Der Alfons W. Gentner Verlag besitzt die exklusiven Verwertungsrechte an Herbert Schlenkers Standardwerk „Die Fachkunde der Bauklempnerei“. BAUMETALL-Leserinnen und -Leser profitieren folglich von einem einzigartigen Mehrwert, denn das zeitlose Fachbuch steht ab sofort als digitale Version sowie als kommentierte Artikelserie in 10 Teilen zur Verfügung. Ziel der neuen Wissensserie ist es, das historische Fachwissen in den Arbeitsalltag von heute zu transformieren. Dazu kommentieren Peter Stelzer und Andreas Buck spezielle Ausführungsvarianten, die heute noch immer funktionieren. Das Experten-Duo zeigt aber auch zeitgemäße Möglichkeiten auf, zitiert aktuelle Fachvorschriften und warnt vor Herangehensweisen, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Los geht es mit Herbert Schlenkers Ausführungen rund um Dachrinnen.
Peter Stelzer: Temperaturbedingte Längenänderungen unbedingt beachten!
In meiner Sachverständigentätigkeit muss ich mich auch heute noch ständig mit Schäden beschäftigen, die auf Nichtbeachtung von temperaturbedingten Längenänderungen zurückgehen. Neben der Ausdehnung im Sommer muss zwingend auch die Kontraktion im Winter berücksichtigt werden. Zur Vermeidung von Schäden müssen wir Spengler sogenannte Dehnungselemente in unsere Profile und Metallelemente einbauen.
Herbert Schlenker beschreibt in seinem Werk noch die klassische, handwerkliche Herstellung von Schiebestücken (Dehnungselementen) für den Ausgleich temperaturbedingter Längenänderungen. Diese handwerklich hergestellten Schiebestücke zeichnen sich vor allem durch ihre Dauerhaftigkeit aus. Sie sind nahezu wartungsfrei. Vor allem an denkmalgeschützten Gebäuden sollte aus meiner Sicht auf die handwerklichen „Schlenker-Details“ zurückgegriffen werden. Das ist hohe Schule, die sich jedoch nicht in jedem Fall umsetzen und vor allem wirtschaftlich darstellen lässt.
Heute gibt es für den modernen Dachhandwerker einbaufertige Dehnungselemente. Gefertigt werden diese aus einer EPDM-Gummimischung, die meistens beidseitig aufvulkanisiert ist. Von namhaften Herstellern gefertigt, haben sich diese Dehnungselemente über einen langen Zeitraum bewährt. Aus meiner Erfahrung sind die in unserer Klempnerfachregel angegebenen Richtwerte für Mindestabstände für den Einbau von Bewegungsausgleichern zu groß (siehe auch mein Artikel in der BAUMETALL 05/2025). Mein Ratschlag lautet, diese Abstände auf keinen Fall zu überschreiten, sondern eher kürzere Abstände zu wählen.
Erlauben Sie mir noch eine Anmerkung zum Thema Kleben. Ein Kollege sagte kürzlich zu mir: „Besser gut geklebt als schlecht gelötet!“ Diesem Satz kann ich mich nur anschließen. Sorgfältig ausgeführte Klebeverbindungen, bei denen die Herstellerempfehlungen berücksichtigt wurden, haben sich längst bewährt und gehören zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Bei der Auswahl des Klebers gilt wie so oft: Qualität geht vor Preis!
Sie sehen, die alten Grundregeln von Schlenker zur Längenänderung gelten also nach wie vor. Physik kann man nicht wegdiskutieren, man muss sie verstehen und berücksichtigen.
Andreas Buck: Vielseitig und einzigartig
Sag mir, welche Rinne du montierst, und ich sag dir, wer du bist, denn zur Aufgabe der Dachentwässerung zählt weit mehr als nur das Ableiten von Regenwasser. Die Art der Ausführung ist auch ein Gradmesser für den Spezialisierungsstand eines Fachbetriebs. Während die klassische halbrunde Hängerinne im harten Preiswettbewerb des Standardgeschäfts dominiert, beginnt der Weg in die hochprofitable Nische dort, wo es geometrisch und planerisch anspruchsvoll wird. Dabei ist es unerheblich, ob eine Kastenrinne für moderne Architektur, eine hochsensible innen liegende Rinne oder eine Aufdach- und Simsrinne aus der handwerklichen Königsklasse im Denkmalschutz eingesetzt wird. Es gilt: Je komplexer Rinnenform und Details, desto unverzichtbarer wird echtes Fachwissen. Wer entsprechende Details beherrscht, positioniert sich und seinen Betrieb neu und unterstreicht seine Position als gefragter Experte. Um diesen Vorsprung weiter auszubauen, ist der Schlenker auch im Jahr 2026 extrem hilfreich!
Fortsetzung folgt
Teil 2 erscheint in BAUMETALL-Ausgabe 6 am 8. Oktober 2026. Dann befassen sich Peter Stelzer und Andreas Buck u. a. mit der zeitgemäßen Ausführung von Shedrinnen.
Bild: Peter Stelzer
Bild: Peter Stelzer