Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
Analog und digital sichtbar sein

Blickfang aus Kupfer

Ein Schaufenster ist zum Schauen da – wie der Name schon sagt. Es soll die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden und -fahrenden auf sich ziehen. Den Auslagen in einem Wohn- und Geschäftshaus im Baseler Iselinquartier gelingt dies mit Sicherheit. Hier prangt stolz ein kupferner Basilisk und sieht die Passanten herausfordernd von der Seite an. Ein … bitte was? Ein Basilisk ist ein Fabelwesen, eine Mischung aus Vogel und Schlange. Der Legende nach soll sein Blick versteinern oder sogar tödlich sein! Aber keine Angst – dieses geflügelte Kupfertier ist harmlos. Es wacht treu über eine Werkstatt der besonderen Art: das Zuhause des SpänglerKollegtivs Basel-West, ein Zusammenschluss zweier Kleinstbetriebe: der MiSa GmbH von Michel Saner und den „Mietspenglern“ von Nicolas Crettaz. Die Logos der beiden Firmen sind in Form von Wappen vor dem Basilisk angebracht, er stützt scheinbar seine Krallen darauf. In der rechten hält er eine Blechschere, in der linken einen Spenglerhammer.

Der Schweif erinnert an einen Schweizer Bogen

In dem rötlich glänzenden Vogel mit dem langen Schweif vereinen die beiden Spengler ihre Liebe zum Beruf mit der Liebe zur Heimat. Denn das kleine Monster ist quasi das Maskottchen der Stadt Basel – ein Wahrzeichen, das überall im Stadtbild zu sehen ist: an Fassaden, Brücken, Brunnen und sogar am Baseler Münster. Wie in vielen dieser Darstellungen fungiert auch der Basilisk des SpänglerKollegtivs als Wappenhalter.

Selbstredend ist er eine Eigenproduktion. Rund 70 Arbeitsstunden stecken in der 30 Kilogramm schweren, etwa 1,20 m hohen und ebenso breiten Figur. „Wir begannen mit einer Skizze und haben die Idee dann in Freestyle umgesetzt“, erzählt Crettaz, der in Fachkreisen auch als Spengler-Niggi bekannt ist. Die Zahl der Einzelteile schätzt er auf 200 bis 250.

Während Saner den Kopf und die Krallen übernahm, kümmerte er sich selbst um den Schweif, der bezeichnenderweise an einen Schweizer Bogen erinnert. Dafür falzte er zuerst kleine Kupferrohre. Die zu Schwanz, Krallen und Hals samt Kopf zusammengelöteten beziehungsweise geschweißten Teile befestigten die beiden an einem Brett. An Hals und Kopf wurden die zuvor ausgeschnittenen Federn angenietet und dann die Wappen so angebracht, dass sie die Befestigungen überdecken. Abschließend wurde das fertige Kunstwerk noch von einem Maler lackiert.

Die perfekte Werkstatt für reibungslose Abläufe

Der Basilisk genießt seine Zeit im Schaufenster, denn sie ist begrenzt. „Wir dekorieren das Fenster vier- bis fünfmal jährlich um – je nach ­Jahreszeit oder Anlass mit einem passenden Motto“, sagt Crettaz. Zum Schweizer Nationalfeiertag am 1. August hatten sie beispiels­weise ­einen Schweizer Bogen ausgestellt, auf dem ein Kupfermilchfass thronte, das seinerseits mit der Schweizer Flagge, einem Edelweiß und Blättern aus Blech verziert war.

Genauso sehenswert und kultig wie das Schaufenster ist auch die Werkstatt, die sich dahinter verbirgt. Crettaz nennt sie geradezu zärtlich „unser Spenglerwohnzimmer, das von vielen tollen Arbeiten und Momenten geprägt ist, die wir hier erleben“. Die liebevolle Einrichtung mit zahlreichen schönen Details spricht Bände. Dazu Crettaz: „Wir haben die Werkstatt in zwei Zonen unterteilt. Der leise Bereich beherbergt unsere Tafelschere, die Abkantbank, eine Tischschere und eine Profiliermaschine. Im lauten Teil befinden sich unsere Spaltmaschine, eine Segmentabkantbank, Falzstangen, Sickenmaschinen, Falzwerkzeuge und viele Handmaschinen. Die Werkstatt ist für uns perfekt eingerichtet, sodass wir nicht unnötig umherlaufen und schleppen müssen und alle Arbeitsschritte reibungslos ausführen können.“

Das Spenglerkollektiv hat sich auf Instagram gefunden

Das aus dem Jahr 1893 stammende Haus nutzen die beiden kreativen Spengler seit Mai 2025 gemeinsam. Im Erdgeschoss ist die Werkstatt untergebracht, im Keller das Lager und im ersten Obergeschoss Büro, Atelier und, so Crettaz, „eine tolle Terrasse, wo wir Material lagern und abends oft grillen“. Die beiden Blech-Profis unterstützen sich gegenseitig und setzen ab und zu auch gemeinsame Projekte um – und zwar bereits seit 2022. Damals rief Spengler-Niggi die Mietspengler ins Leben, zunächst in Davos und mit einem Partner. Der stieg allerdings im Oktober 2025 aus. Seitdem arbeitet er allein mit seiner Partnerin Nadine Simonet und seinem Angestellten Markus Rabensteiner. Die Mietspengler sind überall zur Stelle, wo Fachbetriebe Unterstützung brauchen – vor allem in Basel und Umland, bei Bedarf aber auch weiter weg. (Über das Konzept und herausragende Projekte berichteten wir in BAUMETALL-Ausgabe 3/2025 ab Seite 68. Unter dieser Überschrift finden Sie den Artikel online: „Solist und leidenschaftlicher Teamworker. Wenn Kupferherzen höherschlagen“.)

Ihre fruchtbare Zusammenarbeit haben Crettaz und Saner übrigens Social Media zu verdanken. Über Instagram kamen sie vor Jahren miteinander in Kontakt – und verabredeten sich zu einem Kaffee. Auch so kann man also auf sich aufmerksam machen und etwas Gewinnbringendes daraus erwachsen lassen – vorausgesetzt natürlich, man ist auf dem Kanal aktiv. Und das ist der engagierte Spengler-­Niggi definitiv: mit Bildern von interessanten Projekten, Dächern mit außergewöhnlichen Geometrien, glänzenden Kupfergauben und mit einem Video von der frisch eingerichteten Werkstatt. Schauen Sie doch mal rein: instagram.com/mietspengler.

Jetzt weiterlesen und profitieren.

+ BM E-Paper-Ausgabe – jeden Monat neu
+ Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv
+ Themenhefte
+ Webinare und Veranstaltungen mit Rabatten
uvm.

Premium Mitgliedschaft

2 Monate kostenlos testen

Tags