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Kinder betet, der Vater lötet

Ist das so? Handwerk ist krisensicher, weil die physische Arbeit vor Ort unersetzlich bleibt und von KI nicht übernommen werden kann. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn KI-resistent bedeutet nicht automatisch auch digitalisierungsresistent. Anders gesagt: Vorerst werden Roboter den Dachhandwerker nicht ersetzen. Wer jedoch digitale Werkzeuge auf Dauer ignoriert, läuft Gefahr, wirtschaftlich abgehängt zu werden. Im Kern geht es darum, Schnittstellen und die Arbeitsvorbereitung mit digitalen Hilfsmitteln zu verändern – auch und gerade weil der Lötkolben am Ende derselbe bleibt.

Hebeleffekt Werkstatt Digitalisierung verschiebt die Wertschöpfung von der Baustelle hin zur optimalen Fertigung. Während traditionelle Handwerker noch mit Zollstock und Maßband auf dem Gerüst stehen, sind digital unterstützte Kollegen deutlich schneller. Sie erfassen Maße per Laserscanner oder Drohne und senden die Daten zur Weiterverarbeitung an den vernetzten Maschinenpark. Mühsames Anreißen von Hand bzw. die analoge Vorbereitung der Metall­elemente wird somit überflüssig. Darüber hinaus montieren digital unterstützte Handwerker passgenaue Metallprofile in einem Bruchteil der Zeit. Wesentlich effizienter. Profitabler.

War for Talents Moderne Betriebe haben bei der Suche nach Auszubildenden einen signifikanten Wettbewerbsvorteil. Das liegt u. a. an den Erwartungshaltungen der Generationen Z und Alpha. Für diese Digital Natives ist der souveräne Umgang mit Technik eine Grundvoraussetzung. Fachbetriebe, die auf Digitalisierung und 3D-Planung setzen, strahlen eine völlig andere Anziehungskraft aus als analog arbeitende Unternehmen. Der Einsatz von Hightech-Werkzeugen steigert aber nicht nur den Coolness-Faktor. Moderne Arbeitgeber signalisieren den Jugendlichen auch, zukunftssicher zu sein.

Social Media auf Knien Wie Sie wissen, habe auch ich den Beruf des Spenglers gelernt. Auf Knien rutschend habe ich am Werkstattboden Bleche mühsam mit der Schere zugeschnitten. Das war schon in den 1980er-Jahren uncool. Was mich wundert, ist, dass es ähnliche Szenen heute immer noch zu sehen gibt. Und ich frage mich ernsthaft: Wie wirken entsprechende Beiträge auf Social Media im Jahr 2026 auf den potenziellen Nachwuchs? Unbestritten assoziiert die Jugend eine geringere körperliche Belastung mit Modernität und Professionalität. Digital erfasste, passgenaue Metallelemente, die just in time auf die Baustelle geliefert werden, leisten somit einen Beitrag zur Vermeidung von Stress und körperlichem Verschleiß. Mit Blick auf die Work-Life-Balance und das Gesundheitsbewusstsein gewinnen solche Fakten an Bedeutung. Darüber hinaus optimieren Strukturen wie die Dokumentation via Tablet oder digital erstellte Arbeitsmappen das Bild eines gut organisierten Arbeitgebers. Nahezu unbemerkt wandelt sich derzeit das Berufsbild. Beachtlich ist außerdem, dass die Azubis in modernen Fachbetrieben nicht länger nur ausführende Kraft sind. Sie werden vielmehr zu modernen Spezialisten an der Schnittstelle von Handwerk, Digitalisierung und Technik ausgebildet.

Herzlichst Ihr

Klempnermeister Andreas Buck
(Chefredakteur)

Andreas Buck
Chefredakteur, Klempnermeister