Die Online Meisterschule GmbH vermittelt Fachwissen in allen drei, für Dachhandwerker wichtigen Bereichen: der Klempnertechnik, dem Holzbau und den Dachdeckungssystemen. Immer mehr Dachprofis profitieren von der Idee, entsprechendes Fachwissen zu bündeln – etwa indem sie zwei oder gar alle drei Meistertitel erwerben. Über das Zusammenwachsen der Dachgewerke und was dies insbesondere für Klempner bedeutet, sprach BAUMETALL mit Mike Kortboyer. Der Zimmerer- und Dachdeckermeister ist Dozent an der Online Meisterschule.
BAUMETALL: Herr Kortboyer, die Online Meisterschule GmbH bietet als einzige Meisterschule Kurse in allen drei Dachgewerken an. Welchen Hintergrund hat das?
Mike Kortboyer: Begonnen hat alles mit dem Zimmererkurs, den wir seit 20 Jahren anbieten und der noch heute am stärksten nachgefragt ist. Gut zehn Jahre später haben wir dann den Meisterkurs im Dachdeckerhandwerk ins Leben gerufen. In den letzten Jahren verzeichnen wir ein sehr großes Wachstum. Die Nachfrage steigt auch deshalb, weil die Interessenten von unserem Konzept begeistert sind. In diesem Jahr schulen wir 150 Zimmerermeister weiter. Auch bei den Dachdeckern haben wir derzeit jährlich 50 Anmeldungen – und das Interesse der Gesellen wächst weiter. Die Klempner sind die kleinste Gruppe, aber auch sie decken wir ab. Wir beobachten, dass sich unsere Teilnehmer immer häufiger zum Doppel- oder Triplemeister qualifizieren, um Fachexperten im Bereich Dach zu werden. Es gibt also definitiv einen Trend, die drei Dachgewerke zu vereinen.
Welche Vorteile hat denn die Kombination der Gewerke in Form solcher Mehrfachtitel?
Das Zusammenwachsen von Zimmerer-, Dachdecker- und Klempnerhandwerk bietet Meistern enorme Potenziale. Denn der Trend geht zu ganzheitlichen Gebäudehüllen. Der Auftraggeber wünscht heute immer mehr eine Vergabe an nur einen Generalunternehmer, der die Schnittstellen im Griff hat. Das habe ich in 15 Jahren als Projektleiter selbst so erfahren. Meisterbetriebe, die drei Gewerke vereinen, können Abläufe optimieren, Schnittstellenprobleme reduzieren und Kunden attraktive Komplettlösungen aus einer Hand anbieten.
Und was heißt das ganz konkret?
Zum einen lassen sich Logistik und Planung optimieren. Der Einsatz von Personal, Material und Maschinen ist in einem kombinierten Betrieb deutlich flexibler und effizienter, wodurch Leerlaufzeiten minimiert werden.
Zweitens drohen weniger Schnittstellenkonflikte. Verzögerungen oder Schuldzuweisungen zwischen separaten Dachdecker- und Spengler-Teams auf der Baustelle entfallen, da ein Anbieter die Verantwortung für das gesamte Gewerk trägt.
Ein weiterer Vorteil ist eine stärkere Kundenbindung. Der Fachbetrieb ist der einzige zentrale Ansprechpartner für den Kunden. Das schafft Vertrauen und ermöglicht es, durch zielgerichtete Beratung höhere Margen zu erzielen.
Außerdem eröffnen sich Potenziale für zukunftsträchtige Spezialisierungen. Die Verbindung von Spengler-Metallbau und Dachdichtung ist ideal für moderne, nachhaltige Bauweisen wie Solarintegration, Dachbegrünung und effektives Regenwassermanagement. Daraus ergeben sich höhere Auftragschancen. Durch die Erweiterung des Leistungsportfolios positionieren sich die Betriebe als Komplettanbieter für Dach, Wand und Abdichtung. Komplexe Projekte – wie zum Beispiel Metalldächer mit integrierter Photovoltaik – können sie nahtlos ohne Fremdvergabe abwickeln.
Was aber bedeutet das für Spengler? Müssen sie nicht befürchten, dass Dachdecker und Zimmerer in ihre Nische vorstoßen?
Man kann es auch so sehen: Das Spenglerhandwerk wird gerade dadurch aufgewertet, dass es mehr voll ausgebildete Meister gibt – unabhängig davon, woher diese kommen. Schließlich machen sich die Dachdecker und Zimmerer ja die Mühe, sich zum Spenglermeister zu qualifizieren. Das zeigt doch: Sie glauben eben nicht, dass sich die Spenglerarbeiten einfach so nebenher erledigen lassen. Hier sehe ich vielmehr eine zunehmende Wertschätzung. Und grundsätzlich geht es ja auch andersherum: Klempnermeister können genauso ihr Dach-Know-how ausweiten und ihren Betrieb breiter aufstellen.
Zudem war die Aufteilung der Gewerke schon immer regional unterschiedlich. Bei uns im Münsterland, wo es nur wenig Metalldächer gibt, montieren Dachdecker oder Zimmerer traditionellerweise etwa auch die Dachrinnen. In Süddeutschland ist das anders.
Die Konkurrenzsituation hält sich aber auch deshalb in Grenzen, da es immer Arbeiten geben wird, die ausschließlich von Metallspezialisten ausgeführt werden können. Zum Beispiel an denkmalgeschützten Gebäuden oder an Dächern mit komplizierten Geometrien und schwierigen Anschlüssen. Da haben Spengler nichts zu befürchten, denn da geht es um echte Handarbeit, die nur sie beherrschen.
Für eine Weiterbildungseinrichtung ist es ziemlich anspruchsvoll, alle drei Dachgewerke zu bedienen. Denn das erfordert fundiertes Fachwissen in allen Bereichen, auch im Klempnerhandwerk. Wie stellt die Online Meisterschule das sicher?
Wir haben das Know-how, die Teilnehmer mit der nötigen Technik zu versorgen, und sind fast immer ansprechbar, auch zu organisatorischen und finanziellen Themen wie Meister-BAföG. Für die fachliche Kompetenz sind natürlich ausgewiesene Experten in den einzelnen Bereichen gefragt. Im Spenglerhandwerk arbeiten wir beispielsweise im Handlungsfeld 1 mit Sachverständigen zusammen. Da haben wir Branchengrößen wie Stefan Holz und Peter Stelzer an Bord, die didaktisch exzellent auf die Themen eingehen. Sie beginnen den Unterricht mit Schadensbildern aus ihrer täglichen Arbeit als Sachverständige und erarbeiten dann mit den Teilnehmern, wie es richtig gemacht wird. Auch BAUMETALL-Chefredakteur Andreas Buck war übrigens Ende Mai als Gastdozent bei uns.
Die Fragen stellte Ursula Wirtz.