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Ausbildung: Tops & Flops

Klartext

Peter Drews ist Studienrat und Ausbilder an der Robert-Bosch-Schule in Ulm. Seit über 20 Jahren ist dort die Landesfachklasse für Klempner-Azubis untergebracht. Drews, selbst Klempner, kennt sich fachlich hervorragend aus. Was noch viel wichtiger ist: Er hat stets ein offenes Ohr für seine Schützlinge und begegnet ihnen auf Augenhöhe. Gemeinsam mit seinem ebenfalls aufgeschlossenen und zukunftsorientierten Kollegen-Team ist er bemüht, den Lehrlingen das bestmögliche Rüstzeug für ein erfolgreiches Berufsleben zu geben.

Zufall oder Plan

Dass ich Peter Drews anrufe, ist Zufall. Er ist der einzige Fachlehrer in Ulm, dessen Mobilnummer ich gespeichert habe. Kurzentschlossen frage ich nach, ob es möglich sei, mit seinen Schülern zu sprechen. Ein entsprechendes Treffen kam Ende 2023 zustande. In BAUMETALL-Ausgabe 8/2023 und auf www.baumetall.de wurde das Ergebnis veröffentlicht. Die Kernaussagen des Beitrages sind:

  • Die Azubis sind offen und wissen, was sie wollen.
  • Sie schätzen den Austausch mit erfahrenen Berufskollegen.
  • Der Ausbildungsstart erfolgt oft ohne klare Vorstellung vom Beruf.
  • Spaß an der Arbeit und Freude am Lernen werden bestätigt.
  • Kritikpunkte sind Arbeitsdruck oder witterungsbedingte Nachteile.
  • Bessere Praxisorientierung in der Ausbildung wird gefordert.
  • Azubis engagieren sich für die Zukunft des Handwerks und danken BAUMETALL für die Unterstützung.
  • Gespräch auf Augenhöhe

    Die Flops: Fünf Mega-Aufreger

    Ende Januar 2024 verabredeten sich 20 engagierte Azubis zu einem weiteren Fachgespräch. Im Firmengebäude des Vöhringer M.A.S.C.-Teams diskutierten sie mit Fachlehrer Peter Drews, Gastgeber Martin Fischer und BAUMETALL-Chefredakteur Andreas Buck über Missstände und Positives. Dem M.A.S.C.-Hashtag #AufDemDachSindWirPerDu entsprechend nahm die Diskussion vom Start weg hohes Tempo auf: Folgende Aspekte wurden direkt und ohne Umwege auf den Punkt gebracht:

    Aufreger 1: Die Organisation der überbetrieblichen Ausbildung funktioniert nicht. Zuständigkeiten sind oft nicht geklärt. Informationen oder Termine werden unvollständig weitergegeben.

    Aufreger 2: Das erste Lehrjahr ist umsonst. Kritisch wird die nicht den Anforderungen des Klempnerhandwerks entsprechende Grundausbildung Metall gesehen. In bestimmten Landkreisen erfolgt das erste Ausbildungsjahr sogar gemeinsam mit den Anlagenmechanikern. Dabei sei doch bekannt, dass der Klempner nicht neben dem Klo sitzt.

    Aufreger 3: Die Lehrzeit ist zu lang! Im direkten Vergleich mit Dachdeckern oder Zimmerern sowie unter Berücksichtigung des fachlich ungerechtfertigten ersten Lehrjahres wäre eine dreijährige Ausbildung angebracht. Gekürzt werden sollte am Anfang.

    Aufreger 4: Die Ausbildungsvergütung ist im Vergleich mit anderen Dachgewerken zu gering.

    Aufreger 5: Zahlreiche Ausbildungsbetriebe übernehmen weder Internatskosten noch Reisepauschalen. Die ohnehin knappe Ausbildungsvergütung schrumpft in der Zeit des Blockunterrichts oft gegen null.

    Die Tops: Fünf Gründe, warum es sich lohnt, Klempner zu werden:

    Grund 1: Die Azubis sehen täglich, was sie mit ihren Händen geschaffen haben, sind stolz und können sich noch Jahre später an ihrer Arbeitsleistung erfreuen.

    Grund 2: Täglich neue Herausforderungen zu erleben ist reizvoll.

    Grund 3: Die Vielseitigkeit des Berufs ist besser, als beispielsweise in Fabriken täglich sehr ähnliche Aufgaben zu erledigen.

    Grund 4: Die Azubis spüren die Dankbarkeit der Kunden. Professionelles Handwerk wird durchaus geschätzt.

    Grund 2: Kein Lärm. Kein Staub. Kein Schmutz: Die Arbeit des Klempners ist im Vergleich mit anderen Dachgewerken und Bauberufen sehr sauber.

    The Kids Are Alright

    Ich bin überrascht. Viele hier aufgezählte Punkte erinnern mich an meine eigene Ausbildung Anfang der 1980er-Jahre. Je nach Landkreis hakte es schon damals mehr oder weniger und es wurden zielgerichtete Ausbildungsinhalte vermisst. Mein drittes Lehrjahr absolvierte ich als einziger Klempner-Lehrling in der Pforzheimer Klasse der Installateure.

    Was mich beeindruckt, ist das Selbstbewusstsein der Ulmer Azubis. Sie wissen sehr genau, welche Ziele sie erreichen wollen, sprechen schon jetzt von der Meisterschule und zeigen Begeisterung für „ihren“ Beruf. Und: Sie bitten Gastgeber Fischer und mich, eine Fortsetzung zu organisieren. Auch dazu haben die Azubis sehr konkrete Vorstellungen:

  • Sie wünschen sich noch mehr Austausch auf Augenhöhe,
  • nicht um zu meckern,
  • sondern um das Leben nachfolgender Lehrlinge ein klein wenig besser zu machen.
  • Und noch eine Bitte wurde an mich herangetragen:

    Ist es möglich, engagierte Kollegen aus den Reihen des etablierten BAUMETALL-Treffs kennenzulernen? Natürlich ist es das!

    Jetzt anmelden

    Sie möchten dazu beitragen, die Zukunft der Klempnerbranche besser zu machen? Dann melden Sie sich am besten per E-Mail und mit dem Stichwort Zukunftsklempner direkt in der Redaktion. Der Termin für die dritte Gesprächsrunde wird zeitnah bekannt gegeben. Im Namen des BAUMETALL-Teams freue ich mich schon heute auf zahlreiche Rückmeldungen interessierter

  • Azubis
  • BAUMETALL-Treff-Mitglieder
  • Leserinnen und Leser
  • Verbandsmitglieder
  • Ausbilder
  • Kurz, ich freue mich darauf, das Who is Who der Zukunftsklempner einzuladen. Apropos: Wussten Sie, dass es schon immer Personen gab, die hoffnungsvoll in die Zukunft blickten? Zu ihnen zählen beispielsweise die Musiker von The Who. Ihr 1965 veröffentlichter Titel „The Kids Are Alright“ ist einer der bedeutendsten britischen Rocksongs. Der Titel ist genauso alt wie ich und er ist meine persönliche Hymne für alle Azubis und Zukunftsklempner.

    Peter Drews und Andreas Buck (stehend) mit Azubis der RBS-Ulm

    Bild: Fischer

    Peter Drews und Andreas Buck (stehend) mit Azubis der RBS-Ulm