Schon Galileo Galilei wusste: „Und sie bewegt sich doch!“ Ob diese berühmte Erkenntnis Johannes Fischer dazu inspiriert hat, im Rahmen seiner Meisterprüfung an der Spengler-Meisterschule Würzburg ein rotierendes Modell der Erde zu erschaffen, bleibt sein Geheimnis. Fest steht jedoch: Sein Spengler-Globus ist ein wahrhaftiges Meisterstück geworden. Die besondere Herausforderung lag in der perfekten Geometrie der Kugeloberfläche. Fischer formte die filigranen Segmente entlang der Meridiane an der Sickenmaschine extrem präzise und ohne sichtbare Bearbeitungsspuren.
Auf den profilierten Segmenten heben sich die Kontinente plastisch ab. Sie wurden sorgfältig aus glänzendem Kupfer geformt bzw. getrieben und erhaben aufgesetzt. Den krönenden Abschluss bildet die Trägerarchitektur des Meisterstücks: Die Kugel ruht drehbar in einem präzise gebogenen Meridianbügel. Getragen wird der Globus von einem elegant geschwungenen, mehrfach segmentierten Sockel aus hochglanzpoliertem Kupfer, der auf einer edlen Holz-Bodenplatte verankert ist. Fischers eindrucksvolles Meisterstück vereint mathematische Präzision und handwerkliche Ästhetik.
Die Welt ist meine Vorstellung*
Was *Arthur Schopenhauer philosophisch formulierte, hat Georg Lummel handwerklich auf ein neues Niveau gehoben. Sein Globus gilt in der Szene bis heute als einer der ersten, wegweisenden und vermutlich besten überhaupt. Das Meisterstück ist ein echtes Referenzobjekt, das Maßstäbe für die gesamte Branche gesetzt hat. Die handwerkliche Raffinesse der Kugel beruht auf zwei in Handarbeit getriebenen Kupferhalbschalen. Getragen wird die Erdkugel von einem elegant geschwungenen Fuß aus segmentiertem und patiniertem Kupfer. Wie zeitlos und bedeutend Lummels Arbeit ist, zeigt ihr heutiger Ehrenplatz: Das Unikat ist im Europäischen Klempner- und Kupferschmiede-Museum in Karlstadt als Schaustück zu bewundern. Dort transportiert die Beschriftung „Weltweite Firmenphilosophie“ die DNA des international gefragten Spezialbetriebs aus Unterfranken. Gemeinsam mit seinem Team realisiert Lummel weltweit hochkomplexe Großprojekte für renommierte Stararchitekten.
Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt** Ludwig Wittgenstein
Wenn Handwerkskunst zur Sprache wird, entstehen Werke von faszinierender Klarheit. Johannes Lindner wählte für sein Meisterstück an der Spengler-Meisterschule Würzburg eine ausdrucksstarke Ausführung: Sein Globus besteht vorwiegend aus Kupfer. Die handwerkliche Besonderheit liegt in der Segmenteinteilung der Kugel. Lindner arbeitete mit klassischen Stehfalzsegmenten, bei denen die Falze bewusst nach außen gesetzt wurden. Diese markanten Linien verleihen dem Meisterstück eine präzise Struktur entlang der Längengrade und unterstreichen so den handwerklichen Charakter des Spenglerberufs.
Der Ball ist rund und die Welt eine Kugel** Frei nach Sepp Herberger
Erstklassige Blechwelten entstehen keineswegs erst mit dem Meisterbrief in der Tasche. Der entsprechende Beweis kommt von Auszubildenden der Berner Ramseyer & Dilger AG. Sie fertigten einen ebenso präzisen wie humorvollen Kupferglobus für den Lehrlingswettbewerb im Rahmen des Schweizer Spenglertages an. Das Projekt verbindet handwerkliche Akkuratesse mit erfrischender Kreativität: Die Segmente erinnern an klassische Fußball-Waben. Auf dieser prägnanten Struktur heben sich die Kontinente sauber ab. Der eigentliche Clou thront jedoch direkt am Nordpol auf der Drehachse: Ein perfekt miniaturisierter VW-Bulli rollt hier sprichwörtlich einmal um die ganze Welt. Diese fantastische Nachwuchsarbeit zeigt eindrucksvoll, mit wie viel Begeisterung, Augenzwinkern und technischem Können der Schweizer Spenglernachwuchs das Handwerk vertritt.
Die Welt ist nicht genug** Ian Fleming / James Bond
Manchmal reicht eine Kugel allein nicht aus: Den krönenden Abschluss dieser Serie bildet der Globus von Marco Theuergarten, gefertigt an der Meisterschule in Ulm. Wer das Objekt genauer betrachtet, erkennt schnell: Eigentlich sind es gleich zwei Meisterstücke in einem. Während die Erdkugel selbst durch ihre makellose Aufteilung besticht, wäre der aufwendig geschwungene und virtuos gefalzte Sockel für sich genommen schon ein vollwertiges Meisterstück. Mit diesem überzeugte Theuergarten auch die Fachjury des BAUMETALL-Wettbewerbs „Meisterstück des Jahres“. Verdient sicherte er sich seinen Platz unter den Preisträgern und wurde mit dem begehrten Goldenen Kreuzschweifhammer von Picard ausgezeichnet.
Alle hier vorgestellten Globen zeigen eindrucksvoll, was im Spenglerhandwerk möglich ist, doch die Welt der Metalle bietet natürlich noch weit mehr als Weltkugeln aus Blech! Ob Zwiebelturm, Zapfanlage, Stehtisch oder ausgetüfteltes Dachmodell – seit 2009 wählen BAUMETALL-Leser die beliebtesten Arbeiten der Branche per Voting ins Wettbewerbsfinale.
Meisterstück des Jahres: Jetzt bewerben
Alle Spenglermeisterinnen und Klempnermeister, die ihre Prüfung nach August 2025 absolviert haben, sind herzlich zur Teilnahme am Wettbewerb eingeladen. Wie die Bewerbung im Detail funktioniert und welch faszinierende Vielfalt an Inspirationen bisherige Jahrgänge bieten, ist auf www.baumetall.de/meisterstuecke zu finden.