Wie schon so oft wurde auch dieses Mal bei der Eröffnung der „Blechmasters 2026“ in der Stuttgarter Klempnermeisterschule der Robert-Mayer-Schule deutlich, dass das Klempnerhandwerk in Baden-Württemberg echte „Meisterpower“ ausstrahlt. Zwischen ikonischer James-Bond-Symbolik und handwerklicher Präzision feierten zwölf Absolventen ihre bestandene Prüfung und das Kollegium der Meisterschule einen markanten Führungswechsel. Ein Bild mit Symbolkraft schuf Hans-Peter Rösch (Fachschulleiter Klempnermeisterschule) als er während seiner Ansprache zur Spraydose griff und die Zeigefinger seiner zwölf Jungmeister mit Sprühgold markierte. Was im ersten Moment an den Bond-Klassiker „Goldfinger“ erinnerte, entpuppte sich schnell als Wertschätzung. Während der Leinwandschurke Dinge aus Gier mit Gold überzog, setzte Rösch ein Zeichen für den „Goldstandard“ der Stuttgarter Ausbildung. Er markierte jene Hände, die künftig dafür verantwortlich sind, die Architektur des Landes nicht bloß zu „verkleiden“, sondern fachgerecht und ästhetisch anspruchsvoll mit hochwertigen Baumetallen zu bekleiden.
Zwischen Tradition und Avantgarde
Exponate im Detail: Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten spiegelte das gesamte Spektrum der Klempnerkunst wider – von der denkmalpflegerischen Präzision bis zum modernen Designobjekt. Ein regelrechter Blickfang direkt am Eingang war das mannshohe, stehende Kreuz aus Kupfer von Moritz Zimmermann. In Anlehnung an den Deutschritterorden begrüßte dieses imposante Werk die Besucher und setzte ein klares Statement für handwerkliche Präsenz.
Die Verbindung zur Geschichte pflegte auch Lars Wiest, der mit einem historischen Dachaufsatz aus altem Kupfer samt originaler Patina-Oberfläche die Kunst der Restaurierung zelebrierte. Dazu passend stellte Loris Rempfer einen großen, geschwungenen Rinnenkessel mit Schweizer Bogen aus Titanzink vor. Die fließende Formgebung bestach und die Details überzeugten.
Dass Kupfer nicht nur technische Schutzfunktion besitzt, sondern auch das Raumklima und die Seele berühren kann, bewiesen Marius Marquardt und Robin Mezger. Marquardts voll funktionsfähiger Seerosenbrunnen, gefertigt aus meisterhaft gefalzten Segmenten und klassischen Wulstabschlüssen, sowie Mezgers elegant geschwungener Zimmerbrunnen brachten ein Stück lebendige Natur in die Ausstellung. Es ist die besondere Magie dieser Wasserspiele: Das leise Plätschern auf der metallischen Oberfläche bricht die Stille und verbessert spürbar das Raumgefühl. Wo das Wasser über das Kupfer gleitet, entsteht eine Atmosphäre der Ruhe und Reflexion – ein Beweis dafür, dass die Klempnerkunst der Blechmasters weit über die bloße Gebäudehülle hinausgeht und Räume in Wohlfühloasen verwandeln kann. Dass Kupfer spielerisch und funktional zugleich sein kann, bewies auch Marius Marquardt mit einem voll funktionsfähigen Seerosenbrunnen aus gefalzten Segmenten und Wulstabschlüssen.
Wie filigran und beinahe schwerelos Metall im modernen Möbeldesign wirken kann, zeigten die Arbeiten von Daniel Bajsic und Simon Mast. Bajsics elegant gedrehter Stehtisch ist mehr als ein funktionales Möbel; er ist ein Spiel mit der Perspektive. Unter der schützenden Glasplatte verbergen sich aufwendige Einlegearbeiten, die erst beim zweiten Blick ihre Tiefe offenbaren. Flankiert wurde diese Eleganz durch den zweiteiligen Roulettesockel von Simon Mast. Hier verschmelzen Kupfer und Messing zu einem edlen Kontrast, der an die luxuriöse Atmosphäre klassischer Salons erinnert. Beiden Meisterstücken gelingt es, nicht nur einen Raum zu füllen, sondern ihn auch mit einer Aura von Beständigkeit und exklusivem Handwerk zu veredeln.
Technisch höchst anspruchsvoll präsentierte sich die Ballotage-Wahlurne von Patrick Jäckle – ein komplexes Falzensemble aus Innen- und Außenstehfalzen auf einem segmentierten Sockel. Ein weiteres Meisterstück – oder besser gesagt ein fast schon mystisches Kunstobjekt – ist die „Sphäre aus Kupfer“ von Leon Kübler. Sein kleines, aber feines Meisterstück rundete die Ausstellung auf interessante Weise ab. Das Werk erinnerte manchen Betrachter an eine Symbiose aus Ritterhelm und Amethyst.
Dutzendfache Präzision und Stabwechsel an der Spitze
Das hohe Niveau der Blechmasters 2026 ist kein Zufall, sondern das Ergebnis akribischer Vorbereitung. Hier kam Daniel Wagner ins Spiel: Als Werkstatttrainer war er der Mentor im Hintergrund, der die „zwölf Goldfinger“ mit technischer Finesse und unermüdlichem Einsatz auf die praktische Prüfung vorbereitet hat. Wagner ist es gelungen, den Schülern das nötige Rüstzeug mitzugeben, damit sie Metall nicht nur als Baustoff, sondern auch als schützende Haut für Gebäude begreifen – immer mit dem Fokus auf Langlebigkeit und die Würde der alternden Patina.
Die Veranstaltung markierte zudem einen historischen Wendepunkt für die Robert-Mayer-Schule: Hans-Peter Rösch, der die Bildungseinrichtung als Fachschulleiter über Jahre mit Herzblut und Fachverstand geprägt hat, übergab den Staffelstab an Marco Schneider. Mit Schneider gewinnt die Schule einen Experten, der die Branche aus einer besonderen Perspektive kennt: Als ehemaliger Verantwortlicher für die Klempnertechnik beim FV SHK Baden-Württemberg bringt er eine tiefe Vernetzung und ein präzises Gespür für die Anforderungen des Marktes mit. Der Übergang von Rösch zu Schneider steht somit für Kontinuität auf höchstem Niveau – ein Versprechen an das Handwerk, dass Stuttgart auch künftig das Epizentrum der Klempnerausbildung bleibt.
Denn während die Gesichter an der Spitze wechseln, bleibt der Anspruch derselbe: mit Leidenschaft und Materialkompetenz jene Elite zu formen, die unsere Architektur mit nachhaltigen Baumetallen für kommende Generationen rüstet und prägt.