Trotz aller Warnungen werden die Risiken von zu viel Sonne für unsere Haut immer noch vielfach unterschätzt. Auf dem Schweizer Spenglertag sprach ein Experte eingehend über dieses Thema, das alle betrifft, die im Freien arbeiten – also auch Klempner Von Ursula Wirtz
Endlich Frühling, endlich Sonne! Da macht das Handwerk gleich noch mehr Spaß. Aber genauso sehr wie Bleche, Falze und Rinnen sollte uns Dachprofis auch die Gesundheit am Herzen liegen – und vor allem unsere Haut, das größte Organ unseres Körpers. Mit den Gefahren, denen sie beim Arbeiten unter freiem Himmel ausgesetzt ist, befasste sich Dr. Roland Krischek im März auf dem Schweizer Spenglertag in Bern. Er ist Sicherheitsingenieur bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva), dem Schweizer Pendant der deutschen Berufsgenossenschaften, und er ist überzeugt: „Sonnenschutz muss auf der Baustelle so selbstverständlich werden wie das Tragen von Sicherheitsschuhen oder Helmen.“
Denn UV-Strahlung stellt für die Haut eine hohe Belastung dar. Die Folgen können schwerwiegend sein, angefangen beim Sonnenbrand bis hin zu dauerhaften Schädigungen. Wissenschaftler sind sich einig, dass langjährige UV-Strahlung der Sonne bestimmte Hautkrebserkrankungen verursachen kann. Die Ernsthaftigkeit der Gefahr ist nicht nur der Schweizer Suva, sondern auch der deutschen DGUV bekannt: Bei Outdoor-Arbeitern gelten UV-bedingte Hautkrebsformen gegebenenfalls als „arbeitsbedingt“ und sind daher sogar als Berufskrankheit anerkannt. Dies ist im gesamten D-A-CH-Bereich so, also in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.
Sonnenschutz ist auch schon im Frühjahr wichtig
Krischek erklärt: „Wer jeden Tag im Freien arbeitet, ist einer mehr als doppelt so hohen UV-Strahlung ausgesetzt wie ein Indoor-Worker, inklusive Freizeit und Ferien.“ Über die Jahre hinweg steigt die Belastung. Deshalb mahnt er eindringlich: „Der richtige Schutz ist für Outdoor-Worker zentral.“ Das gilt nicht nur im Hochsommer. Zwar ist die Sonnenstrahlung im Juni und Juli am intensivsten, aber richtig schützen sollten wir uns bereits im Frühjahr und bis in den Herbst: von April bis September.
„Der richtige Schutz ist für Outdoor-Worker zentral.“
Chefs und Führungskräften kommt hier eine besondere Rolle zu. Schließlich hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht für seine Belegschaft. Das heißt: Er muss dafür sorgen, dass die Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiter stets gewährleistet sind. Dazu gehört auch, dass er die notwendigen Maßnahmen für Sonnenschutz trifft und erforderliche Mittel, wie zum Beispiel Sonnencreme, bereitstellt. Vor allem die exponierten Körperstellen wie Nase, Lippen, Stirn, Ohren, Hals, Nacken oder Unterarme sollten gut geschützt werden, etwa mit einer Kopfbedeckung mit Stirnblende und Nackenschutz, einem breitkrempigen Hut und entsprechender Kleidung. Was nicht bedeckt werden kann, braucht eine Extraportion Sonnencreme.
Chefs sollten mit gutem Beispiel vorangehen
Leider nehmen immer noch viele Dachprofis die Risiken der Sonnenstrahlung auf die allzu leichte und oft entblößte Schulter – anstatt diese etwa mit einem T-Shirt zu schützen. Damit solche und auch andere, oben genannte Maßnahmen tatsächlich angewandt werden, sind die Führungskräfte gefragt. Denn, so Krischek: „Gehen sie mit gutem Beispiel voran und wenden sie die Schutzmaßnahmen an, werden diese besser umgesetzt.“
Vorbildliche Vorgesetzte und Ausbilder tragen Kopfbedeckungen gegen die Sonne, cremen sich selbst ein, verwenden schützende Kleidungsstücke und halten dann die Mitarbeiter dazu an. Darüber hinaus gibt es noch weitere Maßnahmen, die getroffen werden können. So empfiehlt Gesundheitsexperte Krischek, dass die Arbeiten im Freien nach Möglichkeit im Schatten durchgeführt werden. Soweit es die Abläufe zulassen, sollten Arbeiten in der prallen Sonne grundsätzlich vermieden werden, also auch und gerade in der kritischsten Zeit im Juni und Juli zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht. Bei bewölktem Himmel ist die Strahlenbelastung dagegen weniger bedenklich.
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Gibt´s leider noch nicht im Handel: die Sonnencreme für Klempner und Spengler
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Dr. Roland Krischek warnt auf dem Schweizer Spenglertag vor Gesundheitsrisiken durch zu viel Sonne
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Tatort Dach: ein schutzlos der Sonne ausgelieferter Handwerker
Sicher und gesund auf der Baustelle
Mit Arbeitsschutz bei der technischen Gebäudeausrüstung, möglichen Belastungen und Gefährdungen sowie Arbeitsplatzgestaltung befasst sich auch das Fachbuch „Gesundes Arbeiten in der Gebäudetechnik“. Es weist Arbeitgeber auf Normen und Arbeitsschutzgesetze hin. Außerdem verdeutlichen Checklisten und zahlreiche Praxisbeispiele, wie Verletzungen und Schäden vorgebeugt werden kann und gleichzeitig Arbeitsqualität und Arbeitsökonomie gewährleistet bleiben.