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Ausführungsmängel vermeiden, Teil 20 

Wenn das WDVS zur Falle wird

Zinkkorrosion ist ein bekanntes Schadensbild, das jedoch an einer Dachrandabdeckung eher selten auftritt. Am hier vorgestellten Projekt verursachten ständige Feuchtigkeitseinwirkung und eine fehlende Belüftung (Bausituation unter Luftabschluss) massive Korrosionsschäden an einer Dachrandabdeckung aus Titanzink. Die Suche nach der Ursache für diese Feuchtigkeitseinwirkung brachte Ungewöhnliches zutage. Da die Tropfkante der schadhaften Attikaabdeckung zu gering gewählt worden war, fiel der Anfangsverdacht auf schleichenden Feuchtigkeitseintrag durch Schlagregen. Zur Erinnerung: Entsprechend der ZVSHK-Klempnerfachregel sind Tropfkanten ab der Unterkante der Holzwerkstoffplatte bzw. Putzabschlusskante – je nach Gebäudehöhe – mit mindestens 50 mm Überdeckung auszuführen. Schnell wurde jedoch klar, dass dieser zwar vorhandene Fehler nicht die alleinige Ursache für den entstandenen Schaden war.

Nach Demontage der schadhaften Bauteile wurde ersichtlich, dass die Holzwerkstoffplatte der Unterkonstruktion stark durchnässt und unterseitig teilweise zerstört war. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass die Klempnerfachregeln unter Punkt 5.7.1 zwingend eine strukturierte Trennlage vorschreiben: „Auf Dachschalungen aus ... Holzwerkstoffplatten muss eine strukturierte Trennlage verwendet werden. Bei senkrechten und stark geneigten (≥ 75°) Flächen (Fassaden, Gauben) ist eine geeignete Trennlage erforderlich. Durch die senkrechte Anordnung kann anfallendes Wasser ablaufen und eine strukturierte Trennlage ist nicht notwendig. Ausnahme: Beim Verkleben mit einer bitumenhaltigen Klebemasse z. B. bei Mauerabdeckungen, Fensterblechen oder ähnlichen kleinflächigen Bauteilen ist keine Trennlage vorgeschrieben.“

Schadensursache wie im Krimi

Unmittelbar nach der Bauteilöffnung konnte die exakte Ursache nicht auf Anhieb bestimmt werden. Zwar hätte eine strukturierte Trennlage die direkte Zerstörung der Titanzinkabdeckung verzögern können, doch der eigentliche Grund für den unkontrollierten Feuchtigkeitseintrag in die Konstruktion lag tiefer. Bei genauerer Betrachtung stand die Schadensursache in direktem Zusammenhang mit dem Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS). Nach Demontage der Unterkonstruktion offenbarte sich zwischen dem WDVS und dem Mauerwerk ein massiver Luftspalt. Dieser war so groß, dass sich ein Zollstock ungehindert einschieben ließ. Der Blick durch eine Endoskop-Kamera in diesen nahezu ununterbrochen durchgängigen Spalt bestätigte den Verdacht: Die Dämmplatten waren nur punktuell geklebt worden. Durch die unregelmäßige Anordnung der Kleberbatzen entstand ein Kamineffekt, der feuchte Raumluft ungehindert hinter die Dämmung saugte. Eigentlich muss zwischen Mauerwerk und Wärmedämmung für Luftdichtheit gesorgt werden. Hier jedoch wurde das Funktionsprinzip der vorgehängten, hinterlüfteten Fassade (VHF) unbeabsichtigt ins Gegenteil verkehrt: Die aus den Innenräumen ausdiffundierende Feuchtigkeit konnte nicht entweichen, kondensierte an den kühleren Bauteiloberflächen und verursachte den Schaden von innen heraus.

Fachgerechter Kleberauftrag

Um solche Hohlräume zu verhindern, ist bei Polystyrol-Dämmplatten eine fachgerechte Verklebung unerlässlich:

  • Wulst-Punkt-Methode: Der Kleber wird randumlaufend mit ­einem ca. 5 cm breiten Streifen aufgetragen, ergänzt durch zwei bis drei handtellergroße Batzen in der Plattenmitte.
  • Vollflächiger Auftrag: Der Kleber wird mit einer Zahnkelle vollflächig auf den Untergrund oder die Platte aufgebracht.
  • Maschinelles Streifenverfahren: Der Mörtel wird maschinell ­streifenförmig auf den Untergrund aufgetragen.
  • In allen Fällen sind Klebermenge und Steghöhe den Untergrundtoleranzen anzupassen, um eine Klebekontaktfläche von mindestens 10 % zu erreichen.

    Die Alternative aus dem Spenglerhandwerk

    Das Funktionsprinzip der vorgehängten, hinterlüfteten Fassade (VHF) ist in Fachkreisen als robuste Lösung bekannt. Ihr wesentlicher Vorteil ist der permanente Abtransport von Feuchtigkeit. Weitere Vorzüge sind die gestalterische Freiheit bei der Metallbekleidung, wartungsarme Oberflächen, ein angenehmes sommerliches Raumklima, verbesserter Brand- und Blitzschutz sowie die exzellente Recyclingfähigkeit durch sortenreinen Rückbau. Die Sanierung von Fassaden mit WDVS bietet Spenglerfachbetrieben folglich einen riesigen Markt. Doch Vorsicht ist geboten: Im nächsten Artikel werde ich über eine Fassadensanierung berichten, bei der eine VHF in Kombination mit einem WDVS umgesetzt wurde. Trotz auf den ersten Blick guter handwerklicher Ausführung lief das Projekt schief. Ursachen und Tipps zur Fehlervermeidung können Sie in der nächsten Ausgabe nachlesen.

    Bis demnächst und haben Sie eine gute Zeit.

    Ihr Peter Stelzer

    Peter Stelzer
    ist Flaschner-, Gas- und Wasser-Installateurmeister sowie ö. b. u. v. Sachverständiger für Klempnerarbeiten. Darüber hinaus engagiert er sich im Fachverband SHK BW als Obmann des technischen Ausschusses Klempner.

    Bild: Stelzer

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