffs Metall an der Fassade möglichst neu zu definieren.
Designer Felix Brunold
Ein weiterer wichtiger Impulsgeber des Wettbewerbs ist Felix Brunold: Der Geschäftsführer von Vektornode ist in der Branche als Experte für computergestütztes Design und digitale Planung bekannt. Die Fassadenheros unterstützt er dabei, komplexe Geometrien und moderne Entwurfsmethoden in die Welt des Metalls zu übertragen. Seine Expertise ermöglicht es, die Grenzen zwischen digitaler Vision und handwerklicher Umsetzung aufzubrechen und aufzuzeigen, wie moderne Designtools das Spenglerhandwerk von morgen prägen können.
Architekt und Spengler gesucht
Während die Kunst und das Design bereits von starken Persönlichkeiten vertreten werden, ist der Platz für kreative Architektur noch vakant. Wer als Planer visionäre Architekturideen mit Metall realisieren und das Thema Fassadenbekleidung gemeinsam mit einem Spenglermeister radikal weiterdenken möchte, sollte sich kurzfristig bewerben.
Austragungsort und Bewerbung
Der Live-Battle findet im Rahmen des Tags der offenen Tür am 19. und 20. September 2026 beim Handelshaus Barth in Renningen statt. Zuschauer haben dort die seltene Gelegenheit, die Entstehung der ausgefallenen Fassadenkonzepte hautnah mitzuerleben und die „Fassadenheros“ bei ihrer Arbeit mit hochwertigen Metallen zu beobachten.