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Zacke für Zacke zum Meisterwerk

Handwerk wird zur Maßkonfektion

Es gibt Momente im Berufsleben eines Flaschnermeisters, in denen Pläne die Grenze zwischen Genialität und Wahnsinn durchaus strapazieren. Die Anfrage des Architekturbüros Kübler aus Untergruppenbach markiert genau einen solchen Augenblick. Teil der anspruchsvollen Aufgabe ist es, ein Privathaus mit einer deutlich strukturierten Metallfassade zu bekleiden. Steffen Wengert erinnert sich: „Ursprünglich war vom Architekten ein holländisches System im Stil einer Leistendeckung vorgesehen. Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, wie man darauf kommen kann. Nach ersten Besprechungen kam auch das Prefa-Zackenprofil ins Spiel.“

Die stranggepressten Aluminiumprofile erzeugen eine scharfkantige Optik in höchster Präzision. Ein weiterer Pluspunkt ist die extreme Langlebigkeit entsprechender Gebäudehüllen. Dank der verdeckten Befestigung im Nut-Feder-System entsteht ein vollkommen sauberes Fassadenbild ohne sichtbare Schrauben. Bereits zu diesem Zeitpunkt ahnte der Baumetaller, dass dieses Bauprojekt alles andere als eine Standardaufgabe sein würde: „Ein Spezialeffekt des Architekten war zum Beispiel die Idee, voll integrierte Lichtschlitze im Profil zu erzeugen. Damit solle die Fassade nachts regelrecht zum Atmen gebracht werden“, erinnert sich Wengert.

Vom Akkubohrer zur industriellen Präzision

Die Inspiration für diesen Effekt stammte von einem Projekt an einer Industriehalle. Dort wurde die Fassade im Bereich der Fenster mit einfachem Lochblech fortgeführt. „Das wird etwas Besonderes, soll so ähnlich aussehen, nur eben in schöner“, lautete der Auftrag an Wengert. Der Flaschnermeister prüfte daraufhin verschiedene Optionen und holte sogar eine Zweitmeinung bei einem Kollegen ein. Das Ergebnis war eindeutig: Lochblech-Kantungen im Zackenprofil sind eine Sackgasse. Das Material knickt beim Biegen nicht exakt an der vorgesehenen Linie. Der präzise Rhythmus der Fassade wäre verloren gegangen. Als der Vorschlag aufkam, das massive Strangpressprofil einfach nachträglich zu lochen, folgte Wengerts trockener Kommentar: „Dann nimm mal den Akku und bohr mal los!“

Was moderne Laserschneidsysteme alles möglich machen fasziniert mich. Hersteller oder Dienstleister helfen bei der Planung Steffen Wengert

Bild: BAUMETALL

Schnell war klar, dass dieses Problem nur mit einer industriellen Lösung zu bewältigen sein würde. Doch selbst bei den Experten von Prefa stieß das Vorhaben zunächst auf Unglauben. Fachleute wie Dr. Konrad Hanf zweifelten am Verstand der Beteiligten. Die Sorge galt der Statik. Nach intensiven Diskussionen gab es schließlich die Freigabe: Schlitze von maximal 40 cm Länge und 14 mm Breite waren zulässig. Zwischen den Ausschnitten mussten mindestens 5 cm Material stehen bleiben, um die Stabilität des Profils nicht zu gefährden.

Schlitze auf schiefer Ebene: Wenn Licht durch Aluminium atmet

Nach der Freigabe durch Dr. Hanf (Prefa-Technik) war das „Dürfen“ geklärt. Doch nun folgte das „Können“. Wengert vertraute hierbei auf seine langjährige Erfahrung. Bereits in der Ausbildung arbeitete er an einer hydraulischen 8-m-Abkantbank – eine Dimension, die damals im weiten Umkreis Seltenheit besaß. Dieses frühe Training an schweren Maschinen schärfte sein Gespür für machbare Radien und Materialwiderstände. Dennoch erwies sich die aktuelle Umsetzung als enorme Hürde. Fräsen war zunächst die erste Wahl. Doch die Profile sind bis zu 3,80 m lang. Herkömmliche Frästische waren dafür ganz einfach zu kurz. Das Material ließ sich nicht sicher aufspannen. Wengert aktivierte sein gesamtes Netzwerk. Er suchte jemanden, der jemanden kennt, der eine Lösung hat.

Ein befreundeter Zimmermann gab schließlich den entscheidenden Impuls. Er stellte den Kontakt zu einem Laserbetrieb her. Die Herausforderung für den Laserspezialisten war gewaltig. Ein Laser arbeitet normalerweise auf einer Ebene. Hier mussten die Lichtschlitze jedoch in die schräge Flanke des Zackenprofils geschnitten werden. Der Versuch glückte. Die Schlitze wurden präzise in das Aluminium gelasert. Die Kosten für dieses Verfahren hüllt der Flaschnermeister heute charmant in einen Mantel des Schweigens.

Spitzenleistung und Fassaden-Highlight

Die wahre handwerkliche Spitzenleistung zeigt sich jedoch im Detail der Garagentore. Sie verschwinden vollkommen in der Struktur. Wengert gelang es, das Zackenmuster unterbrechungsfrei über die beweglichen Bauteile hinwegzuführen. Jede Fuge sitzt auf den Millimeter genau. Auch an den Gebäudeecken beweist der Flaschner sein tiefes Fachverständnis: Er führte die stranggepressten Profile so präzise um die Kanten, dass die plastische Tiefenwirkung der Zacken ohne sichtbare Unterbrechung erhalten bleibt.

Ein besonderes Fassaden-Highlight zeigt sich bei Dämmerung. Sobald es dunkel wird, entfaltet das Gebäude seine volle Magie: Das Licht dringt durch die gelaserten Schlitze und lässt das massive Aluminium beinahe schwerelos wirken. „Die Fassade atmet dann richtig. Erst in diesem Moment sieht man, dass der Plan des Architekten tatsächlich aufgegangen ist“, stellt Wengert fest. Für ihn ist das Ergebnis die Bestätigung, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat.

Am Ende steht eine Lösung, mit der Planer und Bauherr mehr als zufrieden sind. Für Steffen Wengert ist dieses Projekt der Beweis für den Wert meisterlicher Flaschnerarbeit. Es zeigt, dass echtes Handwerk dort Lösungen findet, wo industrielle Standards längst an ihre Grenzen stoßen.

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