Baumetall Ausgabe: 01-2019

Männliches und weibliches Werkzeug

  1. Teil: Männliches und weibliches Werkzeug
  2. Teil: Andreas Buck

Oder Doch lieber eine neue Ausbildungsberufs-bezeichnung? Es ist nicht leicht, geschlechtersensibel zu kommunizieren. Ich versuche es dennoch und stelle mir zunächst die Frage: Wie wird ab sofort ein Hammer genderneutral korrekt bezeichnet? Schwierig, oder? Eine Blechschere hingegen ist eindeutig weiblich und im baden-württembergischen Grenzbereich zwischen Pforzheim und Karlsruhe ist zumindest der Radio wiederum ein Mann. Warum das ganze Theater? Weil ich im sozialen Netzwerk auf einen irritierenden Chat gestoßen bin, der irgendwie zur Diskussion um eine neue Ausblidungsberufsbezeichnung passt. Darin wurde gefordert, aus dem Rednerpult das Redepult zu machen und den Teamleiter zur Teamleitung zu transformieren. Richtig und wichtig sei es, ab sofort geschlechtersensibel zu kommunizieren – eine Aufforderung an mein Kopfkino: Die Abkantbank. Die Tafelschere. Der Nietenzieher. Der Schraubendreher. Und wiederum die CNC-Steuerung. Die Anpassung der Begrifflichkeiten unserer Arbeitswelt ist zumindest herausfordernd.

Liebe Klempner und -„Rinnen“ Wie kompliziert Diskussionen um Begrifflichkeiten werden können, wissen Sie am allerbesten. Warum? Weil keine andere Berufsbezeichnung das Pech hat, gleich mit vier unterschiedlichen Begriffen vermarktet werden zu müssen. Ob es daran liegt, dass Klempner und Spengler nicht verstehen, wenn württembergische Flaschner oder badische Blechner „der Butter“ statt „die Butter“ sagen? Diesen (also den Butter) dabei leidenschaftlich auf „eine“ Brezel streichen und „das“ sprachliche Gesamtkunstwerk beherzt in eine Tasse Kaffee tauchen. Geschlechtersensibler geht es kaum und die maskulinen Fettaugen auf dem koffeinhaltigen Getränk sind Zeuge – ich schwör’s.

Spaß beiseite Unsere Ausgangssituation ist viel zu ernst, um Witze zu machen: Die Ausbildungsstatistik verzeichnet innerhalb kurzer Zeit einen Rückgang um mehr als 16 %. Das zwingt uns zum Umdenken, spricht gegen ein Weiter-so und erfordert, dass unsere vier Berufsbezeichnungen für Ausbildungsplatzsuchende schnellstmöglich attraktiver werden. Aus diesem Grund ist unsere in regelmäßigen Abständen aufflammende Diskussion um die Namensgebung des Klempnerberufes wieder voll entbrannt. Warum ich anfangs vermutlich ebenso wenig begeistert darüber war wie Sie, erfahren Sie auf den nächsten Seiten der ersten BAUMETALL-Printausgabe des Jahres. Warum die Änderung der Ausbildungsberufsbezeichnung überlebenswichtig scheint, ebenso!

Selbsttest Der. Die. Das. Wieso? Weshalb? Warum? Wenn Sie diese Liedzeile spontan erkennen und die dazugehörige Melodie dazu sogar mitsingen können, dann wissen Sie, wie Marketing funktioniert. Dann haben Sie verstanden, dass echte Reichweite erzielt werden kann und dass derjenige dumm bleibt, der sich nicht traut nachzufragen. Was in der Sesamstraße gilt, funktioniert auch in der Klempnerwelt, und nicht nur dann, wenn es heißt: „Ich bin Klempner von Beruf!“ Auch bei uns gibt es 1000 tolle Sachen zu sehen und manchmal muss man eben fragen, um sie zu verstehen. Genau das wünsche ich mir von Ihnen. Und ob Sie Ihre Fragen dabei genderneutral oder traditionell formulieren, ist Zunft-Jacke, wie -Hose. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe mich warmgelaufen und freue mich auf Ihre Wortmeldung. Dabei ist es mir ganz gleich, ob Sie Klempner, Spenglerin, Flaschner oder Blechnerin sind, wenn Sie wissen, was ich meine …

Herzlichst Ihr

Klempnermeister Andreas Buck (Chefredakteur)

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