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Klempnertreff 2026

Digitalisierung im Klempnerhandwerk

Die Digitalisierung im Handwerk ist längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr – sie ist der Motor für mehr Lebensqualität und Präzision. Bei der jüngsten Podiumsdiskussion des Fachverbandes SHK Baden-Württemberg wurde deutlich: Während die Verwaltung in vielen Betrieben bereits papierlos glänzt, schlägt die Stunde der Wahrheit jetzt auf dem Dach und an der Kantbank. Experten aus Werkstatt, Handel und Fachbetrieb zeigten auf, wie aus Daten echte Zeitersparnis wird.

Administration = Befreiungsschlag im Büro

„Wer seine Baustellen noch mit Zettel und Stift dokumentiert, stiehlt seiner Familie jedes Jahr 20 Sonntage“ – mit dieser provokanten These eröffnete das Podium die Debatte und traf einen Nerv. Ruben Kaltenbach (Kempf GmbH & Co. KG) verdeutlichte als Vorreiter im administrativen Bereich, dass Digitalisierung hier kein Selbstzweck sei, sondern pure Zeitersparnis. Er beschrieb, wie eine durchgängige digitale Kette – von der Kalkulation über die Zeiterfassung bis zur rechtssicheren Abwicklung – das Büro massiv entlastet. Kurz: Der digitale Handlanger ist im administrativen Alltag angekommen und hält dem Meister den Rücken für das eigentliche Handwerk frei.

Die Schnittstelle: Wenn die Maschine immer besser „versteht“

Moderator Andreas Buck (BAUMETALL) legte den Finger in die Wunde. Sinngemäß sagte er: „Was nützt das bestmöglich digitalisierte Büro, wenn die Daten nicht auf der Maschine landen – oder das Aufmaß noch immer auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel erfolgt?“ Spontan bat er Hannes Gayer (Krehle GmbH) aus dem Publikum auf das Podium. Bucks Frage lautete: Wie kann die Lücke zwischen Baustelle und Fertigung in modernen Fachbetrieben geschlossen werden?

Gayer lieferte den entscheidenden Impuls für die moderne Klempnerwerkstatt: Er berichtete, wie beid er Krehle GmbH hochpräzise Punktwolken aus einem digitalen Aufmaß zur Ansteuerung von CNC-Maschinen genutzt werden. Diese Vernetzung minimiere nicht nur den Verschnitt bei hochwertigen Metallen, sondern garantiere eine Passgenauigkeit bei der Profilherstellung und Montage, die händisch kaum zu erreichen wäre. Gayer ist sich sicher: „Durch das digitale Aufmaß sind wir heute in der Lage, komplexe Metallprofile bereits passgenau vorzufertigen, während am Rohbau noch gearbeitet wird.“

Digitale Hilfsmittel & Zukunftsvisionen 

Thorsten Haas (Gustav Barth GmbH) blickt in die Zukunft und skiziert die Neuausrichtung des Handels, der zukünftig weit mehr als ein reiner Materialbeschaffer sei. Zu den  entsprechenden Aufgaben gehöre beispielsweise die Optimierung der Abläufe durch intelligente Schnittstellent. Daten müssten im besten Fall so fließen, dass sie den Handwerker bei der Bestellung und Anlieferung maximal entlasten.

Dass dieser Weg keine Utopie ist, bestätigte der „Innovator“ der Runde, Michael Kirchen (Ferisol S.àr.l.). Seit über 15 Jahren führt er seinen Betrieb nahezu papierlos. Durch den Einsatz spezialisierter Software wie Sema zur Visualisierung komplexer Projekte sichert er sich nicht nur deutliche Wettbewerbsvorteile bei der Kundenberatung, sondern steigert auch die Akzeptanz im eigenen Team. Für Kirchen ist klar: Eine moderne digitale Ausstattung wertet das Berufsbild für den dringend benötigten Nachwuchs massiv auf.

Zwischenstand

Digitalisierung im Klempnerhandwerk bedeutet (konsequent eingesetzt) den Abschied vom teuren Raten beim Aufmaß sowie den Aufbruch zur datengestützten Präzision. Ob im Büro mit Ruben Kaltenbach, in der Logistik bei Thorsten Haas oder in der hochtechnisierten Fertigung bei Hannes Gayer – wer digitale Systeme in seine Arbeitsabläufe integriert, gewinnt weit mehr als nur Marge oder passgenauigkeit: Er gewinnt seine Sonntage zurück.

Die Akteure der Podiumsdiskussion

BAUMETALL

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Die Diskutanten haben sich u.a. auch mit diesen Thesen befasst

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Spontan: Hannes Gayer (r.) berichtet über digitale Aufmaßtechniken

Klaus Walter

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