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Spenglerklassiker für klassisches Spenglertum

Traditionsbewusst. Teamfähig. Zukunftsorientiert.

Bei Regenrinnen, Kaminverwahrungen, Ortgangverblechungen oder Attikaverblendungen, da ist Julius Zulbeck ganz in seinem Element. Die typischen Spengleraufgaben sind für ihn eine Herzensangelegenheit – und Chefsache, im wahrsten Sinne des Wortes: Im August 2025 hat er die Spenglerei von seinem Vater übernommen. Gegründet wurde sie 1960 von seinem Großvater. Seitdem ist sie im Umkreis von rund 30 km um das oberbayrische Frauenneuharting herum aktiv. Das Dorf hat nur rund 1500 Einwohner und liegt eher ländlich zwischen Grafing und dem Inn. Hier dominieren Steildächer, oft Blechdächer, die im Winter schweren Schneemassen standhalten können. „Flachdächer machen wir kaum, Flüssigkunststoffabdichtungen wenig, nur etwa an Sockeln“, erzählt Zulbeck. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) hat der Meisterbetrieb genug zu tun. Ein Großteil des Geschäfts besteht aus Sanierungen. An diese Aufträge kommt der Kleinstbetrieb über Zimmerer. „Wir arbeiten fest mit drei Zimmereien zusammen. Die bieten die Spenglerarbeiten im Gesamtpaket mit an und holen uns dazu, wenn diese anstehen. Manchmal auch recht kurzfristig, fast nach dem Motto: Morgen wird die Dachrinne gebraucht“, sagt ­Zulbeck lachend. Zum Glück hat er in der Regel aber genügend Vorlauf. Und wo sind die Dachdecker in dieser Konstellation? „Bei uns sind Zimmerer und Dachdecker eins. Die Zimmereien erledigen auch die Dachdeckerarbeiten.“

Elf Dachfenster ohne Einbaurahmen

Bei den Einsätzen wird der Spenglermeister von seinem Gesellen unterstützt – einer Nachwuchsfachkraft aus dem eigenen Haus. Er wechselte im zweiten Lehrjahr von einer anderen Firma zu Zulbeck und schloss dort seine Ausbildung ab. Der Chef, der 2020 seine Meisterprüfung abgelegt hat, würde gern auch künftig selbst ausbilden, leider ist es aber – wie überall – auch in der Region um Frauenneuharting schwer, geeignete Kandidaten zu finden. Die Arbeit stemmt Zulbeck trotzdem – mit Begeisterung. Auf dem Dach ist er glücklich, nicht zuletzt wegen der tollen Ausblicke auf die Alpen. Morgens um halb sieben geht es los: mit einer Lagebesprechung und dann ab zur Baustelle. Dort wird dann zum Beispiel, wie bei einem der letzten Projekte, das Dach eines denkmalgeschützten Gebäudes am Grafinger Marktplatz eingedeckt. Die rund 400 m² große Fläche wurde mit ziegelroten Doppelstehfalzscharen aus Prefa-Aluminium verschönert. Das Interessante an diesem Vorhaben: Es waren elf Dachfenster zu integrieren, und zwar ohne Einbaurahmen. Hier war also echtes Handwerk gefragt, weil die Fenster in Handarbeit herausgefalzt werden mussten.

Große Gauben und kleine Kunstwerke aus Kupfer

Schön, weil herausfordernd, war auch die Erweiterung eines Hotel-Apartments. Dabei ging es nicht nur um das Kupferdach, sondern auch um drei große Gauben (auf Bayrisch „Quergiebel“) und einen riesigen Schornstein, der genau in der Kehle einer Gaube sitzt. Ein besonderes Schmankerl war die Zwiebelhaube auf dem Turm einer kleinen Kapelle bei ­Grafing. Aus sechs Kupfersegmenten wurde die Zwiebel zusammengesetzt, die kugelförmige Spitze krönt ein Kreuz. Überhaupt ist Kupfer Zulbecks Lieblingsmaterial, weil es sich so gut verarbeiten lässt und nicht so schnell reißt. Aluminium schätzt der Baumetaller auch sehr. Mit Prefa P.10 anthrazit hat er zum Beispiel kleine Kuriositäten wie eine hölzerne Fasssauna bedacht. Darüber hinaus kommen auch Materialien wie Titanzink oder Uginox-Edelstahl zum Einsatz. Wenn Zulbeck einmal nicht auf dem Dach unterwegs ist, widmet er sich mit Vorliebe der Herstellung von Kamineinfassungen per Kaminschablone und anderen kreativen Basteleien. In seiner Werkstatt zaubert er dann kleine Kunststücke aus Kupfer wie zum Beispiel Sonnenblumen, Wetterfahnen mit Hahn, Edelweiße, die sich an den Hut anstecken lassen, oder Kronen für die Gewinner eines Ski-Events. Zu der schmucken Sammlung gehört auch ein Fußball aus Kupfer und Zink.

Zünftige Werkstatt mit vielen Handmaschinen

Künftig wird Zulbeck seine Kreativität buchstäblich noch breiter ausleben können, denn im Januar hat der Spengler-Fachbetrieb eine neue, größere Werkstatt bezogen. Dafür wurde eigens ein ehemaliger Stall mitsamt Heuboden renoviert und ausgebaut. Zulbeck erzählt: „Der Stall ist Teil eines Bauernhofes, der den Eltern meiner Frau gehört und wo wir auch wohnen. Landwirtschaft wird hier nicht mehr betrieben, daher ist hier sehr viel Platz. Ein weiterer Vorteil: Ich muss jetzt nur noch 5 m zu Fuß zur Werkstatt gehen.“

Mit umgezogen in die neue Werkstatt ist der zünftige Maschinenpark. Auch hier setzt der Familienunternehmer auf Tradition: „Wir haben viele Handmaschinen, darunter Klassiker von Schechtl wie Schwenkbiegemaschinen, Schlagscheren und die Segmentabkantbank – in Bayern Klavierbank genannt. Die funktionieren immer, sogar bei Stromausfall.“

Digitalisierungen sind geplant

Ist er etwa ein Nostalgiker, der Modernisierungen scheut? Zulbeck lacht: „Die Handmaschinen sind unverwüstlich. Nach 30 Jahren verrichten sie immer noch zuverlässig ihren Dienst. Da wir jetzt aber deutlich mehr Platz haben, können bald CNC-gesteuerte Maschinen dazukommen. Eine Zettelwirtschaft haben wir schon länger nicht mehr. Das Aufmaß machen wir zum Beispiel mit dem iPad.“ Nach dem Büro-Umzug plant der Spenglermeister weitere Digitalisierungen. ­Außerdem möchte er den Betrieb vergrößern. Aber für den Chef ist ganz klar: „Ich will auch dann, mit mehr Mitarbeitern, trotzdem noch mit auf die Dächer. Denn ich bin nicht der Bürotyp.“

Da trifft es sich gut, dass sich seit dem letzten Sommer hauptsächlich sein Vater um das Büro kümmert. Infolge eines unverschuldeten Unfalls mit dem Roller kann er nicht mehr so gut auf der Baustelle arbeiten. Daher ist der Senior nun beim Junior angestellt. Eine klare Win-win-Situation: Auf diese Weise kann der Vater aktiv im Geschäft bleiben und der Sohn hat den Rücken frei, um sich ganz seinen geliebten Baustellen zu widmen. Was er dort alles leistet, zeigt er auf seinem Instagram-Kanal mit zahlreichen Videos. Hier gibt er auch sehenswerte Einblicke in seine kunstvollen Bastelarbeiten und in die Renovierung des Stalls für die neue Werkstatt.

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