Aufmerksame BAUMETALL-Leser kennen Valentin Schnyder aus Elgg in der Schweiz durch zahlreiche Fachberichte – vorwiegend solche über die Aktivitäten des Anwendernetzwerks BM digital. Dort überrascht der leidenschaftliche Spenglermeister immer wieder mit neuen Ideen rund um die Optimierung von Arbeitsabläufen und der damit verbundenen Organisation von Werkstatt- und Montageprozessen. Ob Schnyder jetzt auch das Zeitreisen für sich entdeckt hat? Nein! Dennoch ist es erstaunlich, dass seine Reaktion zum Kommentar in dieser BAUMETALL-Ausgabe sowie zur Wiederbelebung des Schlenker-Fachbuchs als Leserbrief vorlag, noch bevor das Heft überhaupt gedruckt war. Möglich wurde dies durch Schnyders aktive Unterstützung und die sorgsame Pflege des oben genannten Fachhandwerker-Netzwerks.
Schnyder schreibt:
Hallo Andi, Du triffst mit Deinem Kommentar den Nagel wie immer auf den Kopf! Vor allem der Satz „Ich finde schon! Und ich ärgere mich darüber, dass Fachbetriebsinhaber, die entsprechend modern und dadurch extrem leistungsfähig unterwegs sind, von den Wettbewerbern regelmäßig angefeindet werden.“ Genau das erlebe ich täglich hautnah und es hat dazu geführt, dass ich in den sozialen Medien weniger Berichte zu dieser Thematik poste. Dennoch verliere ich nicht die Freude daran, anderen Betrieben die Vorteile gelebter Schnyder-Zukunft zu zeigen.
Es läuft bei uns im Betrieb einfach genial gut! Wir dürfen nach den Ferien drei neue junge Mitarbeiter begrüßen, obwohl wir gar nicht nach Personal gesucht haben. Diese Tatsache zeigt mir auf, dass unser Weg nicht so falsch ist. Das Einführen unserer Team-Zone mitten in den Produktionsräumen und das Eröffnen der Outdoor-Team-Zone im August sind Beispiele, die zeigen, wie geil es ist, zusammen mit einem absolut genialen Team erfolgreich und digital unterstützt zu spenglern. Anstatt mich mit ewig gestrigen Berufskameraden zu beschäftigen, ist es mir eine Herzensangelegenheit, Dir ein ehrliches Feedback zu geben. Was mich an Deinen Ausführungen etwas stört und was eventuell auch nicht sehr förderlich für unser Anliegen ist, ist die Tatsache, dass Ihr Euch als Erstes im Fachbuch Schlenker mit Regenrinnen beschäftigt. Solche Rinnen gehörten in den letzten 50 Jahren zur Hauptaufgabe der Spengler. Das war der Zahn dieser Zeit. Davor waren es Ritterrüstungen und Wassertöpfe …
Ich stelle bei uns im Betrieb fest, dass der Anteil montierter Dachrinnen nicht einmal mehr ein Promille ausmacht. Viele Häuser haben Flachdächer, andere wiederum architektonisch eher versteckte Rinnen. Der Anteil vorgehängter (traditioneller) Rinnen ist verschwindend klein. Doch wo ist der Spengler im Jahr 2026 zu Hause? Die Tatsache, dass die Holzwerker zu den innovativsten Bauhandwerkern zählen, führt dazu, dass immer mehr Holzbaubetriebe große Wohnhäuser in Holzbauweise errichten. Bei diesen Bauten benötigt es immer mehr Fassadentrennbleche und Fensterzargen, was durchaus auch brandschutztechnische Gründe hat. Wir fertigen solche Profile meistens aus Aluminium in 1,5 oder 2 mm Stärke. Pulverlackierung ist dabei Pflicht. Wir stellen fest, dass bei solchen Metallelementen ein durchgängig digitaler Maschinenpark Pflicht ist. Das kannst Du nicht mit Zollstock an der Abkantmaschine erledigen. Wenn es bei solchen Bauten dann auch noch eine vorgehängte Rinne braucht, dann hängen wir die auch noch schnell hin (überspitzt gesagt). Aber eventuell müssen wir unseren Fokus weg von den Rinnen nehmen und dorthin lenken, wo heute Blechprofile und Spenglerarbeiten gefragt sind? Wie ist das in Deutschland? Werden dort auch immer mehr Wohngebäude in Holzständerbauweise errichtet? Und ist es nicht so, dass bei diesen Häusern das Potenzial riesig für moderne Spenglereien ist bzw. traditionelle Betriebe keine Chance mehr haben? Warum ich das hier aufschreibe? Weil ich hoffe, dass dadurch eine Diskussion über die Herstellung und Montage solcher Metallprofile durch zeitgemäße Spengler und vor allem mithilfe digitaler Mittel entsteht. Aus meiner Sicht müssen wir uns von Traditionen weitestgehend verabschieden, weil uns die lieb gemeinte Tradition ausbremst und blockiert. Das betrifft auch die Weitergabe entsprechender Kenntnisse in den Schulen. Wir müssen stattdessen den Fokus zu 100 % auf Innovation und Zukunft setzen. Und noch etwas: Ich bin unheimlich froh darüber, unseren wunderschönen Beruf zusammen mit den Kollegen des BAUMETALL-Treffs weiterbringen zu dürfen.
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Valentin Schnyder
eidg.dipl. Spenglermeister
Geschäftsleiter / Inhaber
Wie denken Sie über diesen Sachverhalt und wie gefällt Ihnen die digitale Wiederbelebung des Schlenker-Fachbuchs? Schreiben Sie uns! Am einfachsten per E-Mail an redaktion@baumetall.de und mit dem Stichwort „Zukunftsspengler“!